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Eishockey-Gipfel
"Jedes Team will Meister werden"

Der große Eishockey-Gipfel bei der RP
Der große Eishockey-Gipfel bei der RP FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Christof Kreutzer (Düsseldorfer EG), Rick Adduono (Krefeld Pinguine) und Niklas Sundbald (Kölner Haie) zu Gast in unserer Redaktion. Sie sprechen zum Saisonstart über Auf- und Abstieg, die Titelfavoriten und Bundestrainer Marco Sturm.

Die Deutsche Eishockey Liga hat beschlossen, dass es zur Saison 2017/18 wieder Auf- und Abstieg geben soll. Vernünftig?

Christof Kreutzer Das ist ein gute Entscheidung. In Deutschland gibt es keine andere Sportart, die darauf verzichtet. Auf- und Abstieg sind mit vielen Emotionen verbunden und fördern den Wettbewerb. Natürlich hat die Düsseldorfer EG zwei Jahre lang von der jetzigen Regelung profitiert, aber vielleicht wäre es auch nicht schlecht gewesen, in der zweiten Liga sportlich zu gesunden.

Die Meistertipps der Trainer

Niklas Sundbald In Schweden gibt es Auf- und Abstieg, das ist populär. Aber dass der Tabellenletzte direkt absteigt, da bin ich dagegen. Es müsste eine Play-off-Runde geben oder zumindest eine Relegation. Wenn zum Beispiel die beiden Letzten der DEL gegen die Top vier der zweiten Liga spielen, das fände ich gut. Der Modus muss also modifiziert und die Bedingungen angepasst werden. Derzeit sind in der DEL neun Ausländer erlaubt, in der DEL 2 nur fünf, das geht nicht. 

Rick Adduono Auf- und Abstieg sind okay. Ein größeres Problem sehe ich in den sehr unterschiedlich großen Budgets der Klubs. Man sollte darüber nachdenken, ob die Budgets nicht begrenzt werden sollten, das wäre fair. Vor dem Saisonstart herrscht überall großer Optimismus.

Wie beurteilen Sie die Chancen Ihres Klubs?

Sundblad Wir haben uns in der vergangenen Saison nicht für die Play-offs qualifiziert. Wir sollten demütig sein und zunächst an die Play-offs denken. Wenn wir die erreicht haben, sehen wir weiter.

Kreutzer Nach der hervorragenden Saison sind die Pre-Play-offs unser erstes Ziel. Aber wir schauen auch nach unten, denn die, die in der vergangenen Saison unten standen, wollen diesmal vor uns landen. Und wir sind kein Außenseiter mehr. 

Adduono Natürlich sind die Play-offs unser Ziel, aber natürlich will auch jede Mannschaft Meister werden. Aber man muss auch immer das Budget der einzelnen Vereine sehen. Wir träumen nicht, denn die Liga ist sehr stark. Alle Verein sind super organisiert und haben tolle Fans. 

Wer ist Titelfavorit?

Sundblad Meister Mannheim hat sich mit NHL-Star Goc noch einmal verstärkt. Aber die DEL ist in dieser Saison noch besser als im Vorjahr. Ich freue mich darauf, viele neue Ausländer zu sehen und bin gespannt.

Kreutzer Stimmt, die Liga ist noch stärker, die Mannschaften sind noch dichter beieinander. Den zehnten Platz will jeder erreichen. Mannheim ist Titelverteidiger, München und Köln haben sich enorm verstärkt. Aber auch Schwenningen, die sicherlich nicht wieder Letzter werden.

Adduono (lacht) Keiner spricht von Krefeld, das verstehe ich nicht. Spaß beiseite, aber ich halte auch Überraschungen für möglich. Zum Beispiel traue ich Nürnberg einiges zu. Und ich erinnere daran, dass Wolfsburg dreimal mit 3:0 gegen Mannheim geführt hat. Es hat nicht viel gefehlt, dann wären die vielleicht Meister geworden. Und es freut mich, dass die DEG eine so gute Saison gespielt hat, das war gut für die DEL. Christof hat eine gute Mischung aus jungen und alten Spielern. Die DEG ist wieder da, Köln auch – aber es braucht viel, um Meister zu werden: einen sehr guten Torwart, eine gute Defensive und Offensive, gutes Über- und Unterzahlspiel.

Vor jeder Saison werden Kleinigkeiten geändert – diesmal zum Beispiel die Vergrößerung der Offensivdrittel. Warum die ständigen Änderungen?

Kreutzer Das sind normalerweise nur Kleinigkeiten. Eishockey ist besser als sein Ruf. Die Vergrößerung der Offensivzone finde ich gut.

Sundblad Ich nicht, was hat das gebracht, mehr Tore? Aber für mich ist wichtiger, dass die Schiedsrichter ein Spiel laufen lassen und nicht so kleinlich pfeifen. Wir sehen so etwas dann auf dem Video, doch der Zuschauer sieht es nicht und ist sauer.

Adduono Die Schiedsrichter sind gut, die Problematik liegt in der nicht immer einheitlichen Regelauslegung.

Die deutsche Nationalmannschaft hat zuletzt schwer enttäuscht. Wohin geht die Reise?

Sundbald Das liegt auch an nicht einheitlichen Regelungen. Es muss klar sein, wie viele Ausländer eingesetzt werden dürfen. Und vor allem muss geregelt sein, wann ein Ausländer einen deutschen Pass erhält. Nur wenn diese Regeln klar und auch begrenzt werden, werden junge Spieler eine Chance bekommen. In Krefeld, Düsseldorf und Köln wird gute Nachwuchsarbeit geleistet. Aber viele junge Spieler kommen doch meist nur zum Einsatz, wenn kein Geld für starke Ausländer da ist.

Adduono Wenn es mit der deutschen Nationalmannschaft aufwärts gehen soll, kann man aber nicht warten, bis Talente nachwachsen. Die jungen Spieler müssen jetzt Chancen erhalten. Die Arbeit mit Talenten macht viel Freude, aber sie brauchen gute Trainer und eine gute Ausbildung an der Basis. Bei uns in der DEL interessiert das kaum einen, wir müssen gewinnen, egal ob mit oder ohne Ausländer. Aber vielleicht müsste man eine Regel finden, zum Beispiel, dass in der vierten Sturmreihe nur Spieler bis 22 Jahren spielen dürfen.

Kreutzer Eine Sportart wird immer an der Nationalmannschaft gemessen und da ist es nicht gelaufen, wie man es sich vorgestellt hat. Natürlich müssen Konzepte her, und in den Vereinen muss sich auch was ändern. Die Talente müssen immer sehen, dass sie ihr Ziel erste Liga erreichen können. Für mich ist es schön, dass ich viele Spieler schon im Nachwuchs trainiert habe.

Ist Marco Sturm als Bundestrainer der Richtige?

Kreutzer Ja, jeder Spieler schaut zu ihm auf. Er ist ein Anführer, hat über 1000 NHL-Spiele absolviert, das hat kein anderer deutscher Spieler. Und es muss wieder so sein, dass die Spieler stolz sind, für Deutschland spielen zu dürfen. Das war zuletzt nicht immer der Fall.

Adduono Ja, das ist ein großer Name, das ist wichtig für die Mannschaft. Aber Trainer ist ein komplizierter, umfangreicher Job, da gehört einiges dazu. Und wenn man nie zuvor als Trainer gearbeitet hat, wird es schwierig. Man hat eine Fülle von Aufgaben, wobei die Erfahrung hilfreich ist. Wir sind in der Liga 14 Trainer, die ihm helfen wollen. Aber wie man mit verschiedenen Situationen umgeht, bei Siegesserien oder Niederlagen reagiert, damit umzugehen, muss man lernen.

Sundblad Ich kenne Marco aus Köln, wo er Spieler und ich Co-Trainer war. Er ist ein guter Junge, es ist eine gute Entscheidung.

Aber muss der Bundestrainer nicht in Deutschland wohnen?

Kreutzer Wo er seinen Hauptwohnsitz hat, ist mir persönlich total egal. Entscheidend ist, dass er während der Saison in Deutschland ist.

Sundbald Es ist ganz einfach: Spielt die Nationalmannschaft gut, ist das kein Thema, spielt sie schlecht, ist es eins. Gebt Marco eine Chance! Und vielleicht ist Nationaltrainer genau das richtige für ihn. Im November ist der Deutschland-Cup, dann hat er Zeit bis zu den Länderspielen im Februar und dann bis zur Weltmeisterschaft im Mai. Als Klubtrainer, wo du ständig im Einsatz bist, hast du es schwerer.

Adduono Marco muss die Spieler hier sehen und sprechen. Alles andere regelt sich.

Wie wichtig sind die Derbys?

Kreutzer Derbys sind überall auf der Welt das Salz in der Suppe. Die Spiele sind immer brisant, völlig unabhängig von der Platzierung. Unsere Region braucht die Derbys, manchmal lechzt man danach.

Gehört Iserlohn auch dazu? Ein Westderby?

Kreutzer Nein, Derbys sind gegen Köln und Krefeld. In Iserlohn ist es nie einfach, aber das ist kein Derby.

Adduono Für mich ist Iserlohn quasi ein Derby, weil ich da Trainer war. Deshalb sind das für mich besondere Spiele. Aber Derbys sind was Großes, deshalb sind Derbysiege für die Fans besonders wichtig. Mir sagen sie jedes mal: gegen Straubing kannst du verlieren, aber die DEG müsst ihr schlagen.

Sundblad Es gibt die drei große Traditionsvereine in Nordrhein-Westfalen und wir freuen uns auf jedes Derby.

Wenn Ihnen die beiden jeweils anderen Vereine ein gleich dotiertes Angebot machen würden, wohin würden sie wechseln?

Sundbald Ich würde zur DEG gehen, weil ich für sie schon an der Brehmstraße auf dem Eis stand.

Adduono Köln oder Düsseldorf – das kann ich nicht sagen. In Düsseldorf kann man aber sehr gut einkaufen.

Kreutzer Mit der Frage tue ich mich am schwersten. Dass ich in Uerdingen geboren bin, war der Fehler meines Vaters, deshalb vielleicht eher Krefeld. Aber lieber Krefeld oder Köln als alle anderen Vereine der Liga.

Das Gespräch führten Gianni Costa, H.G. Schoofs und Thomas Schulze.

Quelle: RP
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