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Interview mit Bernhard Ebner
"Jeder weiß, was der andere macht"

Interview mit Bernhard Ebner: "Jeder weiß, was der andere macht"
Bernhard Ebner. FOTO: cr/American-Sports.Info
Düsseldorf. Der 26 Jahre alte Eishockey-Verteidiger spricht im Rahmen des Turniers in der Schweiz über die gravierenden Veränderungen bei der DEG, über das Sommertraining, den neuen Chefcoach und die Olympischen Spiele. Von Thomas Schulze

Für Bernhard Ebner ist es die sechste Saison im Trikot der Düsseldorfer EG. So lange in Folge gehört kein anderer Spieler dem Team an. Deshalb kann er die Veränderungen und Entwicklungen besonders gut einordnen.

Die Mannschaft ist jetzt innerhalb weniger Tage zum zweiten Mal in die Schweiz gefahren. Gehen Ihnen die Busfahrten nicht auf die Nerven?

Ebner Bei der ersten Fahrt habe ich gedacht: oh je. Aber jetzt die zweite Fahrt ist es schon wieder wie alle 200 zuvor. Für Eishockeyspieler ist das normal.

Normal absolvieren Sie ein Spiel und fahren gleich wieder nach Hause. Jetzt nehmt ihr an dem Turnier in Olten teil. Ist das angenehmer?

Ebner Ein Turnier ist attraktiver, weil wir als Mannschaft fünf Tage am Stück beisammen sind um am Ende einen Pokal in den Händen halten können. Diese beiden Aspekte sind für uns die Ausnahme, etwas Besonderes.

Speziell war auch das Sommertraining. Erstmals habt ihr den Sommer durchtrainiert.

Ebner Das ist ja nicht neu. Wir haben sonst ja auch nicht vier Monate Ferien gemacht, sondern auch trainiert. Neu war für uns, dass wir gemeinsam trainiert haben. Das war gut geregelt, zeitweise wurde auch individuell trainiert.

Wie sah das aus?

Ebner Jeder bekam nach den Testergebnissen seinen eigenen Plan. Bei mir zum Beispiel war die Muskulatur der Beine stark unterschiedlich ausgeprägt. Jetzt ist sie nach gezielter Arbeit fast gleich.

Ist das denn überhaupt wichtig?

Ebner Ja, denn es dient der Verletzungsvorbeugung und Stabilität. Wenn ich das eine Bein immer stärker belaste als das andere, ist die Anfälligkeit größer.

Womit wir schon bei den Unterschieden zur vergangenen Saison sind. Was macht der neue Trainer Mike Pellegrims anders?

Ebner Er hat ein anderes Spielsystem. Es herrscht völlige Klarheit, was das Spiel betrifft, auch in Details. Früher haben wir uns das Video angesehen und verschiedene Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt bekommen, jetzt gibt es nur einen Weg. Und die fünf auf dem Eis sind eine Einheit, jeder weiß, was der andere macht.

Ist das nicht Freiheitsberaubung?

Ebner Nein, die Rückwärtsbewegung ist eindeutig und gibt Sicherheit. Vorne können wir ja kreativ sein, die Beine bewegen und Chancen kreieren.

Fünf Jahre DEG - wie haben sich Mannschaft und Verein verändert?

Ebner Enorm. Als ich vor fünf Jahren kam, bestand die Mannschaft aus talentierten Junioren, Zweitligaspielern, jungen Ausländern und Daniel Kreutzer. Für mich war es die große Chance, viel Eiszeit in der DEL zu bekommen und mich zu verbessern. Im dritten Jahr wurde Christof Kreutzer Trainer, und es ging steil bergauf - Play-offs, Champions League. Aber es geht ebenso schnell nach unten, das haben wir dann vergangene Saison gesehen. Die Liga ist so ausgeglichen, da kann man nicht mit einem Endspurt die Saison retten. Da muss man jedes Wochenende punkten. Aber Veränderungen in den anderen Bereichen sind ebenso groß: Auch in den Bereichen Gesellschafterstruktur und Geschäftsführung hat sich der Verein sehr positiv entwickelt.

Was hat sich negativ entwickelt?

Ebner Da fällt mir nichts ein, wenn ich zurückblicke, ehrlich nicht.

Was muss in dieser Saison besser werden? Ist die Mannschaft stärker?

Ebner Papier ist geduldig. Ob sie stärker ist, muss sich auf dem Eis zeigen. Es sind viele Kleinigkeiten, die wir verbessern müssen, weil sie am Ende entscheidend sind.

Beispiele?

Ebner Die Special-Teams in Über- und Unterzahl müssen besser funktionieren. Da ist sicherlich Luft nach oben. Aber auch, was die Konstanz betrifft. In der Liga muss man an jedem Wochenende punkten, wenn man die Play-offs erreichen will.

Fünf Jahre Düsseldorf - lohnt es sich zu bleiben?

Ebner Ich habe noch zwei Jahre einen Vertrag, und das bereue ich nicht. Düsseldorf ist überschaubar, das Eishockey hat hier Tradition, es ist eine Eishockeystadt, und das Umfeld stimmt. Ich habe mich jedenfalls gefreut, als ich die Jungs nach der Pause wiedergesehen habe.

Im Winter sind die Olympischen Spiele. Schwirren die im Kopf herum?

Ebner Ja, natürlich. Aber ich kann den Bundestrainer nur mit guten Leistungen überzeugen. Bei den nächsten Olympischen Spielen wäre ich schon 31 Jahre alt, wer weiß, was dann ist.

Sie haben die Wahl: Deutscher Meister oder Olympische Spiele?

Ebner (nach langem Überlegen) Mit Medaille? Dann nehme ich die Olympischen Spiele. Aber über die Meisterfeier auf dem Rathausplatz mit 10.000 Fans würde ich mich natürlich auch freuen. Und den Titel zu gewinnen, ist sogar schwieriger, weil man dafür eine ganze Saison lang als Mannschaft sehr viel investieren muss.

Ein Wunsch für die Saison?

Ebner Ich hoffe, dass ich verletzungsfrei bleibe, und nicht nur ich, auch der Rest der Rabauken.

 

Quelle: RP
 
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