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Fan-Initiative will aufrütteln
Deutschland trauert um sein Eishockey

Fan-Initiative will aufrütteln: Deutschland trauert um sein Eishockey
Fans wehren sich gegen den Qualitätsverlust in der DEL. FOTO: screenshot www.spieltag58.de
Düsseldorf (RPO). Die Olympischen Spiele in Vancouver sind Geschichte, Eishockey-Deutschland ist im Alltag zurück. Den Sympathisanten der schnellsten Mannschaftssportart der Welt wurden die Mängel der Deutschen Eishockey Liga (DEL) unmittelbar unter die Nase gehalten. Statt knallharter Action bekommen die Besucher der 15 Spielstätten meist lustloses Larifari-Eishockey geboten. Eine Fan-Initiative will nun mit einer Aktion aufrütteln. Von Benjamin Tonn

54. Spieltag, Sonntagabend, 18:30 Uhr. Der ISS-Dome in Düsseldorf ist mit über 10.000 Zuschauern gut gefüllt. Schließlich gibt der deutsche Meister Berlin seine Visitenkarte ab, zudem lockt ein namhafter Sponsor mit Discounter-Angeboten und attraktiven Preisen. Das Spiel ist für DEL-Verhältnisse recht ansehnlich. Klar, ist es doch ein Spitzenspiel.

Play-offs stehen vor der Tür

Wie Düsseldorf konnten sich auch die Gastgeber der weiteren sechs Sonntagsspiele über einen ordentlichen Besuch freuen – schließlich geht die Saison in die heiße Phase, die Play-offs stehen vor der Tür. Doch dem 54. Spieltag gingen 53 (teils trostlose) Runden voraus.

Die Realität sieht nämlich anders aus. Die DEL leidet an Zuschauerschwund, wie das neueste Beispiel Kölner Haie zeigt, ist die Existenz mehrerer Standorte über kurz oder lang akut bedroht. Wo in der Saison 2007/08 noch 12.317 Fans im Schnitt ihren Haien zujubelten, sind es heute nur noch 10.073 pro Spiel. Nicht viel anders sieht es in Hamburg bei den Freezers aus (von 8834 auf 7011). Allein auf den sportlichen Misserfolg kann die Tatsache nicht geschoben werden: Vor zwei Jahren erreichte die DEG vor im Durchschnitt 6364 Fans mit Ach und Krach die Pre-Play-offs, dieses Jahr strömten nur 5753 Besucher zum Spitzenteam vom Rhein.

Zu viele Spiele, kein sportlicher Abstieg

Die Probleme sind hausgemacht. Durch die nervige Doppelrunde hat jeder der 15 Klubs ein Programm von 56 Partien zu bewältigen. Durch die hohe Anzahl wird jedes einzelne Spiel entwertet, eine Niederlage kann in 55 weiteren Versuchen ausgemerzt werden. Die Zuschauer bleiben oft weg, picken sich nur noch die Rosinen unter den Begegnungen heraus. 

Hinzu kommt, dass selbst der Zehnte der Liga die Chance erhält, sich über den Umweg Pre-Play-offs für die Meisterrunde zu qualifizieren. Einen sportlichen Abstieg gibt es nicht, potentielle Nachrücker aus der zweiten deutschen Spielklasse, die den hohen Anforderungen der DEL genügen, sind sowieso Mangelware. Für den Einsatz der Spieler ist das nicht gerade förderlich.

Und wenn der Einsatz dann doch einmal stimmt, greifen die "Sheriffs" in den schwarz-weiß gestreiften Hemden entscheidend in den Spielverlauf ein, ahnden jegliche Form des körperbetonten Spiels. Akteure finden sich nach regelkonformen Checks in der Kühlbox wieder, harmlose Rangeleien werden teilweise mit harten Strafen geahndet.

Die Initiative "spieltag58" funkt deshalb jetzt SOS. Provokativ, mit einer Todesanzeigen im Namen aller deutscher Eishockeyfans, versucht sie auf die Missstände aufmerksam zu machen. "In ewiger Dankbarkeit nehmen wir Abschied von unserem Hobby, unserem Lichtblick in düsterer Stunde, unserer Leidenschaft. Du wirst mir fehlen, danke für die schöne Zeit", wird dem Eishockey auf der Homepage http://www.spieltag58.de/ kondoliert. 

Eishockey soll auferstehen

Ein soll ein Wachrütteln, kein Abgesang sein. "Es ist an der Zeit ein Zeichen zu setzen," verkündet die Initiatorin Chantalle Alberstadt, die aus dem Fanlager der Adler Mannheim stammt. Am 16. März, an einem der unbeliebten und gewohnt karg besuchten Dienstage, werden alle Besucher gebeten, in schwarzer Kleidung zu erscheinen. Auch eine Schweigeminute nach dem ersten Bully ist angedacht. Die DEG soll dann am Mittwoch mit dem Heimspiel gegen Hannover nachziehen.

In mehreren Fan-Foren wird die geplante Protestaktion bereits heiß diskutiert. Es bleibt abzuwarten, wie die Pläne angenommen werden, denn die Probleme sind nicht neu. Vielleicht beschleunigt sie die Haltung der Ligaführung, dass ein Umdenken einsetzen muss.

"Eishockey sollte für die Fans "gemacht" werden - nicht die Fans fürs Eishockey", ist der Wunsch der Aktion. Das viel beschworene Vorhaben der DEL-Bosse, das Eishockey durch Verbannung jeglicher Härte familienfreundlich zu machen, geht auf die Kosten der Vereine, der Attraktivität und schließlich der Liga, wenn Aushängeschilder wie die Kölner Haie von der Landkarte verschwinden. Familienfreundlichkeit darf nämlich nicht mit Langeweile verwechselt werden.

 
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