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Krefeld Pinguine
Ein Jahr zum Vergessen

Krefeld Pinguine: Ein Jahr zum Vergessen
Franz Fritzmeier musste während der Saison gehen. FOTO: samla.de
Krefeld. Die DEL-Mannschaft knüpfte trotz einiger vielversprechender Entscheidungen an die enttäuschende Vorsaison an. Beim Jahreswechsel besteht nur wenig Hoffnung, dass die Pre-Play-offs noch erreicht werden können. Von H.-G. Schoofs

Eigentlich sollte bei den Krefeld Pinguinen in diesem Jahr alles viel besser werden. Dafür wurden am Ende der Spielzeit 2015/16 mit einem versöhnlichen Abschluss die Weichen gestellt. Zwar bedeutete Platz 13 in der Endabrechnung die bisher schlechteste Hauptrundenplatzierung, doch auf der Zielgeraden zeichnete sich eine durchaus positive Entwicklung ab. Die Arbeit des neuen Trainers Franz Fritzmeier viele Früchte, sodass bei den Fans mit Blick auf die neue Saison große Zuversicht herrschte. Das zeigte sich auch beim Saisonfinale im König-Palast, als fast 7000 Zuschauer den 3:2-Erfolg gegen die Augsburger Panther sahen und die Mannschaft hinterher so feierten, als hätte sie gerade die Play-offs erreicht.

Auch wenn viele Fans nicht mit der Trennung von Torwart Tomas Duba einverstanden waren und es sogar bei Facebook eine Morddrohung gegen die Verantwortlichen der GmbH gab, sorgten im Sommer die personellen Entscheidungen für eine Aufbruchstimmung. Die passte ganz gut zur Marschroute "Angriffssaison" des Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Schulz. Trainer Fritzmeier hatte bei seiner Scoutingtour durch Nordamerika zwar keinen Hochkaräter im Gepäck mit nach Krefeld gebracht, doch seine Transfers aus der DEL klangen allesamt vielversprechend. Das bestätigte sich dann gleich während der Vorbereitung. Besonders die Leistungen in den Spielen der Champions-Hockey-League gaben Anlass zur Hoffnung, dass die Mannschaft wieder ein Play-off-Kandidat sein kann. Nach dem tollen Meisterschafts-Auftakt mit dem Sieg gegen Mannheim überschlugen sich die Lobeshymnen im Umfeld des Teams.

Unerwartet schnell kehrte dann der Alltag im Krefelder Eishockey zurück. Enttäuschung und Frust machten sich mehr und mehr breit. Das lag in erster Linie an der Absage von Christian Ehrhoff und der längsten Heimpleiten-Serie der Krefelder DEL-Geschichte. Die Talfahrt nahm rasend schnell ihren Lauf. Der Druck auf Trainer und Mannschaft wuchs von Niederlage zu Niederlage. Zusätzlich sorgten personelle Entscheidungen für Unruhe. Selbst die Derbysiege in Köln und Düsseldorf leiteten keine entscheidende Wende ein. So kam es, wie es kommen musste. Der Trainerwechsel war nicht mehr zu verhindern. Dem Hoffnungsträger Franz Fritzmeier fehlten trotz guter Arbeit einfach die Erfolge. Sein Team wirkte von Spiel zu Spiel mehr verunsichert und glaubte wohl nicht mehr daran, unter der Regie des jüngsten DEL-Trainers das Blatt noch wenden zu können. Die Trennung kam allerdings zu spät. Bereits nach den beiden Niederlagen in den Heimspielen Straubing und Bremerhaven hätte die Reißleine gezogen werden müssen. Die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft passte einfach nicht mehr.

Bei der Suche nach einem neuen Chefcoach fiel die Wahl auf einen ehemaligen: Rick Adduono (linkes Bild). Für Aufsichtsratschef Wolfgang Schulz war das die beste Lösung, und das nicht nur aus finanzieller Sicht. Er traute nur dem 61-jährigen Kanadier zu, mit dessen Motivationskunst die Köpfe der Spieler wieder freizubekommen und das Minimalziel Pre-Play-offs zu erreichen. Adduono verbreitete schon unmittelbar nach seiner Ankunft eine positive Stimmung. Er erreichte die Spieler sehr schnell, die gegen Köln und München ein neues Gesicht zeigten. Aber vor dem Jahreswechsel besteht kaum noch Hoffnung, dass die Pre-Play-offs erreicht werden können.

Ein Saisonende nach der Hauptrunde würde die GmbH vor große Probleme stellen. Die finanzielle Lage ist schon jetzt nicht rosig. Die Zuschauereinnahmen blieben in den bisher 17 Heimspielen deutlich hinter den Erwartungen zurück. Der Mitte 2018 auslaufende Mietvertrag für die Nutzung des KöPa muss neu verhandelt werden. Es droht den Pinguinen wahrscheinlich ein hartes Ringen um bessere finanzielle Bedingungen.

Im sportlichen Bereich stehen die Pinguine schon wieder vor einem Umbruch. Die meisten Personalentscheidungen, die auf Empfehlung von Franz Fritzmeier getroffen wurden, trugen nicht die erwarteten Früchte. Sich auf der Torwartposition gegen Tomas Duba und für Patrick Galbraith zu entscheiden, war ein Risiko. Der Plan, dadurch Geld zu sparen, wurde mit der Nachverpflichtung von Niklas Treutle durchkreuzt. Nichts sprach eigentlich dagegen, weiter auf das Duo Duba/Klein zu bauen.

Eine Veränderung wird es in der sportlichen Leitung geben. Berater Rüdiger Noack will sich spätestens nach Saisonende auf sein Altenteil zurückziehen. Seit dem Amtsantritt von Fritzmeier hatten Noacks Ratschläge kaum noch Gewicht. Der Cheftrainer installierte mit dem neuen Geschäftsstellenleiter Matthias Roos einen Weggefährten aus gemeinsamen Duisburger Zeiten, der künftig in die Rolle des Sportlichen Leiters schlüpfen soll. An der Spitze der GmbH sind keine Änderungen zu erwarten. Aufsichtsratschef Wolfgang Schulz hat öffentlich erklärt, dass er sein Erbe gerne in andere Hände geben würde und hofft, dass sich bald geeignete Personen bei ihm melden.

Quelle: RP
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