Drei weitere Leichtathleten sollen positiv getestet sein: Doping-Skandal: Auch Radsport-Weltverband will testen
zuletzt aktualisiert: 29.10.2003 - 10:06New York (rpo). Der Doping-Skandal weitet sich weiter aus: Drei amerikanische Top-Leichtathleten sollen bei der Einnahme des unerlaubten Stimulanzmittels Modafinil erwischt worden sein. Auch der Radsport-Weltverband UCI will alte Proben auf die Designerdroge THG testen, die jetzt in den USA ab sofort verboten ist.
Im weltweiten Dopingskandal sind nun insgesamt zehn Leichtathleten namentlich bekannt. Laut Los Angeles Times wurden die aktuellen Vize-Weltmeister Chryste Gaines, 1996 Olympiasiegerin über 4x100 m, Sandra Glover sowie US-Meister Eric Thomas (ebenfalls 400 m Hürden) von der nationalen Anti-Doping-Agentur USADA positiv auf die Stimulanz Modafinil getestet. Inzwischen hat Präsident Hein Verbruggen (Niederlande) gegenüber dem Sport-Informations-Dienst (sid) bestätigt, dass auch der Radsport-Weltverband UCI rückwirkend alte Proben auf die Designerdroge THG testen lasse.
In der Leichtathletik waren bisher inklusive der WM im August in Paris sieben Athleten zumindest bei der A-Probe positiv gewesen. Bei Doppel-Weltmeisterin Kelli White (100/200 m) und Hürdensprinter Chris Phillips gab es in Paris bereits die positive B-Probe für Modafinil. Diese fehlt noch bei 4x400-m-Olympiasieger Calvin Harrison (alle USA), dem ebenfalls die Disqualifikation für den Wettkampf, aber keine Sperre droht.
Zwei Jahre Startverbot erwartet vier andere, die in der A-Probe mit dem anabolen Steroid Tetrahydrogestrinone (THG) erwischt wurden. Neben dem britischen 100-m-Europameister Dwayne Chambers, der alle Schuld von sich weist, sind dies drei Amerikaner: 800-m-Weltklasseläuferin Regina Jacobs, Kugelstoßer Kevin Toth (WM-Vierter) und Hammerwerfer John McEwen.
Auch China hat ein neues Problem
Auch China hat ein neues Problem mit manipulierten Leistungen. Bei Hindernis-Spezialist Zheng Yongji und 800-m-Läufer Li Huiquan wurde das Blutdopingmittel Erythropoietin (Epo) in Urin und Blut gefunden. Die Kontrollen erfolgten bei den chinesischen Städtespielen. Beiden droht eine zweijährige Sperre.
Nach Angaben des in Griechenland als Doping-Experte bekannten Stavros Kavouras gibt es im Land des Olympia-Gastgebers 2004 mittlerweile die beiden neuen Substanzen NESP und Repogen, die im Vergleich zum Blutdopingmittel Epo bessere Ergebnisse erzielt hätten und vor allem zur Zeit nicht nachweisbar seien.
Generell zeichnet der Professor für Ergophysiologie und Sporternährung an der Charakopeiou-Universität von Athen ein ernüchterndes Bild über den Umgang mit verbotenen Substanzen im griechischen Sport. Das Anabolikum Gunstrol werde in weiten Kreisen konsumiert, obwohl die staatliche Arzneimittel-Behörde die Einfuhr bereits 1976 gestoppt habe. "Also gibt es jemanden, der es herbringt, und jemanden, der es verkauft", folgert Kavouras auf der Sport-Website contra.gr.
Laut Kavouras existiert eine Industrie für sogenannte Doping-Masken. Ziel sei es, dass bei Doping-Kontrollen die verbotenen Substanzen nicht aufgespürt werden könnten. Ein bezeichnendes Beispiel, wie einfach es ist, ein derartiges Set zu besorgen: Unter der Internet-Adresse www.ureasample.com/order.shtml ist es für 50 US-Dollar erhältlich.
UCI-Präsident Hein Verbruggen erklärte am Dienstag, die Möglichkeit einer nachträglichen Überprüfung alter Proben auf einen neu bekannt gewordenen Wirkstoff sei ausdrücklich in den UCI-Statuten enthalten.
Die Urin- und Blutproben der Titelkämpfe im Oktober wurden im Labor von Lausanne ausgewertet. Ergebnisse sind noch nicht bekannt. Im kanadischen Hamilton waren überhöhte Hämatokritwerte bei vier Athleten festgestellt worden, die mit zweiwöchigen Schutzsperren geahndet wurden.
THG in den USA offiziell als illegal eingestuft
Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hatte bereits zuvor bekannt gegeben, dass die rund 400 Proben der WM im August in Paris noch einmal auf THG geprüft werden sollen. Der Schwimm-Weltverband Fina prüft derzeit eine mögliche Nachuntersuchung der Proben von der WM im Juli in Barcelona.
Die US-Gesundheitsbehörde "Food and Drug Administration" (FDA) schloss am Dienstag ihre Tests ab und erklärte THG als illegal. "Es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass THG weniger Nebenwirkungen hat als andere anabole Steroide, nämlich Leberschäden, Herzprobleme sowie Angst und mentale Unausgeglichenheit", sagte FDA-Sprecher John Taylor. Künftig darf THG in den USA nur mit einer Sondergenehmigung verkauft werden.
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