Kiefer schaffte Sprung ins Halbfinale: Deutschlands Nummer eins nicht überzeugend, aber effektiv
zuletzt aktualisiert: 11.02.2000Dubai (dpa). Nicolas Kiefer hatte in der Wüste von Dubai wieder Sand im Getriebe und schaffte doch den Sprung ins Halbfinale. Nach einem "Heimflug" als Motivationshilfe setzte sich der 22-Jährige aus Holzminden am Freitag gegen Titelverteidiger Jerome Golmard in 106 Minuten mit 6:3, 7:6 (7:2) durch und revanchierte sich gegen den Franzosen für die Finalpleite des Vorjahres. Gegner in der Vorschlussrunde des mit einer Million Dollar dotierten Tennis-Turniers ist am Samstag Carlos Costa aus Spanien.
Der Finalist des Jahres 1996 bezwang am Freitag im Viertelfinale den Marokkaner Jounes El Aynaoui mit 6:2, 6:4. "Es wird zwar wieder nicht einfach, aber ich habe sicher eine Chance", meinte der Turnierfavorit, der sich nicht erst in Dubai wachsender Anerkennung seiner Kontrahenten gewiss sein kann. "Zum zweiten Mal nach Doha bin ich hier an Nummer eins bei einem Turnier gesetzt. Da haben die Kollegen schon mehr Respekt."
Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad Celsius musste Kiefer auf dem Center Court wieder zittern. "Ich war ziemlich müde", gestand er. Doch gewohnt unaufgeregt und nervenstark rettete er sich im zweiten Satz in den Tiebreak, in dem er zu alter Stärke zurückfand. Einen starken Eindruck hatte er auch im benachbarten Emirates-Flugsimulator gemacht, wo er sich als Jumbo-Pilot versuchen durfte. "Das war unheimlich beeindruckend." Ob es bei der Reise nach München zum Crash gekommen ist, wurde von der Fluggesellschaft nicht übermittelt.
Den sportlichen Crash konnte Kiefer einmal mehr abwenden. Mit reichlich Anstrengung allerdings, denn je länger das Match dauerte, umso mehr schüttelte Golmard die Strapazen der letzten Tage ab. Erst am Dienstagmorgen war der Daviscupspieler aus Dijon vom Auswärtsspiel seiner Nationalmannschaft aus Brasilien nach Dubai gekommen.
Der ausgelaugt wirkende Franzose konnte seinem Gegenüber zunächst nicht Paroli bieten. Kiefers vierten Breakball - ein glänzender Lob - musste er zum satzentscheidenden 1:3 hinnehmen. Die guten Vorzeichen blieben auch zu Beginn des zweiten Durchgangs bestehen. Nach den schlechten Erfahrungen vom Achtelfinale gegen den Spanier Alberto Martin ließ Kiefer zunächst keinen Deut nach. Golmard, der trotz siebenmonatiger Verletzungspause in Channai mit seinem zweiten Turniersieg die Saison begonnen hatte, schien nun vollends mit seinen Kräften am Ende zu sein.
Doch der WM-Halbfinalist hatte sich zu früh gefreut. Sein Break zum 2:1 glich der 26-jährige im achten Spiel aus und brachte seinen Kontrahenten daraufhin in arge Schwierigkeiten. Kiefer blieb seiner Linie aber treu, spielte fast unterkühlt und gestattete dem an acht gesetzten Golmard keinen entscheidenden Vorteil mehr. Im Tiebreak schließlich rückte der Turnierfavorit die Verhältnisse ins rechte Licht und meinte: "Es geht von Tag zu Tag ein bisschen besser."
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