Schumann-Rückkehr nach Thüringen: Deutschlands Leichtathleten im Wechselfieber
zuletzt aktualisiert: 03.12.2001 - 13:35Berlin (rpo). Deutschlands Leichtathleten haben knapp neun Monate vor den Europameisterschaften in München von der Möglichkeit des Vereinswechsels wieder regen Gebrauch gemacht. Das Wechselkarussell drehte sich bis zum Schluss auf Hochtouren.
Praktisch in letzter Minute hat der deutsche Rekordhalter und erste Sechs-Meter-Stabhochspringer Tim Lobinger (Foto) mit der LG Eintracht Frankfurt/Main einen neuen Verein gefunden. Zu den spektakulären Veränderungen gehört, dass 800-m-Olympiasieger Nils Schumann nach einjährigem Gastspiel seinen Kontrakt bei der LG NIKE Berlin gekündigt hat und nach Thüringen zum SV Creaton Großengottern zurückkehrt. Im Gegensatz zu seinem Berlin-Wechsel vor Jahresfrist verursachte der Schumann-Abgang diesmal weit weniger Wirbel.
Der 23-Jährige, der in Erfurt lebt und trainiert, hatte dem Hauptstadt-Verein unmittelbar vor der Abreise ins Höhentraining nach Südafrika die Kündigung seines bis 2002 laufenden Vertrages zugeschickt. "Ich kann nur sagen, dass Zusicherungen der Berliner nicht erfüllt worden sind", betonte der WM-Fünfte von Edmonton. Nachdem ihm Trainer Dieter Hermann wegen des Wechsels in die Hauptstadt die Zusammenarbeit aufgekündigt hatte, haben sich die Wogen längst geglättet. Schumann trainiert wieder bei seinem alten Coach, der neuerdings als Bundestrainer auch für die zwei Stadionrunden zuständig ist.
Die Berliner haben dem Europameister von 1998 nach Abstimmung mit dem amerikanischen Sportartikel-Hersteller NIKE, von dem Schumann nach seinem Sydney-Triumph einen millionenschweren Fünf-Jahres- Vertrag erhielt, keine Steine in den Weg gelegt. Der Hauptgeldgeber war von Schumann nicht unterrichtet worden, auch sein Marketing- Manager Klaus Kärcher wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Der wollte zunächst keine Stellung beziehen, betonte dann aber schnell, dass dieser Schritt keine Kündigung des NIKE-Vertrages bedeute.
Auch die anderen Wechsel gingen in der Regel ohne größeren Rummel über die Bühne, da viele Vereine durch den Rückzug von Sponsoren in finanziellen Engpässen stecken. Besonders schwer traf es den LAC Quelle Fürth/München, der seinen Etat kräftig zurückschrauben musste und bis auf Siebenkämpferin Karin Ertl alle Top-Athleten verlor. Tim Lobinger, der die WM-Teilnahme verpasst hatte und gerne nach Köln zurückgekehrt wäre, hing am längsten in der Luft. Sieben Stunden vor Ablauf der Wechselfrist am 30. November um Mitternacht wusste sein Manager Robert Wagner immer noch nicht, wo Lobinger unterschreibt.
Erst einen Tag nach Ende der Wechselmöglichkeit gab Eintracht Frankfurt die Verstärkung bekannt. Zuvor waren Gespräche in Köln und Wolfsburg gescheitert. Auch die syrische Siebenkampf-Olympiasiegerin von 1996, Ghada Shouaa (bisher USC Mainz), strebt in Frankfurt nach vielen Verletzungen ein Comeback an. Dafür verlässt die Olympia- Dritte von Sydney und deutsche Rekordhalterin im Hammerwerfen, Kirsten Münchow, den Verein in Richtung Minden, wo sie trotz Schwangerschaft mehr Geld erhält.
Nachdem die LG Olympia Dortmund zwei Hauptsponsoren verloren hatte, musste erst die Stadt einspringen, damit es weitergehen kann. 400-m-Vizeweltmeister Ingo Schultz hatte frühzeitig angekündigt, dass er bleibt. Andere Viertelmeiler um WM-Teilnehmer Lars Figura suchten sich wegen der Ungewissheit eine neue sportliche Heimat beim VfL Wolfsburg, wo der ansässige Autokonzern eine Anschubfinanzierung leistete.
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