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Iserlohn Roosters in der Kritik
"Kanadische Nationalmannschaft" mischt die DEL auf

Iserlohn Roosters in der Kritik: "Kanadische Nationalmannschaft" mischt die DEL auf
Moritz Müller äußerte lautstarke Kritik an der Transferpolitik von Iserlohn. FOTO: american-sports.info
Spätestens nach dem Motz-Anfall von Kölns Kapitän Moritz Müller gegen Iserlohn vor laufender Kamera ist die Einbürgerungs-Problematik in der DEL ein großes Thema.

Moritz Müller war geladen. Der Kapitän der Kölner Haie hatte sich auf dem Eis gerade einen Faustkampf geliefert, außerdem wurden er und seine Mitspieler von den Iserlohn Roosters gerade böse vorgeführt. Der Frust musste raus, also motzte der Eishockeyspieler vor laufender Kamera gegen die Roosters und machte damit die hinter den Kulissen längst schwelende Diskussion über Iserlohns Einbürgerungs-Taktik öffentlich.

Bei den Roosters spiele eine "kanadische 1c-Nationalmannschaft", die Deutsche Eishockey Liga (DEL) "soll mal genug Arsch in der Hose haben und nachfragen, wie das funktioniert mit den Pässen in Iserlohn", schimpfte Müller in der zweiten Drittelpause bei ServusTV.

Einen Tag nach der 1:6-Pleite in Iserlohn entschuldigte sich der Kölner Verteidiger zwar für den Zeitpunkt der Kritik, nicht jedoch für den Inhalt. "Ich sehe ein, dass der Zeitpunkt nicht der richtige war, um ein solches Thema aufzumachen", schrieb Müller auf seiner Facebook-Seite. Er ergänzte jedoch: "Das Thema Ausländerreduzierung bleibt etwas, womit sich Eishockeydeutschland auseinandersetzen muss, damit wieder junge Jahrgänge in die Liga kommen."

 

Um das Thema gestern von meiner Seite abzuschließen. Ich sehe ein, dass der Zeitpunkt gestern nicht der richtige war, um...

Posted by Moritz Müller on  Montag, 11. Januar 2016

Müllers emotionaler Ausbruch ist im Internet unter Eishockeyfans ein YouTube-Hit, die Kommentare sind gespalten. Auch aus der Liga gibt es Pro und Contra. "Allerhöchsten Respekt, Moritz Müller", twitterte zum Beispiel Christoph Schubert von den Hamburg Freezers. Iserlohns geschäftsführender Gesellschafter Wolfgang Brück wehrt sich: "Mancher schiebt uns in die Schmuddelecke, doch niemand soll denken, dass wir nicht getreu der Gesetzeslage handeln."

Fakt ist: Iserlohns Höhenflug auf den zweiten Tabellenplatz ist zum großen Teil Spielern zu verdanken, die nicht in Deutschland geboren sind. Im Team stehen aktuell elf eingebürgerte Profis unter Vertrag, die meisten von ihnen sind Deutsch-Kanadier. Nur vier Iserlohner erlernten in Deutschland das Eishockeyspielen. Hinzu kommen zehn Profis, die mit Ausländerlizenzen ausgestattet sind.

Indem Iserlohn gezielt Spieler aus dem Ausland unter Vertrag nimmt, die bereits einen deutschen Pass besitzen oder ihn aufgrund deutscher Wurzeln beantragen, umgeht der Klub legal die Ausländerbegrenzung in der DEL, nach der maximal neun Spieler ohne deutschen Pass auflaufen dürfen. "Rein rechtlich ist die Sache eindeutig: Wir haben gar keinen Handlungsspielraum", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke der Fachzeitschrift Eishockey-News.

Die Iserlohner, die mit einem Mini-Etat derzeit Großklubs wie die Adler Mannheim, Red Bull München oder die Kölner Haie hinter sich lassen, finden die Kritik scheinheilig. "Andere Klubs verpflichten die Spieler, die wir nach Deutschland geholt haben, diese Vereine werden aber nicht kritisiert. Diese Doppelmoral ärgert mich", sagte Klubchef Brück.

Auch den Vorwurf, die Roosters würden mit ihrer Strategie den Aufschwung des Nationalteams behindern, weist der Verein von sich. Dass der in Kanada geborene Stürmer Brooks Macek beim Deutschland-Cup sein Debüt in der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) gefeiert hat, sei ein gutes Gegenargument. Auch der Deutsch-Kanadier Brent Raedeke, der vor der Saison nach Mannheim gewechselt ist, wurde von Iserlohn entdeckt und trägt inzwischen ebenfalls das DEB-Trikot mit dem Adler auf der Brust.

Der Aufschrei beim DEB hält sich daher in Grenzen, Nationalspieler mit ausländischen Wurzeln gab es ohnehin seit jeher. "Spieler, die per Gesetz einen deutschen Pass erhalten, sind genauso Deutsche wie alle anderen auch", sagte DEB-Präsident Franz Reindl. Der Königsweg sei das aber nicht: "Wir versuchen, unsere Nationalspieler selbst im Nachwuchs auszubilden."

(sid)
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