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Paris
Die Reisemeisterschaft

Paris. Die Spiele sind europaweit in 13 Städten geplant. Wer seine Mannschaft begleiten will, muss viel reisen. Von Jan Mies

Wer schon den Modus der EM-Endrunde in Frankreich nicht mochte, für den wird in vier Jahren ein Albtraum wahr: Bei der historischen Europameisterschaft 2020, die aufgrund der fixen Idee des inzwischen gesperrten Uefa-Präsidenten Michel Platini (61) in 13 Ländern ausgetragen werden muss, wird alles anders. Für die vielen, vielen Kritiker: allerdings nicht besser!

Zwischen Dublin im Westen bis Baku im Osten müssten die Millionen Fans hin- und herfliegen, wenn sie mehr als zwei Spiele ihres Nationalteams sehen wollten. In jeder der 13 Städte werden maximal vier Partien angepfiffen, dann zieht der Tross der Europäischen Fußball-Union (Uefa) auch schon weiter. In Deutschland finden in der Münchner Allianz Arena, Spielstätte des deutschen Rekordmeisters FC Bayern, drei Vorrundenspiele und ein Viertelfinale statt - zu wenig für Gastgeber-Stimmung.

Das attraktivste Paket mit beiden Halbfinals und dem Endspiel ging bei der Vergabe am 19. September 2014 an England (Wembley-Stadion). Allerdings auch, weil der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zugunsten der besseren Chancen auf die dann wieder "normale" EM 2024 auf eine Kampfabstimmung verzichtete. Direkte Absprachen bestreiten beide Verbände ...

Die Hinterzimmerpolitik der Uefa hat aber erst dazu geführt, dass sich die Reiseveranstalter und Tourismusbehörden schon freudig die Hände reiben. Der Franzose Platini, damals als Uefa-Chef unantastbar, fand es halt "romantisch", dass der 60. Geburtstag des EM-Turniers mit einer Endrunde in ganz Europa gefeiert werden könnte.

Das war im Sommer 2012. Im März 2015 wurde der Franzose unter großem Applaus in seine dritte Amtszeit gewählt, die jüngst von der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes (Fifa) vorzeitig beendet wurde. Rückgängig machen lässt sich die Entscheidung des Uefa-Exekutivkomitees nicht mehr.

Platinis Vision kam vor allem bei den Kleinen an, die nie eine komplette EM hätten stemmen können. Gespielt wird unter anderem in Baku (Aserbaidschan), wo sogar ein Viertelfinale steigt, in Glasgow (Schottland) und in Budapest (Ungarn). Dazwischen liegen Tausende Kilometer. Alle Ausrichter müssen sich allerdings auf sportlichem Wege qualifizieren - Heimspiele der eigenen Nationalmannschaft sind nicht garantiert.

"So haben wir die Gewissheit, dass wir bei mindestens zwei Spielen zu Hause antreten können", sagte der damalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der noch im Uefa-Exekutivkomitee sitzt: "Vorausgesetzt natürlich, dass sich die Nationalmannschaft für das Turnier qualifiziert, wovon ich aber ganz sicher ausgehe."

Insgesamt werden wie schon in diesem Jahr erneut 24 Teams um den Titel spielen. Die Kritik am aufgeblähten Modus reichte am Ende nicht aus, die Uefa sieht sich sogar bestätigt. "Dieses Format hat sehr viele Vorteile", betonte der griechische Uefa-Interims-Generalsekretär Theodore Theodoridis. Zwar gebe es Nachteile, "aber am Ende des Tages nehmen acht Länder mehr teil, in denen die Entwicklung des Fußballs gefördert wird - und das ist das, was zählt".

Möglich, dass für die Europameisterschafts-Endrunde 2024 sogar über eine weitere Aufstockung beraten wird. Eine Endrunde mit 32 der aktuell nur 55 UEFA-Mitglieder erscheint aufgrund der dann fast unnötigen Qualifikation aber doch zu viel. Das hatten die Funktionäre allerdings auch vor der 24er-Revolution gesagt.

(sid)
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