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Düsseldorf
Eishockey-Torhüter Greiss lässt Gegner verzweifeln

Düsseldorf. Er hat in den vergangenen Wochen seinen Marktwert erheblich gesteigert, der deutschen Nationalmannschaft bei der Eishockey-Weltmeisterschaft erstmals seit fünf Jahren sowie seinem Klub New York Islanders in der NHL erstmals seit 1993 wieder zum Einzug ins Viertelfinale verholfen. Er wurde in den vergangenen Tagen dies- und jenseits des Atlantiks mit Lob überschüttet. Doch Thomas Greiss ist nicht zufrieden. "Es wäre mein bestes Länderspiel gewesen, wenn wir gewonnen hätten", sagte er nach der 1:4-Niederlage der deutschen Mannschaft gegen den Favoriten Russland. Dabei war es das Verdienst des 30 Jahre alten Torhüters, dass die deutsche Delegation gestern Mittag zufrieden die Heimreise antrat. Von Thomas Schulze

Die offizielle Statistik stimmt mit der gefühlten nicht überein. Demnach hat Thomas Greiss 33 der 37 Schüsse gehalten, was einer Quote von 89,2 Prozent entspricht. Statistisch betrachtet ist das gut, aber kein Top-Wert. Der Eindruck der Zuschauer war ein anderer. Sie sahen in Greiss einen Teufelskerl zwischen den Pfosten, der die deutlich überlegene Eishockey-Macht Russland mit seinen schier unglaublichen Paraden der Verzweiflung nahe brachte. So durften die deutschen Fans bei einer 1:0-Führung zumindest bis zum zweiten Drittel vom Halbfinale träumen. Am Ende war das Team mit dem 1:4 gut bedient. Bundestrainer Marco Sturm urteilte differenziert. "Wir haben ein bisschen zu viel auf Thomas vertraut", sagte er nach dem WM-Aus, weil sein Team zu großen Respekt vor Russland hatte. Die Leistung seines Keepers schmälerte er nicht: "Thomas hat uns den Extrakick gegeben. Ich bin froh und habe ihm gedankt, dass er gekommen ist." Greiss war aufgrund seines Einsatzes in der NHL erst verspätet nach Russland gereist.

Bundestrainer Sturm flog gestern zu seiner Familie nach Florida. Im Gepäck hatte er ein dickes Lob von NHL-Verteidiger Christian Ehrhoff: "Er hat ein super erstes Turnier gecoacht." Wichtiger ist ihm jedoch die gewonnene Erkenntnis: "Ich weiß, da steckt noch mehr drin in der Mannschaft." Das stimmt Sturm mit Blick auf die nächsten Monate zuversichtlich. "Wir haben noch zwei coole Events vor uns", sagt er. "Die Olympia-Qualifikation und im nächsten Jahr die Weltmeisterschaft im eigenen Land. Wir sind noch lange nicht da, wo wir hin wollen, aber es war ein guter Schritt."

Der nächste soll Anfang September folgen, wenn die deutsche Mannschaft in Riga gegen Gastgeber Lettland, Österreich und Japan um das Olympia-Ticket kämpft - mit Thomas Greiss und den anderen NHL-Stars. Dass Deutschland 2014 erstmals nicht an den Winterspielen teilnehmen durfte, soll die einmalige Ausnahme gewesen sein.

Quelle: RP
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