"Ich bin ratlos" - Eigenes NBA-Team ein Flop: Die große Krise des Michael Jordan
zuletzt aktualisiert: 09.02.2001 - 11:16Washington/Atlanta (sid). Die Party ist angerichtet, doch einem der Gäste ist nicht nach Feiern zumute. Wenn sich am Wochenende die Elite in Washington D.C. zum All Star-Spiel der National Basketball Association (NBA) trifft, hat Michael Jordan ein eher fragwürdiges Jubiläum. Ein Jahr nach Übernahme des Präsidentenamtes bei den Washington Wizards steht "His Airness" vor dem Scherbenhaufen seiner zweiten Karriere. Die von Jordan als Playoff-Aspirant gehandelten Wizards sind nach 48 Spielen mit zwölf Siegen hinter seinem Ex-Klub Chicago Bulls (6/42) das zweitschlechteste Team der Liga.
Niemand sprang höher, zielte besser und flog weiter als Michael Jordan, und auch knapp zwei Jahre nach seinem Rücktritt vom Leistungssport steht der beste Basketballspieler aller Zeiten in der Gunst der Fans ganz oben. Als die Chicago Times ihre Leser jüngst nach der beliebtesten Sportpersönlichkeit der "Windy City" fragte, siegte Jordan mit so imponierendem Abstand, dass sich der auf Rang zwei folgende Baseballstar Sammy Sosa mit einem Schuss Galgenhumor seinem Schicksal ergab: "Michael Jordan ist in seiner Karriere mehr als einmal mit Gott verglichen worden, und ein zweiter Platz hinter Gott ist schließlich auch nicht schlecht."
Doch göttlich war es beileibe nicht, was Jordan bisher in Washington auf die Beine gestellt hat. Trotz großer Vorsätze tritt der Verein auf der Stelle, wegen der von der NBA vorgeschriebenen Jahresgehaltsobergrenze können sich die Wizards zudem nicht wie gewollt verstärken. "Ich muss gestehen, ich bin ratlos", gab der mittlerweile 37-Jährige vor ein paar Tagen zu: "Nie zuvor in meinem Leben war ich so frustriert."
Dass das Stimmungsbarometer des erklärten Perfektionisten in den letzten Wochen auf rekordverdächtige Tiefstwerte absackte, bekam seine Loser-Truppe jetzt zu spüren. Jordan, der in dieser Saison nur sechsmal den Weg ins MCI Center von Washington fand und dabei sechs Niederlagen erlebte, redete Klartext: "Diese Mannschaft hat kein besseres Schicksal verdient. Ihr fehlt jegliche Siegermentalität." Im Kreise seiner Angestellten rief die harsche Kritik Unverständnis hervor. "Als Team gewinnen und verlieren wir zusammen. Ich dachte bisher, Mr. Jordan gehört auch zum Team", wagte Forward Juwan Howard einen Anflug von Majestätsbeleidigung.
Trotz der größten Krise seiner sportlichen Laufbahn will Jordan der Versuchung widerstehen, noch einmal das legendäre Trikot mit der Nummer 45 überzustreifen. "Allein der Gedanke an ein Comeback ist strafbar", erklärte er und verwies auf einen kleinen Bauchansatz, den er liebevoll als seine "ganz persönliche 20-pfündige Sünde" deklarierte.
Vielmehr will er sich in Zukunft verstärkt um den NHL-Klub Washington Capitals kümmern, Tabellenführer der Southeast Division der Eastern Conference und Arbeitgeber des deutschen Nationaltorwarts Olaf Kölzig. Bei den "Caps" hat sich Jordan vor wenigen Wochen ins Management eingekauft: "Da habe ich wenigstens ab und zu mal ein Erfolgserlebnis."
>>>Ergebnisse der NBA
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum











