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Krefeld Pinguine
Christian Ehrhoff - vom Krefelder EV zum Star der NHL

Fotos: Christian Ehrhoff – Moerser, Ex-NHL-Profi, WM-Vierter
Fotos: Christian Ehrhoff – Moerser, Ex-NHL-Profi, WM-Vierter FOTO: afp, Jen Fuller
Krefeld. Die Fans des KEV haben damit gerechnet, dass Sie im Sommer als Gewinner des Stanley-Cup nach Krefeld zurückkommen. Wieso hat es nicht geklappt?

Christian Ehrhoff Größtenteils lag es am Verletzungspech. Nach etwa 20 Spielen fing das allmählich an. Zwei unserer Leistungsträger sind für den Rest der Saison ausgefallen. Ich habe Ende Februar eine Gehirnerschütterung erlitten und musste aussetzen. Im Spiel gegen Washington bei einem Zweikampf mit Alexander Owetschkin bin ich mit dem Kopf aufs Eis geknallt. Nach sieben Spielen habe ich mir erneut eine Gehirnerschütterung zugezogen und bin ich für den Rest der Saison ausgefallen. Zwar haben wir uns noch für die Play-offs qualifiziert, aber gegen die Rangers hatten wir nicht wirklich eine Chance.

Die Verletzung war aber nicht weiter ernsthaft oder?

Ehrhoff Nein, aber eine Gehirnerschütterung ist eine frustrierende Verletzung. Wenn du dir die Hand brichst, dann weißt du, wie lange sie in Gips ist, aber bei einer Gehirnerschütterung weiß man nie, wie lange die Heilung dauert.

Sie sind vor der Saison von Buffalo nach Pittsburg gewechselt.

Ehrhoff Wir hatten in Buffalo kein gutes Team mehr. Ich bin nach Pittsburgh gegangen, um um den Stanley-Cup mitzuspielen. Es hat Spaß gemacht, mit Stars wie Crosby zusammenzuspielen.

Warum verlassen Sie Pittsburgh wieder?

Ehrhoff Sicherlich bin ich mit den Erwartungen dort hingegangen, länger zu bleiben. Letztendlich muss ich sagen, dass es mir in Vancouver besser gefallen hat, und ich möchte nochmal in einem anderen Team spielen. Hinzu kommt, dass Pittsburgh eher in Stürmer investiert als in Verteidiger. Deswegen passt das auch von deren Seite.

Kommt einem nach dieser Saison mit vielen Verletzungen nicht auch mal der Gedanke, einen Schlussstrich unter das Kapitel Nordamerika zu ziehen?

Ehrhoff trifft bei Pittsburghs Sieg über den Spitzenreiter FOTO: ap

Ehrhoff Nein, gar nicht. Mit 32 ist das noch zu früh. Ich möchte dort spielen, solange es geht. Also zumindest noch ein paar Jahre. Dann kann ich immer noch nach Deutschland zurückkommen.

Wie geht's denn jetzt weiter?

Ehrhoff Die Türe ist seitens Pittsburgh noch immer offen, und ich lasse die Türe auch noch auf. Ich werde jetzt erstmal schauen, welche Angebote ich ab 1.Juli vorliegen habe und danach meine Entscheidung treffen.

Haben Sie einen Wunschverein im Kopf?

Ehrhoff Ja, schon. Aber da möchte ich nichts zu sagen. Das sieht immer blöd aus, wenn das nicht klappen sollte. Ich bin derzeit wirklich noch offen und werde mich dann entscheiden, wenn es soweit ist.

Hatten Sie auch Angebote aus anderen Ligen wie zum Beispiel aus Russland?

Ehrhoff gelingt Siegtreffer für Pittsburgh gegen Ottawa FOTO: ap

Ehrhoff Nein. Das spielt für mich zum jetzigen Zeitpunkt keine Rolle und ist kein Thema. Ich werde auch sicher einen anderen Verein in der NHL finden. Da muss ich mir keine Sorgen machen.

Für Ihre Familie wäre ein Wechsel und Umzug auch kein Problem? Zumal Sie gerade hier in Krefeld ein Haus gebaut haben?

Ehrhoff Nein, auch wenn wir uns in Krefeld immer wohl fühlen und irgwendwann hierher zurückkommen werden.

Mit Eishockeysachen?

Ehrhoff Ich schließe nicht aus, dass ich nochmal hier spiele. Meine Familie weiß aber, dass ich noch drüben spielen werde, und das ist auch okay für sie. Natürlich macht man sich seine Gedanken, was für die Familie am Besten ist, denn ein Umzug heißt auch immer, dass die Kinder einen neuen Kindergarten kennenlernen. Darum muss bei einem neuen Verein einfach das Gesamtpaket stimmen, so dass auch meine Familie glücklich ist.

Wie schätzen Sie die aktuelle Entwicklung der Krefeld Pinguine ein?

Ehrhoff Sportlich ist die Saison sicher nicht optimal gelaufen, hinzu kam noch die Unruhe um den neuen Vertrag mit dem Königpalast. Ich hoffe, dass im nächsten Jahr mehr Ruhe herrscht und die Mannschaft gesund bleibt. Das ist auch angesichts der finanziellen Möglichkeiten in Krefeld ganz wichtig.

Ihr Kumpel Daniel Pietta hat in Krefeld einen 10 Jahres-Vertrag unterschrieben, was halten Sie davon?

Ehrhoff Ich habe mich sehr für ihn gefreut, bei ihm sieht man, dass sein Herz bei den Pinguinen ist, auch wenn die Laufzeit sicherlich ungewöhnlich ist.

Sie sind jetzt 32, denken Sie in diesem Alter auch schonmal über das Karriereende hinaus?

Ehrhoff Ich könnte mir vorstellen, mich in irgendeiner Form ins deutsche Eishockey einzubringen. Im Moment denke ich aber noch mehr an meine aktuelle Karriere. Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, später einmal in irgendeiner Funktion zu arbeiten, das kann auch hier in Krefeld sein.

Vielleicht auch als Trainer?

Ehrhoff Puh, ob ich als Trainer arbeiten würde weiß ich nicht. Als Trainer hat man immer eine begrenzte Haltbarkeit, das ist glaube ich nichts für mich.

Was fehlt dem Krefelder Eishockey, um mal wieder um einen Titel mitspielen zu können?

Ehrhoff Wahrscheinlich die finanziellen Möglichkeiten. Wir können uns mit den finanziell gut gestellten Teams nicht messen, da muss man die Ansprüche in Krefeld eben entsprechend anpassen und die Erwartungen niedriger halten. Bei uns muss einfach alles stimmen. Die Ausländer müssen bei uns alle top sein, wir können keine Mitläufer gebrauchen. Bei uns müssen alle einschlagen, da haben wir in der Vergangenheit oft Glück gehabt wenn man sieht, welche Spieler der Rüdiger Noack (Sportlicher Berater, die Red.) irgendwo ausgegraben hat, die vorher keiner kannte und dann zu Topstars in der DEL wurden. Das ist schwierig und kann nicht jedes Jahr klappen.

Sie spielen schon sehr lange in den USA. Gibt es irgendetwas, das Sie später mal missen werden?

Ehrhoff Die Offenheit der Amerikaner, sie sind immer freundlich und hilfsbereit. In Deutschland muss man schon Glück haben, wenn man in einem Laden gefragt wird, ob man Hilfe braucht. Das ist in den USA anders. Ich bin aber immer Deutscher geblieben und nicht amerikanisiert worden.

Ihre Kinder wachsen zweisprachig auf.

Ehrhoff Klar, das ist für sie eine super Sache.

Welchen Sport machen die?

Ehrhoff Die laufen auch Schlittschuh, aber sind eher in Richtung Eiskunstlauf orientiert. Außerdem gehen sie reiten und schwimmen, sie sollen mal alles ausprobieren und dann gucken, was ihnen am meisten Spaß macht. Sie brauchen jetzt aber nicht Eishockey spielen, nur weil ich das gemacht habe.

Machen Sie selbst auch noch anderen Sport?

Ehrhoff Ich spiele Golf, aber in diesem Sommer habe ich noch keinen Schläger angefasst. Mit drei Kindern Zuhause fehlt dazu die Zeit.

Sie haben jetzt drei Töchter, wäre ein Junge nicht auch mal schön gewesen?

Ehrhoff Ja, aber Hauptsache, sie sind erstmal gesund.

Was schätzen Sie noch an Amerika?

Ehrhoff In Amerika wird sehr viel Wert auf qualitativ gutes Essen gelegt. Wir versuchen, uns gesund zu ernähren und schauen, dass das Essen nicht aus einer Massenhaltung kommt.

Gekocht wird aber Deutsch? Oder gibt's regelmäßig Burger?

Ehrhoff. Nein, Burger nicht so oft. Bei uns gibt es auch Schnitzel oder Nudeln, meine Frau kocht bei uns immer.

Vegetarisch oder Vegan ist kein Thema?

Ehrhoff Nein, aber ich habe mich mit beidem befasst. Auch wenn man von vielen Sportlern hört, dass gerade vegan ihnen viel gebracht haben soll. Aber ich bin dann nicht so extrem.

Eishockey-Spieler gelten in Sachen Ernährung nicht unbedingt als Vorbild. Nach dem Spiel geht es auch schonmal nach McDonalds...

Ehrhoff Ja, aber ich glaube, das hat sich in den letzten Jahren doch gewandelt. Als Profisportler muss man auf seinen Körper achten. Die Anforderungen sind gestiegen, und die Konkurrenz ist so groß, dass man es sich nicht erlauben kann, im Sommer nicht mehr zu trainieren. Man muss einfach topfit sein, und dazu gehört auch die Ernährung. Wenn du das nicht machst, dann kommt einer von hinten und nimmt dir deinen Platz weg.

Wie sieht Ihr Trainingsprogramm im Sommer aus ?

Ehrhoff Ich absolviere jeden Tag ein bis zwei Stunden Trockentraining. Um jetzt mit den Pinguinen aber schon in Wesel aufs Eis zu gehen, wäre es mir noch zu früh. Anfang August gehe ich erst wieder aufs Eis.

INTERVIEW: H.-G. SCHOOFS UND OLIVER SCHAULANDT

Quelle: RP
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