Tennis: Ein Blick ins Kuriositäten-Kabinett des Weißen Sports: Ein Ballwechsel von 29 Minuten Dauer
zuletzt aktualisiert: 23.03.2000 - 12:48Neuss (sid). Das Ergebnis verheißt auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches. 1984 gewann Vicki Nelson-Dunbar aus Südafrika beim Turnier in Richmond in der ersten Runde gegen Jean Hepner aus den USA mit 6:4, 7:6 (13:11). Seither steht diese Partie in den Rekordlisten als längstes Damen-Match aller Zeiten an erster Stelle, denn erst nach 6:31 Stunden verwandelte Vicki Nelson den Matchball.
Allein für den Tiebreak brauchten die beiden 1:47 Stunden. Einer der im Tiebreak ausgespielten Punkte dauerte 29 Minuten, dabei überquerte der Ball 643 Mal das Netz.
Das längste Herrenmatch aller Zeiten dauerte nur eine einzige Minute länger. Im Daviscup-Viertelfinale 1982 zwischen den USA und Schweden in St. Louis verwandelte John McEnroe nach 6:32 Stunden den Matchball zum 9:7, 6:2, 15:17, 3:6, 8:6 gegen Mats Wilander. Im legendären Daviscup-Playoff zwischen den USA und Deutschland 1987 in Hartford hatte Boris Becker das zweite Einzel gegen John McEnroe zwar erst nach 6:39 Stunden gewonnen, doch die damals noch üblichen zehn Minuten Pause nach dem dritten Satz verkürzten die effektive Spielzeit auf 6:29 Stunden.
Die meisten Spiele in einem einzigen Match, nämlich 147, brauchten 1967 in Newport Dick Leach/Dick Dell beim 3:6, 49:47, 22:20-Sieg gegen ihre US-Landsleute Len Schloss/Tom Mozur. 126 Spiele waren nötig, ehe der Brite Roger Taylor beim King's Cup 1966 in Warschau den Polen Wieslaw Gasiorek mit 27:29, 31:29, 6:4 bezwungen hatte. Den längsten Tiebreak der Geschichte spielten Jan Gunnarsson/Michael Mortensen 1985 in der ersten Runde von Wimbledon, als sie gegen John Frawley/Victor Pecci 6:4, 6:4, 3:6, 7:6 (26:24) gewannen.
Die längste Siegesserie aller Zeiten hält vermutlich für die Ewigkeit die einstige Weltranglistenerste Chris Evert, die vom 12. August 1973 bis zum 12. Mai 1979 in 125 Spielen auf Sand ungeschlagen blieb. Ihr Landsmann John McEnroe behielt zwischen September 1983 und April 1985 immerhin 65 Mal in Folge die Oberhand auf den schnellen Teppichböden.
Erwähnenswert, obwohl nicht vergleichbar ist auch die Serie der "göttlichen" Französin Suzanne Lenglen, die zwischen 1927 und 1932 nicht einen einzigen Satz und zwischen 1919 und 1926 nur ein Match verlor. Die Helden der Gegenwart können da nicht mithalten. Der sechsmalige Wimbledonsieger Pete Sampras blieb zwischen 1993 und 1996 23 Mal auf Rasen ungeschlagen, Thomas Muster schaffte zwischen Februar und Juni 1995 40 Siege in Folge auf der roten Asche.
In etlichen Rekordlisten steht der Name Martina Navratilova wohl auch für alle Zeiten ganz oben. 1984 blieb die gebürtige Tschechin 74 Mal in Folge ungeschlagen, ehe sie im Halbfinale der Australian Open, die damals im Dezember stattfanden, auf dem Weg zum sicher geglaubten Grand Slam gegen Helena Sukova verlor.
Platz zwei in dieser Liste belegt Steffi Graf, die von Mitte 1989 bis zu ihrer Niederlage im Finale der German Open im Mai 1990 gegen Monica Seles 66 Matches in Folge für sich entschied. Martina Navratilova gewann in ihrer einmaligen Karriere bei einer Matchbilanz von 1.438:212 nicht weniger als 167 Turniere vor Chris Evert 154 (1.309:146) und Steffi Graf 107 (902:115). Spitzenreiter bei den Herren ist Jimmy Connors mit 109 Turniersiegen.
Allerdings hält auch Steffi Graf eine Bestmarke, die wohl niemand mehr "knacken" wird. 377 Wochen lang war die heute 30-Jährige zwischen August 1987 und März 1997 die Nummer eins der Welt, länger als jeder andere Tennisprofi der Geschichte. Ihr langjähriger Weggefährte Boris Becker, bisher einziger Deutscher an der Spitze der ATP-Rankings, war dagegen insgesamt nur zwölf Wochen lang die Nummer eins.
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