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DEG-Trainer Tobias Abstreiter
"Der Glaube an die Play-offs ist da"

DEG-Trainer Tobias Abstreiter: "Der Glaube an die Play-offs ist da"
FOTO: american-sports.info
Düsseldorf. Für die Düsseldorfer EG hat Cheftrainer Tobias Abstreiter seinen Olympia-Traum aufgegeben. Nicht ohne Grund: Er will Cheftrainer bleiben. Im Interview spricht der 47-Jährige über Olympia und die Play-Off-Chancen der DEG. Von Bernd Jolitz und Patrick Scherer

Eigentlich war alles klar. Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) pausiert wegen Olympia, und Tobias Abstreiter reist als Co-Trainer der deutschen Mannschaft mit nach Pyeongchang. Dann kommt doch alles anders. Die Düsseldorfer EG trennt sich von Cheftrainer Mike Pellegrims und befördert Assistent Abstreiter. Während das DEB-Team in Südkorea sensationell Silber gewinnt, arbeitet der 47-Jährige mit seinem Team an der Brehmstraße. Und so stand Abstreiter nicht etwa im Gangneung Hockey Center an der Bande, sondern im niederländischen Geleen und sah einen unbedeutenden 12:0-Testspielsieg.

Nun will der Coach die letzten drei Saisonspiele in Nürnberg (Mittwoch, 19.30 Uhr), am Freitag gegen Berlin (19.30 Uhr) und am Sonntag gegen Krefeld (14 Uhr, beide ISS Dome) gewinnen, den Drei-Punkte-Rückstand auf Schwenningen wettmachen und in die Play-offs einziehen. Auch, um damit ein Bewerbungsschreiben abzugeben.

Herr Abstreiter, Hand aufs Herz: Wie sehr schmerzt es, nicht bei Olympia dabei gewesen zu sein?

Abstreiter Es hat wehgetan, die Spiele von zu Hause anschauen zu müssen. Ich habe die Olympia-Qualifikation in Riga mitgemacht. Die Vorfreude wurde danach natürlich immer größer. Man hat ja nicht immer die Möglichkeit, sowohl als Sportler als auch als Trainer dabei zu sein. Es wäre schön gewesen, dabei zu sein. Aber: Wir wollen uns auf die letzten drei Spiele vorbereiten. Die Mannschaft kann das nicht ohne Cheftrainer machen. Das wäre nicht zu verantworten gewesen.

Macht es der Silbermedaillengewinn noch schmerzhafter?

Abstreiter Ach, es war jedes Mal das gleiche Gefühl. Die Freude steht ganz klar im Vordergrund - aber es ist Wehmut im Spiel. Die verpasste Teilnahme war halt immer präsent.

Aus Düsseldorf war kein Spieler in Südkorea dabei. Hat sich keiner nachhaltig empfohlen?

Abstreiter Auf dem Niveau noch nicht. Beim Deutschland Cup waren Mathias Niederberger, Bernhard Ebner und Maximilian Kammerer dabei. Aber zum Olympia-Niveau fehlt schon noch etwas. Dazu müssen sie beständig gute Leistungen in der DEL bringen. Das war diese Saison ausbaufähig. Das Potenzial für die Nationalmannschaft haben aber alle drei.

Wie haben Sie denn die Saison bis zur Trennung von Mike Pellegrims wahrgenommen?

Abstreiter Es waren viele Spiele, die von der Leistung her ganz gut waren. Auffallend war, dass wir in Overtime-Spielen neun von 13 verloren haben. Da haben wir zu viele Punkte auf der Strecke gelassen. Das ist das größte Manko, dass wir mitschleppen müssen.

Woran kann das liegen? Sind es die Nerven?

Abstreiter Das ist schwer zu sagen. Vielleicht hat sich der eine oder andere beim Spiel Drei-gegen-Drei nicht wohlgefühlt oder zu riskant gespielt. Da waren die Gegner wohl etwas cleverer.

Gerade zu Beginn der Saison waren die Leistungen stark, die Punkte fehlten aber. Spielerisch war im Laufe der Saison aber kaum eine Fortentwicklung zu erkennen. Wie ist das zu begründen?

Abstreiter Wenn man sich immer wieder um den Lohn der Arbeit bringt, steigt natürlich nicht das Selbstvertrauen. Da gibt es dann während der Saison eher keinen Push mehr. Im Dezember und Januar haben wir zu viele Punkte liegengelassen. Da hätten wir dringend noch mal eine Bestätigung in Form von Punkten gebraucht, damit jeder sieht, dass es aufwärts geht. Aber wir sind immer wieder in den Sand getreten.

Welche Impulse können Sie in der Schlussphase der Saison jetzt überhaupt noch setzen?

Abstreiter Es werden ein paar Sachen intensiver trainiert. Gerade was die Einstellung auf die nächsten Gegner angeht. Wir hatten jetzt Zeit, ein paar Dinge einzustudieren. Das ist während des normalen Spielrhythmus nicht so möglich.

Können Sie etwas konkreter werden?

Abstreiter Nein, da will ich nichts verraten. Große Änderungen im taktischen Bereich sind aber nicht sinnvoll. Gerade nach dem vergangenen Erfolg gegen Köln wäre die Gefahr einer Verunsicherung zu groß. Das wollen wir in jedem Fall vermeiden. Wir drehen nur an der einen oder anderen Stellschraube.

Welche Rolle spielt der Derbysieg für die letzten drei Spiele?

Abstreiter Das ist sicher hilfreich im mentalen Bereich. Gerade mit solch einem Sieg vor der Pause sollte das Selbstvertrauen steigen.

Kam die knapp vierwöchige Olympiapause deshalb ungelegen?

Abstreiter Ja, es ist echt schwer. Man weiß nicht so genau damit umzugehen. Es gibt dafür keinen Leitfaden. Da muss man sich auf sein Gefühl verlassen. Es muss die richtige Mischung aus Trainingsintensität und Spaß sein. Spätestens vor einer Woche hatten wir aber die Spannung für das Spiel in Nürnberg wieder aufgebaut.

Wie schätzen Sie die Nürnberger ein, die ihren Play-off-Platz bereits gesichert haben?

Abstreiter Die kämpfen mit Berlin noch um die Champions-League-Teilnahme. Da macht der Hauptgesellschafter Thomas Sabo Druck. Für Nürnberg geht es also um einiges. Die werden höchstkonzentriert auftreten und nichts schleifen lassen. Gegen Berlin am Freitag geht es deshalb genauso heiß her. Diese Herausforderungen müssen uns Spaß machen und von alleine motivieren.

Wie ist die Stimmung im Team? Ist der Glaube an die Play-offs zu spüren?

Abstreiter Ich habe den Eindruck, dass die Jungs Vollgas geben. Der Glaube ist da. Der ist zu 100 Prozent in den Köpfen der Spieler verankert.

Wie hoch bewerten Sie denn die Chancen?

Abstreiter Ich will das nicht in Prozentzahlen ausdrücken. Aber: Solange die Chance da ist, werden wir alles versuchen.

Nur bitter, dass Konkurrent Schwenningen die uneinholbar bessere Tordifferenz aufweist.

Abstreiter Ja, wir sind quasi vier Punkte weg. Das wissen wir. Schwenningen hat aber mit Mannheim, Iserlohn und Wolfsburg auch schwere Spiele vor sich. Das sind drei dicke Brocken. Davon müssen sie erstmal eine Partie gewinnen.

Sie standen hinter Christof Kreutzer und Mike Pellegrims in der zweiten Reihe. Jetzt sind Sie Chef. Wie fühlt sich das an?

Abstreiter Das ist natürlich eine ganz andere Situation. Es ist ungewohnt, aber eine schöne Herausforderung. Es sind gute Erfahrungen, die man für die Zukunft sammeln kann. Die Arbeit macht definitiv Spaß. Ich fühle keinen riesigen Druck. Als Sportler bist du ohnehin immer Druck ausgesetzt. Ich habe das Gefühl, das im Griff zu haben. Es ist nicht zu viel Druck von außen, aber auch nicht zu wenig von mir selbst.

Es gibt Assistenztrainer, die gar nicht dauerhaft in die erste Reihe wollen. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Abstreiter Mein Ziel war schon immer, Cheftrainer zu werden. Wann es passiert, kann man sich sowieso nicht aussuchen. Der Sport ist kein Wunschkonzert.

Der Interimsjob bei der DEG ist somit auch eine große Chance für Sie. Die Play-off-Teilnahme wäre ein dickes Bewerbungsschreiben, oder?

Abstreiter Ja, das kann man schon so sagen. Ich setze aber niemanden bei der DEG unter Druck. Die Verantwortlichen müssen bewerten, wie die Trainer mit der Mannschaft arbeiten. Ich werde keinem Vorschriften machen. Der Schritt muss vom Sportlichen Leiter, dem Geschäftsführer und den Gesellschaftern kommen.

Wie ist denn die Sprachregelung mit der DEG?

Abstreiter Ich gehe davon aus, dass bald eine Entscheidung fallen wird. Du musst ja mit dem Trainer die Kaderplanung vorantreiben.

Sie würden also gerne über die Saison hinaus Cheftrainer der DEG bleiben?

Abstreiter Auf jeden Fall. Ich habe Lust auf diese Aufgabe.

Bernd Jolitz und Patrick Scherer führten das Gespräch 

Quelle: RP
 
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