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DTM
Timo Scheider nach Rempler disqualifiziert

DTM-Rennkommissare sind überzeugt, dass Audi mit Absicht handelte
FOTO: AP, AP
Düsseldorf. DTM-Rennkommissare sind überzeugt, dass der Audi-Werkspilot mit Absicht handelte. Von Eckhard Czekalla

Es sind nur vier Wörter - doch sie sorgen in der Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) für viel Wirbel. Wörter, wie sie so oder ähnlich im Motorsport oft fallen, wenn jemand glaubt, dass seinem Fahrer übel mitgespielt wurde. "Timo, schieb ihn raus", sagte Wolfgang Ullrich gegen Ende des Sonntagsrennens in Spielberg. Kurz zuvor war Timo Scheider von den Mercedes-Piloten Pascal Wehrlein und Robert Wickens im Kampf um Platz sechs ausgetrickst worden.

"Timo, schieb ihn raus" - Pech für den Motorsportchef von Audi, dass der Funk an und die vermeintliche Aufforderung zum Foulspiel in der Liveübertragung der ARD deutlich hörbar war. Scheider, zweimaliger DTM-Champion, stupste wenig später den Rennwagen von Wickens an, und der schob seinen Markenkollegen Wehrlein mit ins Kiesbett. Damit verlor der Formel-1-Testfahrer die Führung in der Gesamtwertung an Sieger und Audi-Pilot Mattias Ekström (Schweden).

"Sollten sich die Ereignisse tatsächlich so zugetragen haben, wie sie im Fernsehen dargestellt wurden, dann ist das eine bedauerliche und unsportliche Geschichte, die verurteilt werden muss", sagte DTM-Boss Hans Werner Aufrecht. Timo Scheider bestritt, Ullrichs Spruch gehört zu haben. Die Version, er habe sogar früher als üblich gebremst, entlarvten Videoaufnahmen und vor allem die Telemetriedaten, die heutzutage den gläsernen Rennfahrer schaffen. Scheider bremste so spät wie nie zuvor.

Für die Rennkommissare war klar, dass die Kollision absichtlich herbeigeführt wurde. Ihre Konsequenz: Sie disqualifizierten Scheider und verwiesen den Fall ans Sportgericht des Deutschen Motor Sport Bundes. In einer schriftlichen Erklärung betonte Ullrich, dass "es im TV so rüberkam, als hätten wir Timo die Anweisung gegeben, einen Konkurrenten von der Strecke zu schieben. Doch das war definitiv nicht der Fall".

"Solche Manöver gehören nicht in die DTM. Unsere Fahrer wurden hier einfach rausgekegelt." Diese Feststellung wurde vor knapp acht Jahren getroffen - von Wolfgang Ullrich. Die Mercedes-Fahrer Mika Häkkinen und Pedro de la Rosa hatten im vorletzten Saisonrennen in Barcelona die Audi-Piloten Ekström und Martin Tomczyk von der Strecke gerammt. Audi beorderte daraufhin seine Autos an die Box. Nur sechs Mercedes erreichten das Ziel. Ekström wurde dennoch Meister, der ehemalige Formel-1-Weltmeister Häkkinen wurde zu 20 000 Euro Strafe verurteilt - DTM-Rekord.

Nun steht Ullrich, der nur für den erkrankten DTM-Leiter Dieter Gass eingesprungen war, im Fokus. Als grob unsportlich bezeichnete Mercedes-Teamchef Ulrich Fritz den Funkspruch, der Konsequenzen haben müsse. "Das ist schlecht für unseren Sport. Ein Rennergebnis wurde verfälscht - ein Vorgang, der am Saisonende womöglich das Endergebnis beeinflussen kann", betonte ARD-Experte Norbert Haug. Er war auch 2007 in Barcelona dabei - als Motorsportchef von Mercedes.

Quelle: RP
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