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Leichtathletik-Meeting in Nizza: DLV-Asse noch auf Formsuche

zuletzt aktualisiert: 09.07.2000 - 18:41

Berlin (dpa). Die deutschen Leichtathleten sind noch auf Formsuche und rennen der Olympia-Norm für Sydney hinterher. Dagegen meldete sich die Doppel-Olympiasiegerin von Atlanta über 200 und 400 m, Marie-Jose Perec (Frankreich), über die Stadionrunde in 50,32 Sekunden eindrucksvoll in der Weltspitze zurück.

Zudem sorgte in Nizza der Marokkaner Brahim Boulami zehn Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele mit einer Jahresweltbestzeit über 3 000 m Hindernis in 8:03,30 Minuten für einen Spitzenwert. Angesichts der bevorstehenden Afrika-Meisterschaften in Algier und der US-Trials in Sacramento übten sich viele Stars am Wochenende in Abstinenz, so dass so etwas wie die Ruhe vor dem großen Sturm herrschte.

Das Grand-Prix-Meeting der ersten Kategorie in Nizza bekam diese Auswirkungen zu spüren, konnte leistungsmäßig bei weitem nicht mit Lausanne am Mittwoch konkurrieren, zumal auch noch ein böiger Wind wehte. Noah Ngeny (Kenia), der seinen Weltrekord aus dem Vorjahr über 1 000 m (2:11,96) attackieren wollte, scheiterte in 2:14,78 Minuten klar und besaß auf den letzten 400 m nicht das nötige Stehvermögen. Im Mittelpunkt stand diesmal die Stadionrunde und das Comeback von Marie-Jose Perec. Die 32-Jährige imponierte in ihrem ersten 400-m- Lauf seit 1996 als Dritte hinter der ebenfalls stark auftrumpfenden Katharine Merry (Großbritannien/50,05) sowie Lorraine Graham (Jamaika/50,10) und ließ weitere Steigerungsmöglichkeiten erkennen.

«Die Zeit hat mich überrascht. Ich hatte mir 50,50 bis 51 Sekunden zugetraut», strahlte Perec. «Ich hatte Respekt vor der Distanz und ging das Rennen deshalb behutsam an. Dann lief es gut. Aber auf den letzten 100 Metern musste ich mehr leiden als ich mir vorgestellt hatte», kommentierte sie ihren Lauf. Die zuletzt in den USA lebende Französin (Bestzeit 48,25) hatte sich von ihrem Trainer John Smith getrennt, der auch 100-m-Weltrekordler Maurice Greene (USA) und Ato Boldon (Jamaika) betreut, und war im Winter nach Rostock zu Wolfgang Meier, Ehemann und Ex-Trainer von 400-m-Weltrekordlerin Marita Koch, gewechselt. «Die effektive Arbeit zahlt sich aus», glaubt Perec.

Bei Meier, der auch den Perec-Lebensgefährten und Staffel- Olympiasieger Anthuan Maybank (USA/Nizza-Sieger in 44,80) betreut, absolviert Perec ein hartes Trainingspensum wie noch nie. 45 Minuten vor dem Lauf habe ihr der Trainer gesagt, sie solle die 300 m schnell angehen. «Sie sind verrückt, habe ich geantwortet, denn ich hatte Angst, dass ich nur 150 bis 200 m schaffe und nicht durchkomme. Beim nächsten Lauf mache ich es noch besser», meinte die aus Guadeloupe stammende Französin überzeugt. Ein Virus hatte sie zwei Jahre lang außer Gefecht gesetzt, im Vorjahr lief sie über 200 m hinterher. Nun qualifizierte sie sich auf Anhieb für Sydney, wo sie den Hattrick anstrebt, den die zweifache Weltmeisterin und Jahresbeste Cathy Freeman (Australien/49,56) vor ihren Landsleuten verhindern will.

Von diesen Zeiten können die deutschen 400-m-Läuferinnen um Europameisterin Grit Breuer (Magdeburg/Dortmund-Siegerin in 51,10) und Vizeweltmeisterin Anja Rücker (Jena) im Moment nur träumen. «Ich wollte eine 50er Zeit laufen, bin nicht zufrieden, etwas ratlos und fühle mich schlapp», zog Breuer ein Zwischenfazit. «Das wichtigste ist Sydney, bis dahin ist es noch ein Stück», macht sie sich Mut. Diese Devise gilt auch für viele andere deutsche Athleten, die nun am kommenden Wochenende beim Europapokalfinale in Gateshead neuen Anlauf nehmen müssen. Europameister Nils Schumann (Großengottern) mit der deutschen Jahresbestzeit über 800 m (1:44,87), das Stabhochsprung-Duo Tim Lobinger (Köln/5,80) und Danny Ecker (Leverkusen/5,70) sowie Lars Riedel (Chemnitz) als Zweiter im Diskuswerfen mit 67,13 m hinter Virgilius Alekna (Litauen/68,46) gehörten zu den Lichtblicken.

International beachtlich waren zwei 80-m-Weiten im Hammerwerfen. Lance Deal (USA/80,99) in Nizza und Olli-Pekka Karjalainen (Finnland/80,24) beim Europapokal der A-Gruppe in Oslo schafften, was dem deutschen Weltmeister-Duo Karsten Kobs und Heinz Weis (beide Leverkusen) erneut nicht gelang. In Oslo glänzte auch Norwegens Speerwurf-Weltrekordlerin Trine Hattestad mit 66,96 m.

Quelle: RPO Archiv

 
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