Drei Jahresbestleistungen in Leverkusen: Deutschlands Leichtathleten kommen in Olympia-Form
zuletzt aktualisiert: 20.08.2000 - 21:03Leverkusen (dpa). Deutschlands Leichtathleten kommen in Olympia- Form und glänzten beim Bayer-Meeting am Sonntag in Leverkusen mit drei nationalen Jahresbestleistungen.
Für die absolute Weltklasse aber standen zwei Briten. Weltrekordler Jonathan Edwards stellte mit 17,62 m eine Jahresweltbestleistung im Dreisprung auf, Weltrekordler Colin Jackson katapultierte sich mit 13,10 Sekunden an die vierte Stelle der Jahresbestenliste über 110 m Hürden.
Hier lieferte Falk Balzer (Foto) mit zwei deutschen Jahresbestzeiten sportlich das beste Argument für eine Nachnominierung am Dienstag durch das Nationale Olympische Komitee (NOK) für die Sommerspiele in Sydney. Nachdem der 26-Jährige vom TuS Jena bereits im Vorlauf mit 13,28 Sekunden 1/100 Sekunde schneller war als bisher in diesem Jahr, steigerte er sich im Endlauf als Dritter gar auf 13,19 Sekunden. «Ich hoffe, dass ich nun nominiert werde. Ich wäre froh, wenn das alles vorbei ist, und ich wüsste, ich bin dabei», sagte Balzer, der wegen seines Ausrasters bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig bisher nicht für die Sommerspiele nominiert worden ist. Auch der Deutsche Meister Florian Schwarthoff (Ludwigshafen) steigerte als Vierter seine Jahresbestzeit um 19/100 Sekunden auf 13,23 Sekunden.
Erstmals seit der Geburt ihres Sohnes vor zwei Jahren knackte Olympiasiegerin Astrid Kumbernuss im Kugelstoßen die 20-Meter-Marke. Die Neubrandenburgerin kam im ersten Versuch auf 20,03 m. «Danach war die Spannung raus», sagte Astrid Kumbernuss, die nach drei Fehlversuchen auf die restlichen beiden Stöße verzichtete. «Nach dem verletzungsbedingten Verzicht auf die Deutsche Meisterschaft habe ich sehr hart trainiert und deshalb galt es: Jetzt 20 Meter oder nie.» Der Sieg in Leverkusen war im übrigen rund 50 000 Mark wert, weil sie damit die Gesamtwertung des «Diamonds-Cup» der vier wichtigsten deutschen Sportfeste (ohne ISTAF in Berlin) gewann.
Eine überzeugende Vorstellung bot auch Claudia Gesell, die lediglich als Härtefall ins deutsche Olympia-Team gekommen war. In einem mutigen Tempolauf drückte die Leverkusenerin ihre deutsche Jahresbestzeit über 800 m um fast eine halbe Sekunde auf 1:58,34 Minuten. «Ich wollte zeigen, was ich kann, weil ich ja auch nur als Härtefall nominiert worden bin», sagte die 22-Jährige.
Zu den Siegern des Tages zählte auch der Leverkusener Stabhochspringer Michael Stolle, der nach dem Erfolg am Freitagabend in Monte Carlo und der persönlichen Bestleistung von 5,95 m diesmal mit 5,80 m gewann. Der Sieg war 30 000 Mark wert, denn Stolle gewann damit den «Severin-Cup», eine Gesamtwertung im Stabhochsprung bei den vier Sportfesten Nürnberg (1999), ISTAF Berlin (1999), Hallenmeeting Dortmund (2000) und Leverkusen.
Edwards zeigte mit seinem Siegessprung im zweiten Durchgang auch Weltmeister Charles Friedek, dass nur über ihn in Sydney Gold zu schürfen ist. «Ich wollte nur sehen, ob ich fit für Sydney bin und habe nach diesem Sprung aufgehört, um kein Risiko einzugehen», sagte der Brite, der auf die letzten vier Versuche verzichtet hatte. Da mühte sich Friedek vor allem deshalb noch vergeblich um eine Annäherung, weil er gute Versuche übertrat. So blieb für ihn Rang zwei mit 17,14 m.
Enttäuschend war einmal mehr der Auftritt der besten deutschen Sprinter. Marc Blume aus Wattenscheid, ohnehin nur als Härtefall ins deutsche Olympia-Team gerutscht, gab das 100-m-Rennen auf. Es siegte der Amerikaner Tim Montgomery in guten 10,09 Sekunden. Die Dortmunderin Andrea Philipp wurde auf der kurzen Sprint-Distanz in indiskutablen 11,35 Sekunden nur Sechste.
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