French Open: Pierce im Finale gegen Martinez: Diva fordert Altmeisterin
zuletzt aktualisiert: 09.06.2000 - 09:27Paris (sid). Mary Pierce (Foto links mit Martina Hingis) gegen Conchita Martinez (Foto unten), die französische Diva gegen die spanische Altmeisterin - ein Jahr nach dem 22. und letzten Grand Slam-Triumph von Steffi Graf wird in Paris am Samstag (ab 13.00 Uhr) auf jeden Fall eine Debütantin zur Königin gekrönt.
Nach einem Kraftakt stürzte Mary Pierce im Halbfinale der French Open die Weltranglisten-Erste Martina Hingis (Schweiz) und zog nach großem Kampf mit einem 6:4, 5:7, 6:2-Erfolg zum zweitenmal nach 1994 ins Endspiel von Roland Garros ein. Noch überraschender kam der Sieg von Conchita Martinez, die Arantxa Sanchez (Foto Mitte) im spanischen Duell beim 6:1, 6:2 eine wahre Lehrstunde in Sachen Taktik erteilte und zum erstenmal überhaupt das Finale von Roland Garros erreichte.
Pierce war am Ende nur noch happy. "Es war ein sehr schweres Match. Im ersten Satz hatte ich Glück, im zweiten war ich beim ersten Matchball zu nervös, aber im dritten habe ich sehr aggressiv gespielt. Ich bin heute schon überglücklich, egal, was noch kommen wird." Die Australian Open-Siegerin von 1995 gilt gegen Martinez, Wimbledonsiegerin von 1994, allerdings als klare Favoritin. Vor dem 17. Duell führt die drei Jahre jüngere Französin im direkten Vergleich 10:6, letztes Jahr gewann sie gegen die damals ungesetzte Spanierin bereits in der zweiten Runde der French Open.
"Kompliment; das war ein Superspiel", sagte Henry Leconte, der große Landsmann von Mary Pierce. Die Schweizerin gratulierte auch und meinte: "Sie hat unheimlich gut gespielt, das muss man akzeptieren." Gemeinsam stehen Pierce und Hingis im Doppel-Halbfinale, das Anke Huber und Barbara Schett (Karlsdorf/Österreich) durch ein 4:6, 3:6 gegen Alexandra Fusai/Nathalie Tauziat verpassten. Die italienisch-französische Kombination hatte Martina Navratilovas Comeback tags zuvor beendet.
Vergeblicher Anlauf
Die Verliererin des Tages hieß Martina Hingis. Auch beim sechsten Anlauf blieb der 19-jährigen Schweizerin der letzte ihr fehlende Grand Slam-Titel verwehrt. Vor einem Jahr hatte sie das Publikum nach dem denkwürdigen Finale gegen Steffi Graf noch mit einem Pfeifkonzert als schlechte Verliererin verabschiedet, diesmal feierten die 15.400 Franzosen auf dem Court Central euphorisch ihren neuen Liebling Mary Pierce, die sie allerdings auch lange nicht mochten. Einziger Trost für Hingis: Sie bleibt in jedem Fall die Nummer eins der Weltrangliste.
Nach 2:10 Stunden verwandelte Pierce, gebürtige Kanadierin und in Montreal als Tochter einer Französin und eines Kanadiers zur Welt gekommen, den zweiten Matchball und hob jubelnd beide Hände in den blauen Himmel. 5:10 lag die Weltranglisten-Siebte vor dem 16. Duell gegen Hingis zurück, zudem hatte sie die letzten sieben Spiele in Folge verloren. Diesmal aber hatte die tiefgläubige Mary ("Ich lege alles in Gottes Hand") ihre Nerven im Griff.
Mit wuchtigen Grundlinienschlägen jagte sie die Nummer eins über den Platz. Die Vorentscheidung im ersten Satz gelang ihr, als sie ein 1:3 in ein 5:3 umwandelte. Zwar wehrte Hingis den dritten Satzball noch mit einem As beim zweiten Aufschlag ab, dann aber segelte eine Rückhand ins Netz und es stand 4:6. Auch im zweiten Satz führte Pierce bereits 5:3, vergab bei 5:4 sogar einen Matchball und verlor 5:7. Trotz des Rückschlags blieb Pierce aber ruhig und gelassen. Obwohl sie am Ende mit Krämpfen in den Beinen kämpfte, brachte sie den dritten Satz sicher nach Hause.
Deutlich leichter tat sich Conchita Martinez (28), die zum drittenmal in ihrer langen Karriere das Finale eines Grand Slams erreichte. Mit kluger Taktik, Lobs, Stopps und Mondbällen zeigte die Weltranglisten-Fünfte der dreimaligen Parissiegerin (1989/94/98) Arantxa Sanchez (Nr. 9) die Grenzen auf.
Nur drei von bisher 16 Duellen hatte Martinez zuvor gegen die prominentere Sanchez gewonnen, zudem die letzten sieben Spiele in Folge verloren. An einem sonnigen, aber windigen Donnerstag in Paris war die 28-Jährige allerdings eindeutig die Bessere. Nach nur 79 Minuten verwandelte Martinez den zweiten Matchball und riss beide Fäuste jubelnd nach oben.
"Das ist ein großer Tag für mich - und alle Spanier sind glücklich", freute sich Martinez. "Ich habe hart gearbeitet, es ist ein phantastisches Jahr. Ich war in Paris schon immer gut, aber mental noch nie so stark."
Der größte Sieg von Martinez liegt schon sechs Jahre zurück. 1994 besiegte sie im Finale von Wimbledon Martina Navratilova und verwehrte der damals 37-jährigen Amerikanerin den zehnten Rekordtitel. 1998 erreichte sie bei den Australian Open ihr zweites Grand Slam-Finale, verlor aber gegen die damals 17-jährige Martina Hingis deutlich.
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