Nachuntersuchungen in Köln: Doping-Skandal: IAAF will auch Trainer bestrafen
zuletzt aktualisiert: 29.10.2003 - 13:08Düsseldorf (rpo). Trainer, die ihre Athleten zur Einnahme von Drogen angestiftet haben sollen, sollen nach Meinung des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF nicht länger ungeschoren davon kommen. In Deutschland sind derweil die Nachuntersuchungen angelaufen, bei denen Spuren auf das Stimulanzmittel THG gefunden werden sollen.
Der Leichtathletik-Weltverband IAAF will die in den amerikanischen Doping-Skandal verwickelten Trainer nicht ungeschoren davon kommen lassen. "Wenn es erwiesen ist, dass sie zur Einnahme von Drogen oder unerlaubter Substanzen angestiftet haben, muss man darüber nachdenken, auch die Trainer wegen Doping-Vergehens anzuklagen", erklärte IAAF-Generalsekretär Istvan Gyulai am Mittwoch. "Dies muss untersucht werden. Wir können auf diesem Augen nicht blind sein."
Explizite Strafen gegen Beihelfer von Doping sind aber im IAAF- Regelwerk nicht enthalten. Nach Vorstellung von Gyulai könnten die betreffenden Trainer jedoch durch die Verweigerung der Akkreditierung für Leichtathletik-Titelkämpfe und -Großereignisse ausgeschlossen werden.
Bisher sind im Zuge des Doping-Skandals bereits sechs US-Athleten identifiziert worden, die positiv auf das Stimulanzmittel Modafinil getestet wurden; bei vier weiteren amerikanischen Stars sind in den A-Proben das Designer-Steroid Tetrahydrogestrinon (THG) analysiert. Eine Reihe dieser überführten US-Leichtathleten werden von dem in der Ukraine geborenen Trainer Remi Korchemy in San Francisco betreut.
Kein Athlet wusste, dass Modafinil eine verbotene Substanz ist
In diesem Zusammenhang hat Athleten-Manager Robert Wagner, der die drei positiv auf Modafinil getesteten US-Topläufer Kelli White, Chryste Gaines und Sandra Glover vermarktet, der IAAF berichtet, von Korchemy bei der Weltmeisterschaft in Paris eine Modafinil-Tablette gegen Schlafstörungen erhalten zu haben. "Keiner dieser Athleten hat gedacht, dass es sich dabei um eine verbotene Substanz handelt", sagte der Österreicher. "Es ist wie Melatonin. Wenn die Amerikaner nach Europa kommen, nehmen sie es gegen Jet lag."
Ob THG auch in der Schwimm-Weltelite bekannt und benutzt wurde, soll möglicherweise eine Nachuntersuchung der bei der WM im Juli in Barcelona genommenen Doping-Wettkampfkontrollen ergeben. Eine definitive Entscheidung darüber sei aber noch nicht gefallen, teilte der Schwimm-Weltverband FINA am Mittwoch in Lausanne mit. Erst wolle man abwarten, zu welcher Empfehlung die FINA-Experten kämen.
In Deutschland ist dagegen die Nachuntersuchung der bis Juli/August gesammelten Trainingskontrollen auf THG-Spuren in den Labors in Köln und Kreischa angelaufen. "Es sind schätzungsweise 1000 Tests", erklärte Peter Busse, Vorsitzender der Nationalen-Anti- Doping-Agentur (NADA), der dpa. Wann das Verfahren abgeschlossen sei und Ergebnisse vorliegen könnten, konnte er noch nicht sagen. Die NADA ist bisher nur für die nationalen Trainingstest zuständig. Aus der geplanten Übernahme der noch von den Sportverbänden selbst durchgeführten Wettkampfkontrollen durch die unabhängige Agentur wird so schnell nichts werden. "Vor den Olympischen Spielen in Athen geht das nicht. Dazu sind wir finanziell nicht genug ausgestattet", so Busse.
Unterdessen hat der Kölner Biochemiker und Doping-Fahnder Wilhelm Schänzer vor den Auswirkungen der Genforschung auf den Sport gewarnt. "Es gibt ein Gen, das Muskelwachstum kontrolliert", erklärte er in einem Gespräch mit dem Hamburger Magazin "Stern". Bisher habe man nur in Experimenten gesehen, dass dieses Gen verändert und damit das Wachstum von Muskeln gezielt gesteuert werden kann. Ein Einsatz am Menschen schließt Schänzer nicht aus: "Die Bereitschaft mancher Sportler, neue Verfahren anzuwenden, iste sehr hoch."
Eine neue Herausforderung für die Doping-Fahnder werde in den kommenden Monaten voraussichtlich der Missbrauch mit Insulin- Präparaten. Die Verbreitung dieses Hormons zur Leistungssteigerung könne ein "größeres Problem werden". Nach seiner Einschätzung sinkt die Hemmschwelle, zu Steroidhormonen zu greifen, immer mehr. "Selbst Jugendliche nehmen die schon", so Schänzer. Etwa 200 000 Deutsche würden bereits Steroidhormone zum Aufbau der Muskelkraft nutzen.
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