Tenniskrimi in Neuchatel: Die Daviscup-Helden heißen Hewitt und Escude
zuletzt aktualisiert: 09.04.2001 - 12:26Neuss (rpo). Spannung pur im schweizerischen Neuchatel, australische Taktik par excellence in Florianapolis und gewohnter Kampfgeist eines wie immer beispielhaft geschlossenen schwedischen Teams in Malmö bildeten das Kontrastprogramm zur blamablen 1:4-Pleite der vier deutschen Daviscup-Einzelkämpfer gegen die niederländische B-Mannschaft in 's-Hertogenbosch.
Die Helden des Viertelfinales waren der 20-jährige Lleyton Hewitt (Foto oben) beim 3:1 des 27-maligen Cupgewinners Australien in Brasilien und der 25-jährige Nicolas Escude beim 3:2 der Franzosen in der Schweiz.
Hewitt machte vor 12.000 fanatischen Brasilianern selbst auf dem ungeliebten Sandplatz zweieinhalb Punkte, darunter den entscheidenden gegen den zuvor in 26 Sandplatz-Matches unbesiegten ATP-Weltmeister und French-Open-Champion Gustavo Kuerten. Escude gewann um 21.34 Uhr am Sonntagabend in Neuchatel vor 5.000 nicht weniger engagierten Schweizer Fans nach Abwehr eines Matchballes gegen George Bastl sein zweites Einzel.
"Ich fühle mich nicht als Matchwinner", sagte der nach 4:35 der insgesamt 21:02 Schweizer Daviscup-Stunden und fünf von 23 Sätzen völlig erschöpfte Escude. Auch Hewitt meinte im einige tausend Kilometer entfernten Florianapolis, lediglich seinen Job getan zu haben. "Tour ist jede Woche, Turniere sind Alltag, also Arbeit", sagte er nüchtern: "Daviscup ist höchstens viermal im Jahr, also jedesmal ein Höhepunkt. Da muss man sich nicht unbedingt zusätzlich motivieren, das ist eine Selbstverständlichkeit."
Motivationsprobleme hatten nicht einmal die gescheiterten Schweizer und das, obwohl Jungstar Roger Federer schon am Freitag überdeutlich erklärte, nie mehr unter dem ungeliebten Coach Jakob Hlasek antreten zu wollen. Da der von seinem 5:47 Stunden dauernden Marathon-Einzel am Eröffnungstag immer noch erschöpfte Marc Rosset diese Meinung seit langem vertritt, dürften "Kubas" Tage auf der Schweizer Trainerbank wohl gezählt sein.
Fest im Sattel sitzen dagegen Australiens John Fitzgerald und Schwedens Carl-Axel Hageskog. Der clevere "Fitzy" nahm freitags den nur geringfügig verletzten Patrick Rafter bei einem aussichtslosen Rückstand gegen Kuerten kurzerhand aus dem Kampf und setzte auf das Doppel und die Karte Hewitt. Hageskog ließ sich beim 4:1 der Schweden gegen Russland auch durch Nicklas Kultis kurzfristige Verletzung nicht aus der Ruhe bringen und nominierte Debütant Simon Aspelin, der an der Seite von mit Routinier Jonas Björkman schon im Doppel die Entscheidung zur 23. Halbfinal-Teilnahme der Skandinavier seit dem zweiten Weltkrieg herbeiführte.
Fehlender Teamgeist und nicht vorhandene kämpferische Einstellung gegen die niederländische "Challenger"-Truppe waren die Hauptkritikpunkte in der deutschen Prese nach der Pleite von 's-Hertogenbosch, die den ohnehin finanzschwachen Deutschen Tennis Bund laut Präsident Georg von Waldenfels ein Halbfinal-Heimspiel gegen Frankreich und damit knapp zwei Millionen Mark gekostet hat. Die Süddeutsche Zeitung brachte die allgemeine Missstimmung in ihrer Überschrift auf den Punkt: "Charlys Tanten".
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