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Eishockey-Nationalmannschaft
Marco Sturm bootet Christof Kreutzer aus

Porträt: Marco Sturm: Vom NHL-Star zum Bundestrainer
Porträt: Marco Sturm: Vom NHL-Star zum Bundestrainer FOTO: dpa, dna nic
Düsseldorf. Der Bundestrainer verzichtet bei der Weltmeisterschaft auf den Düsseldorfer als Co-Trainer. Dessen Assistenten Tobias Abstreiter nimmt er als Videoanalytiker ins deutsche Trainer-Team. Von Thomas Schulze

Christof Kreutzer hat es in diesen Tagen schwer. Der Trainer der Düsseldorfer EG ist mit seiner Mannschaft im Play-off-Viertelfinale an Wolfsburg gescheitert. Während München, Köln, Nürnberg und Wolfsburg um die Eishockey-Meisterschaft kämpfen, muss er zuschauen. Das fällt ihm schwer, daran hat er zu knabbern.

Doch das ist nicht der einzige Tiefschlag, den er zuletzt zu verdauen hatte. In einem Telefonat teilte ihm der neue Bundestrainer Marco Sturm mit, dass er auf Kreutzer bei der Weltmeisterschaftschaft, die vom 6. bis zum 22. Mai in Russland ausgetragen wird, verzichten wird. Noch bei seinem Debüt als Bundestrainer hatte Sturm Ende des Jahres beim Deutschland-Cup den Düsseldorfer zu seinem Assistenten ernannt.

"Das ist Marcos Entscheidung", bestätigt Kreutzer, der von der Deutschen Eishockey Liga Mitte März zum "Trainer des Jahres" gewählt worden ist, das entsprechende Telefonat und gibt sich gelassen. "Ich brauche viel Zeit für die DEG. Schließlich habe ich viel Arbeit, und teilen kann ich mich nicht. Die Entscheidung ist richtig für alle Beteiligten."

Bilder: Christof Kreutzer: Trainer und Urgestein FOTO: Laci Perenyi

Marco Sturm hat seine Entscheidung aber auch begründet. Er sehe nicht nur die Weltmeisterschaft, sondern habe auch bereits die Olympia-Qualifikation im Blick, die vom 1. bis 4. September in Lettland ausgetragen wird. Zu dieser Zeit könne Kreutzer der DEG jedoch unmöglich den Rücken kehren. "Wenige Tage vor dem Saisonauftakt muss ich bei der Mannschaft sein", sagt er. "Da hätte ich Marco unmöglich helfen können." Sturm will aber nicht bei jeder Länderspielreise ein anderes Trainer-Team um sich scharen. Wen er nominiert, ist ungewiss.

Zwei Düsseldorfer im Kader

Zwei Düsseldorfer gehören dennoch zu Sturms Team. Tobias Abstreiter, Assistent von Kreutzer bei der DEG, wird wie bereits beim Deutschland-Cup als Videoanalytiker im Dienste der Nationalmannschaft stehen. Zudem wird auch Torwarttrainer Michael Elmer zu beiden Turnieren reisen.

Marco Sturm verabschiedet sich in Landshut FOTO: dpa, awe soe

Kreutzer verbirgt seine Enttäuschung nicht vollends. "Natürlich hätte die Aufgabe gereizt", sagt er. "Aber man muss realistisch sein und sehen, was geht und was nicht, was richtig ist und was falsch." Der Kopf sagt, die Entscheidung ist richtig, trotzdem schmerzt sie.

Der neue Bundestrainer Marco Sturm soll eine neue Ära im deutschen Eishockey einleiten. Das ist dringend notwendig, denn die Nationalmannschaft ist auf Rang 13 der Welt abgerutscht. Fünf Jahre ist es inzwischen her, dass die Mannschaft im Viertelfinale einer Weltmeisterschaft stand. Noch schlimmer traf den Deutschen Eishockey Bund (DEB), dass das Aushängeschild sich 2014 erstmals nicht für die Olympischen Winterspiele qualifizieren konnte.

DEB-Präsident Franz Reindl hat auf das desaströse Abschneiden vor einem Jahr reagiert. Im finanziellen, sportlichen und personellen Bereich wurden gravierende Veränderungen vorgenommen. Kernstück ist die Nachwuchsförderung, die der Verband nicht nur intensivieren will, sondern für die er auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen geschaffen hat. 980.000 Euro stehen jährlich zur Verfügung, 400.000 Euro mehr als bislang. "Powerplay 2026" heißt das Konzept, fünf Bundesnachwuchstrainer kümmern sich das ganze Jahr um die Talente. In den nächsten zehn Jahren soll die Nationalmannschaft mit Hilfe des Konzepts in die Weltspitze geführt werden - Zukunftsmusik.

Die Gegenwart ist nicht mehr ganz so trist wie vor Jahresfrist - dank Hoffnungsträger Marco Sturm. Der 37 Jahre alte, frühere Weltklassespieler, der über 1000 NHL-Spiele absolviert hat, gilt aufgrund seiner beeindruckenden Karriere als sportliche Autorität.

Um das erste Ziel zu erreichen, bedarf es einiger Überzeugungskraft, damit die eingeladenen Spieler dem Ruf auch folgen. Vor einem Jahr hatte es noch zahlreiche Absagen gegeben. Im zweiten Schritt trifft das deutsche Team bei der Weltmeisterschaft in der Gruppe A auf Kanada, Finnland, USA, Slowakei, Weißrussland, Frankreich und Ungarn. Im dritten Schritt kämpft die Mannschaft um die Olympia-Qualifikation gegen Lettland, Österreich und Japan. 2017 steht dann die Weltmeisterschaft in Köln und Paris an. Ein spannendes Jahr.

Quelle: RP
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