Eiskunstlauf: Russen vor EM im Siegesrausch: "Drei Goldmedaillen sind sicher"
zuletzt aktualisiert: 04.02.2000Moskau/St. Petersburg (dpa). Russlands Eiskunstläufer bereiten sich wieder auf einen Medaillenregen bei den am Montag in Wien beginnenden Europameisterschaften vor. Keine Mannschaft bietet mehr Welt- und Europameister auf, kein Verband hat den europäischen Eiskunstlauf in den vergangenen Jahren so dominiert wie die Sportler aus Moskau und St. Petersburg. "Drei Goldmedaillen sind uns sicher", kündigte der Präsident des Russischen Verbandes, Walentin Pisejew, siegessicher an.
Nur der Titel im Eistanz wird diesmal wohl an Frankreich gehen. Denn die russischen Titelverteidiger Angelika Krylowa/Oleg Owsiannikow können wegen Verletzung nicht antreten. Krylowa lag wegen ihrer Rückenprobleme über die Jahreswende wochenlang in einem Moskauer Krankenhaus. Nach harten Zeiten haben sich auch die Trainingsbedingungen für die Sportler verbessert. Einige trainieren zwar im Ausland, die Mehrheit aber in Moskau oder St. Petersburg.
"Ich bin mit meinen Trainingsbedingungen zufrieden", sagt Maria Butirskaja. Die Weltmeisterin musste allerdings mit ganz anderen Problemen fertig werden: Im Dezember verübten Unbekannte einen Anschlag auf ihr neues Auto und setzten es in Brand. Niemand wurde verletzt. "Ich denke, jemand hat das aus Neid getan. Bisher gibt es noch keine Spur von den Tätern, und ich habe auch noch kein neues Auto", berichtete die 27-Jährige. In St. Petersburg bereitet die Eishalle den Sportlern einige Sorgen. "Aber inzwischen ist es viel besser geworden. Manchmal war es nur zu kalt", sagte Paarlauf- Europameisterin Maria Petrowa. "Leider haben wir immer noch nur eine Halle in St. Petersburg", bedauerte Verbandspräsident Pisejew.
Im Vorjahr gewannen die russischen Stars neun von zwölf Medaillen und alle Titel bei der EM in Prag. Bei den Damen und Herren standen jeweils drei Läufer aus Moskau oder St. Petersburg auf dem Treppchen. "Unsere Damen sind stärker als je zuvor", so Pisejew. Das Niveau im eigenen Land ist so hoch, dass Vize-Europameisterin Julia Soldatowa bei der Landesmeisterschaft nur Vierte wurde und sich damit nicht für Wien qualifizieren konnte. Zur EM kommen als Favoritinnen Titelverteidigerin Butirskaja sowie die Grand-Prix-Gewinnerin Irina Slutskaja. Slutskaja setzte beim Grand Prix Finale Mitte Januar neue Maßstäbe mit einer Weltpremiere: Als erste Frau sprang sie eine Kombination aus dreifachem Lutz und dreifachem Rittberger.
Bei den Herren werden wohl Doppel-Weltmeister Alexej Jagudin und sein Dauerkonkurrent Ewgeni Pluschenko Gold und Silber unter sich ausmachen. Beide beherrschten die Saison bisher. Jagudin verletzte sich allerdings vergangene Woche bei einem Trainingssturz an der rechten Hand und musste sogar einen Gips tragen, konnte jedoch nach Angaben seines Managers trainieren.
Die Paarlauf-Weltmeister Elena Bereschnaja/Anton Sichuralidze zeigten sich bei den letzten Wettbewerben etwas verunsichert. Ihre schärfsten Konkurrenten dürfte mit den Titelverteidigern Maria Petrowa/Alexej Tichonow aus dem eigenen Land kommen. Nur im Eistanz weht den Russen ein kalter Wind entgegen: Die EM-Dritten Irina Lobatschewa/Ilja Awerbuch werden darum kämpfen müssen, wenigstens wieder Bronze zu holen.
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