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DEG
Wolfsburg – mehr als ein Underdog

Play-offs 2009: Die DEG-Helden
Play-offs 2009: Die DEG-Helden FOTO: ddp
Nun ist es raus: Durch den sechsten Rang in der Hauptrunde führt der Weg der DEG Metro Stars in Richtung DEL-Finale 2010 zunächst über die drittplatzierten Grizzly Adams Wolfsburg. Wir haben den Viertelfinalkontrahent der DEG einmal genauer unter die Lupe genommen. Von Benjamin Tonn

Aus sportlicher Sicht ist der Eishockeystandort Wolfsburg im Kommen: Nach dem Wiederaufstieg in der Saison 2006/07, überraschender Play-off-Qualifikation (Aus im Viertelfinale nach sechs Spielen gegen Hannover) und Pokaltriumph im Vorjahr schrieben die Grizzlies in der diesjährigen Hauptrunde die Erfolgsgeschichte weiter. Obwohl am letzten Spieltag im direkten Duell mit Frankfurt noch eine Position eingebüßt wurde: Platz drei und damit Heimrecht in den Play-offs, das hätten den Niedersachsen vor der Saison wohl nur die kühnsten Optimisten zugetraut.

Leistungsträger verkauft

Vor der Saison mussten die Grizzlies nämlich ihre Erfahrung mit den üblichen Mechanismen der DEL machen. In Top-Center Justin Papineau (Adler Mannheim) und Blueliner Marvin Degon (Eisbären Berlin) verlor Wolfsburg zwei absolute Leistungsträger an finanziell betuchtere Vereine.

Doch Sportdirektor Charly Fliegauf, für seine guten Griffe noch von seiner Zeit bei den Augsburger Panthern bekannt, zauberte mehr als adequaten Ersatz aus dem Hut. Ex-Adler Blake Sloan ist zwar nicht so torgefärlich wie Degon, mit seiner Erfahrung aber nicht aus der ersten Verteidigungsformation wegzudenken. Stürmer John Laliberte spürte Fliegauf in Dänemark auf. Der US-Amerikaner ist mit 57 Punkten (28 Tore, 29 Assists) der Topscorer der Grizzlies, der neuntbeste Punktesammler der DEL und wurde kürzlich von der Fachzeitschrift "Eishockey News" zurecht zum "Neuling des Jahres" gewählt.

Zwei torhungrige Sturmreihen

Laliberte bildet mit Olympia-Teilnehmer Kai Hospelt (41 Punkte) und Norm Milley (52 Punkte) die erste Sturmreihe. Die Formation um Sebastian Furchner (39 Punkte), den letztjährigen Hauptrunden-Topscorer Jason Ulmer (48 Punkte) und Ken Magowan (51 Punkte) steht dem Trio an Torgefahr allerdings nichts nach.

In der Defensive sorgen neben den Haudegen Sloan, Jan-Axel Alavaara und Paul Traynor zwei unbekümmerte Youngster für Furore. Der 20-Jährige Armin Wurm hat sich mit guten Leistungen enpfohlen und ist mittlerweile an Sloans Seite in der ersten Verteidigung zu finden. Auch Christopher Fischer hat erst 22 Jahre auf dem Buckel. Das vor der Saison aus Mannheim geholte Talent ist nicht nur fleißiger Vorlagengeber (19 Assists), sondern belegt mit +24 ligaweit in dieser Saison die zweite Position in der Plus/Minus-Wertung.

Zwischen den Pfosten hat Wolfsburg mit dem Ex-Düsseldorfer Jochen Reimer und Daniar Dshunussow zwei gleichwertige deutsche Goalies. Nachdem Reimer in der ersten Saisonhälfte mehr Eiszeit bekam, hatte Dshunussow zuletzt die Nase leicht vorn. Dshunussow hat mit 2,39 den niedrigsten Gegentor-Schnitt der Liga, mit 92,1% gehaltener Schüsse die drittbeste Fangquote. Reimer (GTS: 2,64, SV% 90,4) fehlte zudem am letzten Spieltag in Frankfurt erkrankt.

Defensive schwer zu knacken

Das Team von Coach Toni Krinner, der Wolfsburg im Sommer nach viereinhalb Jahren zu Nachbar Hannover verlassen wird, hat mit 192 erzielten Toren den viertbesten Angriff und mit 152 Gegentreffern die zweitbeste Verteidigung der Liga. In heimischer Eishalle konnten die Grizzlies 18 der 28 Spiele gewinnen, auswärts fuhren sie in 15 von 28 Fällen mit zwei oder drei Zählern vom Eis.

Viele Überzahl-Gelegenheiten wird die DEG gegen Wolfsburg vermutlich nicht erhalten. Die Grizzlies sind mit 13 Strafminuten im Schnitt das fairste Team der Liga, hat seine Stärken folgerichtig im Spiel fünf-gegen-fünf. Bei den Special Teams drückt der Schuh: Mit einer Quote von 17,71% haben die Niedersachsen nur die zehntbeste Bilanz mit einem Mann mehr auf dem Eis, im Unterzahlspiel brennt in 80,39% der Fälle (Platz elf) nichts an.

Ausgeglichene Bilanz

Alle vier Partien der Hauptrunde zwischen konnte jeweils der Gastgeber für sich entscheiden. Während die Spiele im ISS-Dome 0:4 und 1:5 verloren gingen, wurde die DEG in der heimischen Volksbank BraWo EisArena zweimal mit 3:1 heimgeschickt. Alle Matches fanden in der ersten Saisonhälfte statt, im Kalenderjahr 2010 werden am Dienstag, den 30. März um 19.30 Uhr im ersten Viertelfinale zum ersten Mal die Kellen gekreuzt.

Vielleicht auch mal vor etwas volleren Rängen. Die Zuschauerzahl ist in der Fußball-Stadt Wolfsburg nämlich die Achillesferse. Mit 2468 Besuchern im Schnitt ist die 4503 Zuschauer fassende Eishalle meist spärlich besetzt. Ligaminuswert.

 
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