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"Ist das Schlimmste für mich"
Sturm streicht vier Spieler aus dem erweiterten WM-Kader

Porträt: Marco Sturm: Vom NHL-Star zum Bundestrainer
Porträt: Marco Sturm: Vom NHL-Star zum Bundestrainer FOTO: dpa, dna nic
NHL-Profi Tobias Rieder hat der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft Schwung verliehen. Bundestrainer Marco Sturm erwartet in Leon Draisaitl weiteren Zuwachs aus Nordamerika, strich aber auch die ersten Spieler aus dem Kader.

Marco Sturm graute es richtig vor seiner ersten Streichrunde. "Es ist das Schlimmste für mich, wenn ich einigen Spieler absagen muss", sagte der Eishockey-Bundestrainer nach dem 3:2-Überraschungscoup in Landshut gegen Schweden: "Sie sind wie meine Kinder, das sind alles gute Kerle. Es tut mir weh."

Am Montag setzte der frühere NHL-Profi den Rotstift an und strich einen Verteidiger sowie drei Stürmer aus dem erweiterten WM-Kader, Namen wurden zunächst nicht bekannt gegeben. So schwer ihm die Entscheidung auch fiel, der 37-Jährige handelte aus Überzeugung. "Ich muss an die Mannschaft denken", sagte er.

Diese Mannschaft hatte ihm zuvor Freude bereitet mit einer bemerkenswerten Energieleistung gegen die favorisierten Skandinavier. Einen zwischenzeitlichen 0:2-Rückstand drehte die DEB-Auswahl noch in einen Sieg nach Penaltyschießen. "Egal, ob Vorbereitung oder WM, so ein Sieg ist immer toll", sagte Schweden-Legionär Felix Schütz.

Verstärkung aus der NHL

Gerade weil es einer der ganz seltenen Triumphe gegen den neunmaligen Weltmeister war, der sein Gesicht aber bis zum WM-Turnier in Russland (6. bis 22. Mai) noch deutlich verändern dürfte. Doch auch das Team des Deutschen Eishockey-Bundes, dem die Verstärkung mit NHL-Profi Tobias Rieder (Arizona Coyotes) spürbar gut getan hatte, erwartet noch Zuwachs.

Am Mittwoch, wenn der DEB-Tross nach Lettland zu den beiden Testspielen in Riga (22./23. April) aufbricht, ist neben Nürnbergs Kapitän Patrick Reimer auch NHL-Jungstar Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) mit an Bord. "Wenn ein Rieder und ein Draisaitl in die Mannschaft kommen, dann ändert sich der Kader enorm, das hebt das gesamte Niveau", sagte Sturm.

Sorgen machen dem DEB-Coach eigentlich nur die wieder einmal zahlreichen Verletzungsabsagen, die besonders die Verteidigung schwächen. So ist nun auch die WM-Teilnahme von Justin Krueger höchst fraglich, der mit dem SC Bern kürzlich Schweizer Meister geworden war. "Wir müssen die nächsten zehn Tage abwarten", sagte Sturm. Krueger wäre bereits der zwölfte Ausfall.

Grundsätzlich ist der DEB-Coach aber mit der Formentwicklung einverstanden, zumal nach dem 1:3 vom Samstag in Rosenheim eine deutliche Steigerung in Landshut zu sehen war. "Wir sind eine Stufe weiter gekommen", sagte Sturm, der sich besonders angetan zeigte vom Auftritt seines bisher einzigen Nordamerika-Legionärs Rieder: "Man sieht an seiner ganzen Art, wie wichtig er ist. Er macht fast alles richtig, wir werden noch viel Freude an ihm haben."

Ein bisschen hatte der 23-Jährige gebraucht, um ins Spiel zu finden. "Schwere Beine", sagte er. Dann aber deutete Rieder in seiner Heimatstadt an, welche Qualitätsschub er dem deutschen Team bringen könnte. "Tobi ist ein super Einzelspieler", lobte Kapitän Marcel Goc, der am Sonntag den entscheidenden Penalty verwandelte.

Aber es war natürlich auch nicht alles gut beim Schweden-Doppelpack. Manchmal agierte Sturms Mannschaft defensiv kopflos und nur die beiden starken Torhüter Mathias Niederberger und Timo Pielmeier hielten in diesen Phasen die Spiele offen. "Wenn nicht jeder seine Rolle ausfüllt, kommen wir ins Schwimmen", sagte Goc dazu. Rieder ist aber sicher, dass auch diese Probleme gelöst werden: "Es geht nur noch nach vorn, nicht zurück."

(sid)
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