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Giro: Dritter Sieg für Cipollini: Doping-Frigo wurde disqualifiziert

zuletzt aktualisiert: 09.06.2001 - 10:58

Busto Arsizio (rpo). Mario Cipollini hat die 19. Etappe des 84. Giro d'Italia gewonnen. Der Italiener sicherte sich den Tageserfolg nach 163 Kilometer im Schluss-Spurt vor seinem Landsmann Mauro Zanotti und dem Cottbuser Danilo Hondo.

Nach der größten Dopingrazzia in der Geschichte des Radsports rollte der Giro d?Italia am Freitag zwar wieder. Aber die Disqualifikation vom Rennen und Entlassung des bisher zweitplatzierten Dario Frigo (Italien) aus seinem Team wegen eines Doping-Fundes traf die Traditionsfahrt erneut bis ins Mark. Bei Frigo, mit Siegen bei Paris-Nizza und der Tour de Romandie der Mann des Frühjahres, waren bei der Polizei-Aktion verbotene Substanzen gefunden worden. Das bestätigte am Abend in Busto Arsizio Giancarlo Ferretti, der sportliche Leiter von Fassa Bortolo, der seinen Beruf einige Zeit wegen eigener Verstrickung in Doping-Vergehen nicht ausübte. Frigo fuhr neun Tage im Rosa Trikot und lag im Gesamtklassement nur 15 Sekunden hinter dem Spitzenreiter Gilberto Simoni.

Das Fahrerfeld mit Telekom-Star Jan Ullrich war am Freitag auf die 19. Etappe gegangen, nachdem Renndirektor Carmine Castellano die 18. Etappe abgesagt hatte, um einem Streik der Fahrer zuvor zu kommen. Obwohl der von den Italienern Marco Pantani und Mario Cipollini geforderte Abbruch der Italien-Rundfahrt noch abgewendet werden konnte, ist der im Dopingsumpf versinkende Giro am Ende. "In Alba startet ein todgeweihter Giro", kommentierte die "La Repubblica" am Freitag, an dem Cipollini seinen dritten Etappensieg feierte.

Auf der 19. Etappe über 163 km von Alba nach Busto Arsizio kam es wieder zu einem Massensprint. Dabei feierte der italienische Sprintstar Cipollini seinen dritten Etappensieg und verwies den zweifachen Tagessieger Danilo Hondo (Cottbus) vom Team Telekom auf den dritten Rang. Im Gesamtklassement änderte sich vor der entscheidenden vorletzten Etappe am Samstag erwartungsgemäß nichts. Ullrich, bisher beim Giro zwei Mal Dritter, beteiligte sich bis zwei Kilometer vor dem Ziel an der unmittelbaren Spurtvorbereitung. Er rollte zeitgleich mit Cipollini über den Zielstrich.

"Der größten und bekanntesten Sportveranstaltung Italiens droht der Untergang", kommentierte die "La Repubblica". Dass sich die Fahrer nach der Razzia doch noch zum Weiterfahren entschlossen, wertete die "Gazzetta dello Sport" als "Rückkehr der Vernunft in den Sattel". "Wir fahren weiter, damit sich was ändert", sagte Simoni. "Wir wollen mit unserem Start demonstrieren, dass der Giro erhalten bleiben soll", erklärte Frigo noch am Freitagmorgen. Bisher liegt von Frigo, der mehrmals zur Urin-Kontrolle musste, noch kein positiver Doping-Befund vor. Welche Substanzen bei ihm gefunden wurden, war am Abend noch nicht bekannt.

Die Razzia unter dem Namen "Vierblättriges Kleeblatt" mit über 200 Polizisten war ein Erfolg. Bei vier von 20 Teams seien schwerwiegende Verstöße gegen das Dopinggesetz festgestellt worden, berichtete die "La Gazzetta dello Sport". Weitere Teams hätten weniger schwerwiegend gegen das Gesetz verstoßen. Außer Frigo wurde bis zum Freitagabend noch kein weiterer Doping-Täter bekannt gegeben.

Die Staatsanwaltschaft in Padua, die bereits im Wohnwagen der Schwiegereltern des zweifachen Giro-Siegers Ivan Gotti mutmaßliche Dopingmittel sicher gestellt hatte, ermittelt außerdem gegen fünf Personen aus zwei Profi-Teams.

In San Remo beschlagnahmten die Beamten nach Angaben der Veranstalter-Zeitung "La Gazzetta dello Sport" in der "dunkelsten Nacht in der Geschichte des Giro" 290 Packungen mit Dopingmitteln. Darunter Anabolika, Aufputschmittel, Steroide, Blut-Präparate sowie Mini-Labors für EPO-Tests und unzählige Spritzen und Infusions- Ausrüstungen.

"Die Kontrolle war richtig. Aber die Art und Weise war falsch", sagte der Präsident des Internationalen Radsportverbands (UCI), Hein Verbruggen. Italiens NOK-Präsident Gianni Petrucci, der für Dienstag einen Rad-Krisengipfel in Rom einberufen hat, kritisierte ebenfalls die Art und Weise der Razzia. "Hier ist ein Wettkampf getötet worden, der die Geschichte des italienischen Sports geprägt hat", sagte Petrucci. "Es war eine theatralische Hinrichtung", schimpfte Pantani. Der Tour- und Giro-Sieger war schon vorher wegen einer fiebrigen Erkältung ausgestiegen.

Die Fahrer beklagten, dass sie wie "Verbrecher" behandelt worden seien. Diese Formulierung benutzte auch Ullrich in einem Interview mit dem Kölner "Express", obwohl der anwesende Telekom-Arzt Lothar Heinrich den Beamten "korrektes Verhalten" bestätigt hatte. Als Verbrecher werden die Schuldigen in Italien auch verurteilt werden. Denn das neue Dopinggesetz betrachtet Doping als Straftat. Gedopten Sportlern drohen bis zu drei Jahre, Betreuern und Medizinern, die Dopingmittel verabreicht oder beschafft haben, bis zu sechs Jahre Haft.

Die französische Presse stellte Parallelen zum Doping-Skandal der Tour de France 1998 her. "Der Radsport krankt an Doping. Der Tour- Skandal wiederholt sich beim Giro. Nichts hat sich geändert", schrieb "France Soir". Die "Liberation" meinte: "Der Giro hängt an der Spritze. Wie 1998 steht der Giro unter Schock."

Radsport, 84. Giro d´Italia, 19. Etappe über 163 km von Alba nach Busto Arsizio:

1. Mario Cipollini 3:35:04 Stunden 2. Marco Zanotti (beide Italien) 3. Danilo Hondo (Cottbus) 4. Massimo Strazzer (Italien) 5. Dmitri Konyschew (Russland) 6. Andrej Hauptman (Slowenien) 7. Fabio Baldato 8. Ivan Quaranta 9. Mauro Gerosa 10. Giovanni Lombardi (alle Italien) alle gleiche Zeit ... 21. Gilberto Simoni 0:12 Minuten zurück 22. Dario Frigo ... 30. Roberto Sgambelluri (alle Italien) ... 39. Kevin Livingston (USA) alle gleiche Zeit ... 61. Matthias Kessler (Nürnberg) 0:21 ... 77. Kai Hundertmarck (Eppstein-Bremthal) gleiche Zeit ... 88. Jan Ullrich (Merdingen) 0:32

Gesamtwertung:

1. Gilberto Simoni 80:54:31 Stunden 2. Dario Frigo (beide Italien) 0:15 Minuten zurück 3. Abraham Olano 4:16 4. Unai Osa (beide Spanien) 5:22 5. Sergej Gontschar (Ukraine) 6: 10 6. Jose Azevedo (Potugal) 6:29 7. Andrea Noe 7:35 8. Ivan Gotti (beide Italien) 7:39 9. Hernan Buenahora 7:40 10. Carlos Contreras (beide Kolumbien) 8:20 ... 25. Kessler 36:22 ... 35. Sgambelluri 47:45 ... 51. Alberto Elli 1:12:11 52. Giuseppe Guerini (beide Italien) 1:13: 11 ... 61. Ullrich 1:22:49 .... 87. Lombardi 1:39:48 ... 95. Hondo 1:45:00 ... 103. Hundertmarck 1:48:57 ... 121. Livingston 2:06:13

Quelle: RPO Archiv

 
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