Tanja Szewczenko sieht Licht am Ende des Tunnels: Düsseldorferin fühlt sich verkannt
zuletzt aktualisiert: 07.01.2000Berlin (sid). Es war nicht nur das hautenge schwarze Kleid, das die Blicke auf sich zog. Ob Würstchenverkäufer, Hausmeister oder Putzfrau, 160 Sekunden lang ruhte die Arbeit im Berliner Erika-Hess-Eisstadion. Das DM-Abschlusstraining von Tanja Szewczenko war diese Pause allemal wert. Die gesundheitlichen Probleme sind überstanden, nach einer Serie von Absagen steht die Düsseldorferin endlich vor ihrem Saisondebüt.
Sechs Wochen lang hatten eine Bronchitis und später eine Nervenquetschung im rechten Bein die 22-Jährige im Training stark behindert und dafür gesorgt, dass Szewczenko fünfmal einen avisierten Start kurzfristig absagen musste. Den Verdruss darüber kann sie mittlerweile verstehen: "Ich hätte auch genervt reagiert, wenn ich das alles über eine andere Läuferin gehört hätte."
Und dennoch: Die EM-Dritte von 1998 fühlt sich vor den deutschen Meisterschaften, die für sie am Samstag (17.45 Uhr) mit dem Kurzprogamm beginnen, in der Öffentlichkeit verkannt: "Als ich mit sieben oder acht Nadeln im Fuß beim Arzt auf dem Behandlungstisch lag, habe ich schon darüber nachgedacht, dass es ganz gut wäre, wenn meine Kritiker das mal sehen würden. Ich finde, ich bin tapferer als viele glauben."
Gedanken an eine Rückkehr in alte Erfolgsregionen sind für Szewczenko vorerst tabu, in Berlin geht es um den Gewinn des nationalen Titels und die damit verbundene Qualifikation für die Europa- und Weltmeisterschaften: "Ich trainiere erst seit dem 18. Dezember wieder voll, da darf ich keine Wunderdinge erwarten. Ich möchte in der Kür vier saubere Dreifach-Sprünge zeigen und hoffe, dass ich auch die letzte Minute konditionell durchhalte." Vor exakt einem Jahr hatte die WM-Dritte von 1994 nach einer katastrophalen Leistung ihren Titel an die Münchnerin Eva-Maria Fitze verloren.
Doch Fitze ist krankheitsbedingt nicht am Start, und die jüngeren Nachwuchsläuferinnen werden Tanja besonders im künstlerischen Bereich nicht das Wasser reichen können. Auch deshalb, weil Szewczenko drei Kilogramm Körpergewicht zugelegt hat - insgesamt sind es jetzt 51 kg, optimal verteilt.
Fast folgerichtig hat sich zum Eiskunstlaufen - "meine erste, einzige und grosse Liebe" - eine neue Liaison mit einem Berliner Schauspieler gesellt. Gefunkt hat es ausgerechnet im eiskalten Minsk, bei den Dreharbeiten zum TV-Film Kasachstan-Lady, in der Tanja Szewczenko eine Eiskunstlauf-Trainerin spielt.
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