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Ashton Rome
Der Seuchenvogel der DEL

Ashton Rome: Der Seuchenvogel der DEL
FOTO: Foto: Horstmüller / Grafik: Zörner
Düsseldorf. Ob bei der Düsseldorfer EG oder den Schwenninger Wild Wings - wo immer Ashton Rome in der Deutschen Eishockey-Liga anheuert, ist der Klub des Torjägers am Saisonende Letzter. Jetzt spielt er bei den Iserlohn Roosters, dem DEL-Schlusslicht. Von Thomas Schulze

Der Duden kennt den Begriff "Seuchenvogel" nicht. Dabei ist der durchaus weit verbreitet. Die "Seuche" immerhin kennt der Duden als ansteckende Krankheit. Ein Seuchenvogel ist demnach umgangssprachlich einer, der den Misserfolg mit sich bringt.

Und nein, der Seuchenvogel ist nicht erst seit Februar 2011 bekannt. Damals erlangte er allerdings größte Popularität, weil Jürgen Klopp einen Reporter des SWR vor laufender Kamera so bezeichnete. Hintergrund des Wutausbruchs: Klopp hatte weder als Spieler und noch als Trainer eine Partie gewonnen, wenn dieser Reporter für den Sender im Einsatz war.

In der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gibt es aktuell auch eine Art Seuchenvogel: Ashton Rome. Der hat sich nämlich in den vergangenen Jahren zum Garanten auf die rote Laterne gemausert. In der DEL gibt es derzeit zwar keinen Abstieg. was für die Vereine beruhigend sein mag, doch Schlusslicht ist auch dort niemand gerne. Zwei Jahre lang war Rome zunächst mit der Düsseldorfer EG Tabellenletzter (2013 und 2014), dann mit den Schwenninger Wild Wings (2015 und 2016). Im Sommer wechselte er zu den Iserlohn Roosters, die die vergangene Saison als Tabellendritter beendet hatten - sie sind jetzt Letzter.

"Ich will nicht wieder Letzter werden"

Natürlich leidet der 30 Jahre alte Torjäger darunter, dass es mit seinen Mannschaften verlässlich abwärts geht. Und er versucht auch verzweifelt, dieser Entwicklung zu entkommen. In Düsseldorf war sein Vertrag eigentlich bis 2015 gelaufen, doch bat Rome im Frühjahr 2014 entnervt um die Auflösung. Zur Begründung sagte er, er sei nicht damit einverstanden, dass Torhüter Bobby Goepfert bleibe. Das war auch tatsächlich ein Grund, denn die beiden wohnten nebeneinander, aber sie konnten nicht miteinander - weder die Frauen, noch die Männer. Den großstädtischen, lockeren Amerikaner Goepfert und den netten, konservativen Kanadier Rome, der das Landleben und die Familie liebt, trennten emotional Welten. "Eine große Farm und Trecker fahren", bezeichnete Rome als seinen Traum. Den wahren Grund für die Bitte um Vertragsauflösung versteckte Rome allerdings hinter der Personalie Goepfert. "Ich will nicht wieder Letzter werden", sagt er.

Der Verwirklichung seines Traums vom ruhigen Leben war er in Schwenningen zumindest ein kleines Stück näher gekommen. Im Schwarzwald geht es ja schon ruhiger zu. Doch was die sportliche Situation anbelangt, so erlebte Rome das nächste Desaster: Erneut war das Team mit ihm zwei Jahre hintereinander Letzter. Bereits im Winter verkündete er seinen Abschied und unterschrieb bei einem Verein, der sich in den vergangenen Jahren prima entwickelt hat und am Saisonende der Saison Dritter war - den Iserlohn Roosters. Da kann nichts schiefgehen, dachte sich Rome wohl. Aber nach sieben Spieltagen sind die Sauerländer völlig überraschend was? Richtig, das Schlusslicht der Liga.

Ist Ashton Rome also ein Seuchenvogel? Einer, der den Misserfolg, das Unglück anzieht? "Ich glaube nicht, dass Iserlohn am Saisonende Letzter ist", sagt Christof Kreutzer, Trainer der Düsseldorfer EG. "Und es liegt doch nie an einem Spieler. Da tragen alle Verantwortung." An den sportlichen Qualitäten Romes liegt es ohnehin nicht. Schließlich war er zwei Mal im NHL-Draft und spielte dort in der zweithöchsten Liga. "Er kann Hockey spielen, hat einen guten Schuss und kann Tore machen", sagt Kreutzer. Möglicherweise ist aber genau dies ein Merkmal des Seuchenvogels - dass er überhaupt nicht direkt oder aktiv an dem Unheil beteiligt ist, das in seiner Umgebung geschieht. Aber er ist eben immer dabei.

Vielleicht sollte Rome sein Leid mal Darlington Omodiagbe klagen. Der Nigerianer ist mit sechs verschiedenen Vereinen abgestiegen - mit Gütersloh (1999), Unterhaching (2007), Jena (2008), Osnabrück (2009), Ahlen (2010) jeweils aus der zweiten Fußball-Bundesliga und Burghausen (2011) aus 3. Liga. Ein echter Seuchenvogel.

Quelle: RP
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