Star Bulls Rosenheim: Dieter Hegen im Abseits
zuletzt aktualisiert: 01.03.2000 - 12:38München (dpa). Unbeliebt und abgeschoben - Eishockey-Idol Dieter Hegen steht vor dem tragischen Ende einer glanzvollen Karriere. Die Starbulls Rosenheim wollen sich von dem 290-fachen Nationalspieler trennen, der wegen schwacher Leistungen und mangelhafter körperlicher Verfassung beim Tabellen-Zwölften der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ins Abseits geraten ist. "Ein Profi muss gewisse Voraussetzung erfüllen und dazu gehört körperliche Fitness", erklärte Rosenheims Geschäftsführer Peter Lutz. Die in diesen Tagen erwarteten Ergebnisse einer Leistungsdiagnostik, die in der Simsee-Klinik im oberbayerischen Bad Endorf vorgenommen wurde, sollen über das Schicksal des 37-jährigen Stürmers entscheiden.
Das Urteil der Mediziner, in das auch der Mannschaftsarzt der Starbulls mit einbezogen wird, soll dem Club die Grundlage für eine vorzeitige Trennung von Hegen bieten. Der gebürtige Allgäuer, der in der höchsten Klasse bisher 901 Spiele bestritt, besitzt nämlich eine einseitige Option auf die Verlängerung seines am Saisonende auslaufenden Vertrags. Mangelnde Fitness könnte eine "saubere" Lösung ermöglichen, denn einen Prozess vor dem Arbeitsgericht wollen die Rosenheimer vermeiden.
Hegen, der sich nach dem Fitness-Test in Bad Endorf seit Wochenbeginn wieder im Aufbautraining befindet, macht auf dem Eis keine gute Figur mehr. Er sei übergewichtig, nicht austrainiert und führe einen ungesunden Lebenswandel, lautet die Kritik aus dem Umfeld des Vereins. Die Zuschauer lachen hinter vorgehaltener Hand nur noch über den Kaufbeurer, der in der Nationalmannschaft mit 111 Toren hinter Erich Kühnhackl (131) zweitbester Torschütze aller Zeiten ist, an 13 A-Weltmeisterschaften und fünf Olympischen Spielen teilnahm sowie vor kurzem in das deutsche Jahrhundert-Team gewählt wurde. In der Mannschaft hat Hegen, mit geschätzten 300 000 Mark ganz oben auf der Gehaltsliste, offenbar kaum Freunde.
Womöglich wird Hegen, dem auch private und finanzielle Probleme nachgesagt werden, nicht mehr aufs Eis zurückkehren. Die Vorrunde ist für den ehemaligen Top-Torjäger gelaufen. Ob die im Spielmodus der DEL vorgesehene Abstiegsrunde mit den auf den Plätzen neun bis 15 platzierten Clubs stattfindet, ist fraglich. Die Rosenheimer erwägen, auf der DEL-Gesellschafterversammlung am 8. März in Köln die ersatzlose Streichung der unattraktiven Runde zu beantragen. Das deutsche Eishockey würde damit noch mehr an Glaubwürdigkeit verlieren, nachdem es - entgegen der Vereinbarung mit dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) - auch keinen Absteiger geben soll.
Der große Gewinner des 55. Spieltags waren die spielfreien Kölner Haie, weil mit den München Barons (2:3 gegen Kassel) und den Krefeld Pinguinen (4:5 in Oberhausen) beide Verfolger verloren. In München, wo nur 1 000 Fans die dritte Heimniederlage erlebten, sorgt der anhaltende Zuschauerschwund für Frust. Dagegen atmete Huskies- Trainer Hans Zach befreit auf: "Mit dem Sieg haben wir die Fahrkarte für die Playoffs gelöst."
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