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Löw, Flick, Schneider und Co.
Die Macht der Spätzle-Connection

Die Co-Trainer der Nationalmannschaft
Die Co-Trainer der Nationalmannschaft FOTO: dpa, nic
Düsseldorf. Trainer und Funktionäre aus dem Südwesten bestimmen den deutschen Fußball. Die Personalie Thomas Schneider passt ins Bild. Von Martin Beils

Über den Namen Thomas Schneider war in den vergangenen Tagen schon gemunkelt worden. Dass Joachim Löw ihn als Co-Trainer in sein Funktionsteam, wie so etwas auf Fußballdeutsch heißt, holte, war keine Sensation. Man hätte drauf kommen können. Die beiden kennen sich aus gemeinsamen Tagen beim VfB Stuttgart in den späten 1990er-Jahren, und Schneider vertritt angeblich eine ähnliche Fußballauffassung wie der Bundestrainer.

Löw stärkt mit dieser Personalie seine landsmannschaftlich geprägte Hausmacht. Der Weltmeister-Coach aus dem Schwarzwald sorgt dafür, dass Baden-Württemberg an der Spitze des deutschen Fußballs besonderes Gewicht hat. Kritiker sprechen von einer Spätzle-Connection. Handelte es sich um Rheinländer, würde der Begriff Klüngel fallen. Doch wer will Löw verübeln, dass er sich mit Vertrauten umgibt? Wer den WM-Titel holt, hat ohnehin mit all seinen Maßnahmen Recht.

Bei der Umwälzung, die nach dem EM-Desaster 2000 begann, über das Sommermärchen bis zum Finaltriumph in Rio führte, waren Männer aus Baden-Württemberg maßgeblich. Gerhard Mayer-Vorfelder, einst Minister in Stuttgart, setzte die Reformen – insbesondere die verstärkte und systematische Talentförderung – als DFB-Präsident verbandspolitisch durch. Der Schwabe Jürgen Klinsmann sorgte in seiner zweijährigen Amtszeit als Bundestrainer dafür, dass beim DFB kein Stein auf dem anderen blieb, wie er selbst sagte. Und Löw sorgte für die vorläufige Vollendung des großen Werks.

Fotos: Joachim Löw – Freiburger, DFB-Pokalsieger, Weltmeister FOTO: dpa, ss

Interessant sind auch die Figuren im Hintergrund. Roland Eitel zum Beispiel. Der ehemalige Sportjournalist beriet einst Jürgen Klinsmann, jetzt ist Löw sein wichtigster Klient, und bei Schneiders kurzem Engagement als Chefcoach beim VfB Stuttgart agierte er im Hintergrund, wie Insider berichten. Der Hannoveraner Spieler- und Trainerberater Harun Arslan wiederum zählt neben Löw auch Hansi Flick zu seinen Kunden. Der Weltmeister-"Assi" ist jetzt als DFB-Sportdirektor der Boss des Bundestrainers. Er stammt aus Heidelberg. Oliver Bierhoff, der Manager der Auswahl, ist übrigens gebürtiger Karlsruher. Da er im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, passt er aber nicht ganz in dieses Muster.

Fußballfachlich hat der Südwesten Deutschland vorangebracht. Und das schon bevor der gebürtige Stuttgarter Jürgen Klopp mit Borussia Dortmund stilbildend wirkte. Als Urvater des Spiels moderner Prägung gilt Helmut Groß, der den Verbandsligisten FC Geislingen vor bald drei Jahrzehnten nach den Vorbildern Ernst Happel und Walerij Lobanowski die so genannte ballorientierte Raumdeckung praktizieren ließ, als Bundesliga-Verteidiger den Stürmern noch auf Schritt und Tritt folgten.

Nach seinen Ideen baute Groß die Nachwuchsarbeit des VfB Stuttgart auf und förderte die Trainerkarrieren von Thomas Tuchel (zuletzt Mainz) und Markus Gisdol (heute Hoffenheim). Zudem gilt er als Mentor des "Fußball-Professors" Ralf Rangnick, der Deutschland bei einem legendären Auftritt im Sportstudio des ZDF die Viererkette erklärte.

Das ist Thomas Schneider FOTO: dpa, Daniel Bockwoldt
Quelle: RP
 
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