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Düsseldorfer EG
Alexander Thiel lebt seinen Traum

Düsseldorfer EG: Alexander Thiel lebt seinen Traum
Alexander Thiel (l.) jubelt mit Travis Turnbull über den Treffer zum 2:1. FOTO: american-sports.info
Düsseldorf. Für den 23 Jahre alten Kaufbeurer ist es die erste Saison in der Deutschen Eishockey Liga. Beim 2:1 gegen Hamburg erzielt er das Siegtor für die DEG und strotzt vor Selbstbewusstsein. Von Thomas Schulze

Alexander Thiel sitzt mit seiner Freundin Ariane im Café Muggel. Sie genießen diesen herrlichen Frühlingsmorgen bei Kaffee und Croissants. Mit dabei sind auch Stephan Daschner und seine Verlobte Birgit. Es ist ein nahezu perfekter Tag. Alexander Thiel hat tags zuvor das Tor zum 2:1 für die DEG gegen die Hamburg Freezers erzielt. "Natürlich ist das ein wunderschönes Gefühl", sagt er. Vielleicht hat ihn ja Ariane beflügelt, denn sie ist derzeit in Düsseldorf. "Eigentlich lebt sie in Kaufbeuren, aber sie hat gerade ihr Studium abgeschlossen und kann deshalb hier sein." Noch ein Grund zum Feiern. "Ja, aber nicht jetzt. Wir stehen mitten in den Play-offs. Aber wir werden sicherlich hinterher anstoßen", sagt Alexander Thiel. Doch wann ist das? "Je später, desto lieber."

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Er hat seinen Teil dazu beigetragen, dass es später sein wird. Denn nach dem Sieg steht es in der Viertelfinalserie nach dem Modus "best of seven" (vier Siege sind zum Erreichen des Halbfinals nötig) 2:2. Der fünfte Vergleich steigt morgen an der Elbe, der sechste am Sonntag (14.30 Uhr) in Düsseldorf, das eventuell notwendige, entscheidende siebte Spiel dann am Dienstag wieder in Hamburg.

Doch so weit will es Thiel gar nicht kommen lassen. Er fühlt sich in der Rolle des Außenseiters wohl. "Es ist doch besser gelaufen, als viele gedacht haben", sagt er rückblickend. "Wir haben von Anfang an an uns geglaubt und wir haben ein gutes Team. Warums sollten wir da nicht die Play-offs erreichen? Und dann ist alles drin. Wolfsburg hat es doch gegen den großen Favoriten München gezeigt. Und wenn wir in Hamburg gewinnen, wird es für die sehr schwer, das Halbfinale zu erreichen. Und wenn man unter den letzten Vier ist, ist alles drin." Dabei wirkt Alexander Thiel kein bisschen überheblich. Im Gegenteil, er meint es ernst. Ebenso ernsthaft und konsequent hat er seinen beruflichen Werdegang betrieben. "Ich habe immer am liebsten Eishockey gespielt und wollte immer nur Profi werden", erzählt er. Er habe nie einen anderen Berufswunsch gehabt. "Wenn ich von heut' auf morgen nicht mehr spielen könnte, müsste ich überlegen, was ich mache – vielleicht das Abitur nach machen und studieren."

DEL-Viertelfinale 14/15: DEG - Hamburg, Spiel vier FOTO: american-sports.info

Der Weg seiner sportlichen Ausbildung führte ihn bereits in der Saison 2008/09 an die Düsseldorfer Brehmstraße, wo er bei den Junioren spielte, die von Christof Kreutzer trainiert wurden. Landsberg, Ravensburg und Kaufbeuren waren seine weiteren Stationen. Im Frühjahr klingelte dann sein Telefon in Bayern. Am anderen Ende war Christof Kreutzer. "Ich hatte Alexander nie aus den Augen verloren", sagt der Trainer. "Und er hatte in Kaufbeuren eine sehr gute Saison gespielt. Ich wusste, was er für ein Typ ist und dass er zu uns passt. Er hatte sich die Chance verdient."

Was für ein Typ ist Thiel? "Er passt von seiner Einstellung her zu uns und verfügt über eine gute Schussqualität", erklärt Kreutzer. "Natürlich wusste ich, dass er noch nie in der DEL gespielt hat. Aber er ist jung und hungrig und will sich weiter entwickeln."Mit der Entwicklung seines Schützlings ist der Trainer zufrieden, ordnet sie aber sogleich richtig ein. "Die anderen jungen Spieler wie Preibisch, Fischbuch oder Strodel, die ihr zweites Jahr in der DEL absolvieren, sind ihm noch einen Schritt voraus."

Das ist Tyler Beskorowany FOTO: american-sports.info

Das hat Alexander Thiel während der Saison gemerkt. Er hatte nicht ganz so viele Eiszeiten. Das hat ihn gewurmt. Und dann hat er den Trainer genervt. Als es im Februar verletzungsbedingt an Verteidigern mangelte, hat er es Kreutzer mehrmals konstruktiv gesagt: "Trainer, ich hab auch schon mal Verteidiger gespielt." Zuerst hat Kreutzer nicht reagiert, aber Thiel hat nicht locker gelassen. Und dann bekam er seine Chance in der Abwehr und machte seine Sache gut. "Ja, es stimmt", gesteht der gelernte Stürmer. "Ich hab mich halt angeboten. Ich war davon überzeugt, dass es klappt. Jeder Spieler will doch mehr Eiszeiten haben, und in Kaufbeuren hatte ich in der vergangenen Saison auch hinten ausgeholfen. Aber das war schon etwas anderes." In der höchsten Klasse sind die Anforderungen natürlich höher; es ist ein anderes Tempo, die Stürmer sind ausgebuffter, alles geht viel schneller und präziser. "Aber für mich war es eine Herausforderung", sagt Thiel. "Es hat mir Spaß in der Abwehr gemacht, weil ich plötzlich das ganze Spiel vor mir hatte." Die besondere Herausforderung liegt für ihn in der Defensive darin, den richtigen Abstand zu den gegnerischen Stürmern zu halten. "Darin liegt für mich der Reiz."

Dass er ausgerechnet als Verteidiger zwei seiner drei Saisontore erzielt hat, verwundert nicht. Für die Mannheim und Hamburg war es eine Überraschung, dass ein Verteidiger plötzlich als Stürmer vor dem Kasten aufkreuzt.

Mit seiner Torausbeute ist er nicht zufrieden. "Ich habe in der zweiten Liga viele Tore gemacht", sagt er. Tatsächlich hat er in 60 Spielen 29 mal ins Schwarze getroffen und 19 Treffer vorbereitet – eine sehr gute Quote für einen jungen deutschen Angreifer. "Aber diese Torjäger-Qualitäten habe ich hier noch nicht so unter Beweis gestellt."

Alexander Thiel liegt gerne am Strand in der Sonne. Zwiebelrostbraten mit Käsespätzle ist sein Leibgericht. Doch in diesen Tagen dreht sich alles nur um den Puck. Er lebt für das Eishockey, liebt diesen Sport. Und manchmal kann er es selbst noch nicht recht glauben. "Es war immer mein Traum, Eishockey-Profi zu werden, und es ist immer noch mein Traum." Und der geht noch weiter – morgen in Hamburg und am Sonntag in Düsseldorf und . . .

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