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Ein Hauch zerstört den großen Traum von Olympia

Wutschnaubend lehnte Jürgen Hingsen an einer Betonwand der Stadion-Tribüne und raufte sich die Haare. Doch lamentieren nützte nichts. Der Nachmittag am 28. September 1988 entwickelte sich zum finstersten seiner Karriere. Sein großer Olympia-Traum war ausgeträumt. Ihm blieb nur noch der traurige Blick auf die Laufbahn, auf der gerade der 100-Meter-Lauf des olympischen Zehnkampfs ohne ihn über die Bühne ging, weil er gerade disqualifiziert worden war.

Jürgen Hingsen war im Jahr 1988 in Seoul einer der besten Zehnkämpfer der Welt, hielt den Weltrekord, galt als einer der Favoriten. Nach sieben zweiten Plätzen bei Welt- und Europameisterschaften sowie Olympia 1984 in Los Angeles war er reif für den Titel. "Ich wollte Gold", betonte Hingsen später. Doch sollte es ganz anders kommen. Noch vor dem 100 Meter-Lauf, der ersten Disziplin im Zehnkampf, plagte eine Patellasehen-Verletzung den gebürtigen Duisburger. Doch war sich Hingsen sicher, dass die Schmerzen ihn nicht bremsen würden. Im Gegenteil: "Ich musste beim 100-Meter-Lauf alles auf eine Karte setzen. Ich hatte mir vorgenommen, einen fantastischen Start hinzulegen", sagte Hingsen dem "Spiegel".

Doch alles ging schief. Dreimal musste der Start wiederholt werden. Alle drei Mal soll Hingsen zu früh gestartet sein. "Ich glaube bis heute nicht daran, dass ich es war", sagte Hingsen. Die Kameras aber fingen die grade frisch gedruckten Computermessungen ein. Da stand es. Schwarz auf Weiß. Eine Tausendstel-Sekunde preschte Hingsen zu früh aus dem Block.

(kt)
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