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Olympia-Quali
Eishockey-Trainer Sturm unter Druck

Porträt: Marco Sturm: Vom NHL-Star zum Bundestrainer
Porträt: Marco Sturm: Vom NHL-Star zum Bundestrainer FOTO: dpa, dna nic
Düsseldorf. Die deutsche Nationalmannschaft kämpft um das Ticket zu den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea. In Riga muss sich das Team gegen Japan, Österreich und Gastgeber Lettland durchsetzen. Von Thomas Schulze

Es ist noch keine zwei Jahre her, dass das deutsche Eishockey in Trümmern lag. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) war zerstritten und der Insolvenz nahe, als Franz Reindl im Sommer 2014 den Machtkampf für sich entschied und DEB-Präsident wurde. Die Nationalmannschaft hatte erstmals die Olympia-Qualifikation verpasst und bei der Weltmeisterschaft den 14. Platz belegt - ein Desaster.

"Die anderen Nationen lachen sich doch über uns kaputt: Wir mit unseren 80 Millionen Einwohnern, als Organisationstalente, schaffen es nicht, konkurrenzfähig zu sein", sagte Reindl nach seiner Wahl und formulierte klare Ziele. "Die größte Baustelle ist, das Wirtschaftliche in den Griff zu bekommen." Dem DEB-Präsident gelang das Kunststück, die Deutsche Eishockey Liga (DEL) wieder in den Verband zu integrieren und den finanziellen Kollaps abzuwenden. Zugleich entwarf er ein sportliches Konzept, das den Verband innerhalb von zwölf Jahren der Weltspitze nahe bringen soll: Powerplay 2026.

Auf dem Weg dorthin ist der oberste Funktionär ein gutes Stück vorangekommen, weil er personell wichtige Weichenstellungen vorgenommen hat. Vor einem Jahr wurde Marco Sturm Bundestrainer und Generalmanager. Sein Auftrag ist klar: Er soll das deutsche Eishockey wieder nach oben führen.

Den ersten Schritt hat das Team bei der Weltmeisterschaft in Russland im Mai gemacht. Erstmals seit 2011 erreichte Deutschland wieder das Viertelfinale, in dem es gegen Gastgeber Russland (1:4) allerdings chancenlos war. Der zweite Schritt soll jetzt bei der Olympia-Qualifikation in Riga folgen. Sie ist aus Sicht des Verbandes sogar noch wichtiger als die WM. Wenn Deutschland ein zweites Mal bei den Olympischen Spielen fehlen würde, so käme dies nicht nur einer sportlichen Katastrophe gleich, sondern hätte gravierende Auswirkungen. Der Imageschaden in Deutschland wäre für die schnellste Mannschaftssportart der Welt enorm, zudem müsste der Verband um Fördergelder bangen, was wiederum auf das Konzept Powerplay 2026 durchschlagen würde, in dessen Zentrum die Nachwuchsförderung steht.

Wie wichtig Reindl die Olympia-Qualifikation ist, zeigt auch die Tatsache, dass sich der bis Sommer 2017 laufende Vertrag von Bundestrainer Marco Sturm im Erfolgsfall um ein Jahr verlängert. Und die Chancen stehen gut, denn die Aufgaben sind lösbar. In Lettland trifft Deutschland auf Japan, Österreich und auf die Gastgeber. Nur der Sieger ist für die Winterspiele 2018 im südkoreanischen Pyeongchang qualifiziert. "Gegen Japan darf eigentlich nichts schief gehen", sagt Tobias Abstreiter. Der Düsseldorfer fungiert erneut als Sturms Co-Trainer. "Gegen Österreich und Lettland müssen wir konzentriert spielen. Wir wollen uns qualifizieren, und mit der Einstellung geht jeder in die Spiele", erklärt der Assistent des Cheftrainers

Weil die Aufgabe derart wichtig für das deutsche Eishockey ist, hat Sturm sieben Spieler aus der NHL im Aufgebot. Hinter dem Einsatz von Dennis Seidenberg steht allerdings noch ein Fragezeichen. Der Verteidiger hat Probleme mit der Wadenmuskulatur. Erst nach der heutigen Trainingseinheit wird sich entscheiden, ob er spielen kann. "Wenn Zweifel bestehen, macht es keinen Sinn", sagt Marco Sturm, der heute Abend noch zwei Spieler aus dem Aufgebot streichen muss.

Zwei Testspiele hat das Team vor dem Abflug nach Riga bestritten. Frankreich wurde mit 4:0 besiegt, gegen Weißrussland folgte nach verschlafenem Anfangsdrittel eine 2:3-Niederlage. "Das war ein kleiner Warnschuss", sagt Abstreiter. "In der Olympia-Quali dürfen wir keine Auszeit nehmen, sonst kann es das gewesen sein." Doch nach geglückter Qualifikation soll im Mai 2017 der dritte wichtige Schritt auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft folgen - die Weltmeisterschaft im eigenen Land. Sie soll dem Eishockey in Deutschland weiteren Auftrieb verleihen.

Quelle: RP
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