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DEL-Klubs im Finanz-Dilemma
Am Tropf der Gesellschafter

Düsseldorfer EG versucht, wirtschaftlich unabhängiger zu werden
Die Einnahmen aus der TV-Vermarktung und die Einnahmen durch Sponsoren und Zuschauer reichen den DEL-Klubs nicht. FOTO: dpa
Düsseldorf. Die Klubs der Deutschen Eishockey Liga arbeiten nicht kostendeckend. Das Minus am Saisonende stellen die Klubbesitzer glatt. Verlieren sie die Lust, ist das Aus programmiert wie zuletzt im Fall der Hamburg Freezers. Von Thomas Schulze

Die Gründung der Deutschen Eishockey Liga vor 22 Jahren war vor allem den wirtschaftlichen Turbulenzen geschuldet. Mit schöner Regelmäßigkeit waren Vereine überschuldet, mussten den Spielbetrieb einstellen, oder ihnen wurde die Lizenz verweigert. Deshalb schmiedeten führende Köpfe, darunter Franz Reindl, heute Präsident des Deutschen Eishockey Bundes, einen Plan, der sich an der nordamerikanischen Liga (NHL) orientierte. Demnach sollten die Vereine ihre Profiabteilung in Kapitalgesellschaften ausgliedern, deren Anteile von Gesellschaftern gehalten werden. Diese sollten den Klubs wirtschaftliche Stabilität und Unabhängigkeit verleihen. 2006 wurden Auf- und Abstieg abgeschafft, so dass die Gesellschafter von sportlicher Seite eine Planungssicherheit hatten.

Obwohl es in der Fußball-Bundesliga weiterhin Auf- und Abstieg gibt, hat das Wirtschaftsmodell auch hier Einzug gehalten. RB Leipzig mit Red Bull ist die sicherlich krasseste Form, Hoffenheim mit SAP eine weichere Variante. Aber auch bei Bayern München haben längst die Konzerne Allianz, Adidas und Audi Anteile erworben.

Fragen und Antworten zum Aus der Hamburg Freezers

Wird das Engagement der Investoren oft noch skeptisch betrachtet, so ist es im Ausland längst an der Tagesordnung. Dort gibt es keine deckelnden Reglements wie die 50+1-Regel in der Fußball-Bundesliga, sondern die Geldgeber haben sämtliche Freiheiten. Entsprechend pumpen sie in England, Spanien oder Russland hunderte Millionen Euro in den Markt. Das ist nicht ohne Risiko für Investoren und Klubs, wie jüngst im Eishockey das Beispiel Hamburg Freezers zeigt.

Bei allen Erfolgen der DEL ist das Konzept nur teilweise aufgegangen. Nur sechs der 18 Gründungsklubs (insgesamt spielten 31 in der DEL) sind bis heute ständig dabei: Krefeld, Köln, Eisbären Berlin, Mannheim, Nürnberg, Augsburg. 17 Klubs sind zweitklassig oder existieren längst nicht mehr - zum Beispiel Ratinger Löwen, der Nachfolgeklub Revier Löwen oder München Barons, der Meister aus dem Jahr 2000.

Rettung der Freezers gescheitert

Nun haben sich die Hamburg Freezers nach 14-jähriger Zugehörigkeit verabschiedet. Der nordamerikanische Besitzer Anschutz Entertainment Group (AEG), dem auch die Eisbären Berlin gehören, beantragte keine Lizenz. Auch die große Spenden- und Sympathiewelle konnte die AEG nicht mehr umstimmen. So hatten Freezers-Kapitän Christoph Schubert und sein Retter-Team um den Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste rund 1,2 Millionen Euro gesammelt. "Wir hatten nie eine wirkliche Chance", schrieb Fürste bei Facebook.

So bitter das Aus für Hamburg und die Liga auch ist, so sind die Gründe durchaus nachvollziehbar. Die AEG hatte von 1999 bis 2002 zunächst versucht, einen Eishockeyklub in München zu installieren. Weil die wirtschaftlichen Erwartungen trotz des Titelgewinns 2000 nicht erfüllt wurden, zog der Klub nach Hamburg, um der Sportart in der Hansestadt zu Popularität zu verhelfen und die Freezers zu einer festen Größe zu machen. Das ist zwar sportlich gelungen, doch die wirtschaftlichen Opfer waren groß. Rund 2,5 Millionen Euro soll das Defizit alljährlich betragen haben. "In Anbetracht der Tatsache, dass wir in den vergangenen 14 Jahren alle Verluste geschultert haben, sind wir nicht weiter bereit, Verluste dieser Größenordnung auszugleichen", heißt es in einer Pressemitteilung von AEG-Präsident Tom Miserendino. Fünf Jahre lang hat AEG versucht, die Lizenz zu veräußern, ehe die Reißleine gezogen wurde.

Klubs arbeiten nicht kostendeckend

Das Schicksal der Hamburger hat zuvor bereits andere Vereine ereilt, und es kann auch künftig den Klubs widerfahren. Der Düsseldorfer EG ist es - zumindest vorerst - erspart geblieben, weil die Metro vor drei Jahren rechtzeitig ihren Ausstieg bekanntgegeben hatte. Die Folgen waren dennoch drastisch. Zwei Jahre lang spielte der Klub mit einem radikal gekürzten Etat und einer nicht wettbewerbsfähigen Mannschaft. Und auch vor wenigen Wochen hatte sich die Situation zugespitzt, als die Gesellschafter zerstritten waren. Erst als Mikhail Ponomarev ausstieg und Stephan Hoberg dessen Anteile übernahm, war die Zukunft gesichert - zumindest für die nächsten drei Jahre. Diese Zeit wird dem Verein von den Gesellschaftern gewährt, um sich neu aufzustellen.

In Düsseldorf - wie bei allen anderen DEL-Klubs - wird nicht kostendeckend gearbeitet. Die Etats liegen zwischen 12,5 Millionen Euro in München und fünf Millionen Euro in Augsburg. Die Einnahmen aus der TV-Vermarktung (285.000 Euro) sind gering, die Einnahmen durch Sponsoren und Zuschauer reichen nicht. Das Minus stellen die Gesellschafter am Saisonende glatt. Ist es wie in Hamburg zu groß und steigen der oder die Gesellschafter aus, bedeutet es das Aus. Die DEG versucht, wirtschaftlich unabhängiger zu werden. Der Klub will nicht länger allein auf die Gesellschafter oder einen großen Sponsor vertrauen, sondern mit Hilfe vieler Investoren und Partner das Defizit verringern, damit der Ausstieg eines Gesellschafters nicht zum Aus führt.

Für Hamburg ist das Ende der Freezers ein weiterer Schlag nach dem Aus der Olympia-Bewerbung und der Insolvenz der HSV-Handballer. Die von AEG betriebene Arena hat rund 40 Termine mehr frei, 20 Angestellte der Freezers stehen auf der Straße, und auch die in den vergangenen Jahren intensiv betriebene Nachwuchsarbeit ist gefährdet. Die DEL geht derweil zur Tagesordnung über. Ihr sollen weiter 14 Klubs angehören. Alles deutet darauf hin, dass Bremerhaven den Platz der Hamburger einnimmt.

Quelle: RP
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