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Analyse
Ein schwerer Weg zurück in die Zukunft

Krefeld Pinguine: Ein schwerer Weg zurück in die Zukunft
Herberts Vasiljevs (hinten), hier im Zweikampf mit dem Iserlohner Marko Friedrich, bewies in den jüngsten Spielen, dass er trotz seines Alters noch ein wertvoller Spieler für die junge Mannschaft der Pinguine ist. FOTO: Lothar Strücken
Eishockey. Die Krefeld Pinguine befinden sich trotz der Niederlage gegen Iserlohn weiter auf Tuchfühlung zu den Play-off-Plätzen. Nach einer turbulenten Woche stehen die Verantwortlichen vor großen Herausforderungen, um den DEL-Standort sichern zu können. Von H.-G. Schoofs und Josef Hermanns

In der Deutschen Eishockey-Liga läuft es in dieser Saison noch nicht so, wie es von vielen Experten vorhergesagt wurde. Von Spieltag zu Spieltag gibt es sehr überraschende Ergebnisse. Plötzlich stehen die Eisbären an der Tabellenspitze, die nicht gerade zu den Titelanwärtern zählen. Dass Vize-Meister Ingolstadt am zwölften Spieltag die Rote Laterne übernimmt, war ebenfalls nicht zu erwarten. Und die Krefeld Pinguine? Mit Platz 13 und 13 Punkten hinken die Schwarz-Gelben hinter den Erwartungen ein wenig hinterher, befinden sich allerdings auf Tuchfühlung zu den Play-off-Plätzen.

Wohin die Reise der Pinguine gehen wird, ist immer noch schwer vorherzusagen. Den zwei Schritten vorwärts mit den nicht unbedingt einkalkulierten Siegen gegen Mannheim und Wolfsburg folgte Sonntag wieder ein Schritt zurück, der unterm Strich nicht notwendig war. Das bestätigte nach dem 1:2 gegen die Iserlohn Roosters Kapitän Daniel Pietta: "Wir haben am Wochenende zwei gute Spiele gemacht. In Wolfsburg haben wir uns gut präsentiert und gewonnen. Das Spiel gegen Iserlohn wurde durch ein Kontertor entschieden. Wir haben unsere Überzahl nicht genutzt, daran müssen wir noch arbeiten. Wir haben die Defensivarbeit deutlich verbessert und in zwei Spielen nur drei Gegentore kassiert. Das ist aber auch ein sehr großer Verdienst von Patrick Klein. Die verbesserte Punktausbeute von 1,5 Zählern pro Spiel will ich gar nicht so bewerten. Viel wichtiger ist es, dass wir nach der Umstellung der Sturmreihen insgesamt einen Schritt nach vorne gemacht haben."

Die Umstellungen und die neue taktische Ausrichtung sind das Ergebnis intensiver Gespräche zwischen Mannschaft und sportlicher Leitung, die Rüdiger Noack nach der Pleite in Köln gefordert hatte. "Es war wichtig, unser System etwas zu verändern, es läuft jetzt besser", sagte Herberts Vasiljevs am Sonntag nach dem Spiel. Dieser Aufschwung spiegelt sich auch in der Leistung des Ex-Kapitäns wider. Mit seiner ganzen Erfahrung ist der 39-Jährige in der jüngsten Mannschaft der Liga ein wichtiger Faktor, um den jugendlichen Leichtsinn zu bremsen. Dem fiel am Sonntag Norman Hauner zum Opfer, der sich beim Angriff kurz hinter der gegnerischen blauen Linie einen Fehler leistete, den die Roosters mit dem Siegtreffer eiskalt bestraften. Anschließend wurde der 23-jährige Stürmer von Rick Adduono derart zusammengefaltet, dass er bestimmt eine schlaflose Nacht hatte. So wird es dem Trainer sicher nicht gelingen, die Chemie zwischen ihm und Spielern, die nicht mehr uneingeschränkt hinter ihm stehen, zu verbessern. Verbessern muss Adduono auch das Überzahlspiel, das seit seinem Amtsantritt im Dezember 2009 auch mit talentierterem Personal als derzeit häufig die Schwachstelle des Teams war. Es ist ein schwerer Weg, den Trainer und Mannschaft gehen müssen, um das vorhandene Potenzial so optimal ausschöpfen zu können, damit die Fans weiter daran glauben, dass die Mannschaft einen Pre-Play-off-Platz erreichen kann.

Schwer, wenn nicht gar steinig, ist der Weg außerhalb des sportlichen Bereichs. Das wurde in der vergangenen turbulenten Woche deutlich. Der kurzfristige Abschied von Andre Schicks wiegt mindestens so schwer wie die Trennung von Geschäftsführer Axel Nagel. Schicks war nicht nur Pressesprecher, sondern auch Event-Manager der Pinguine, ohne den viele Veranstaltungen mit Sponsoren oder für Fans gar nicht stattgefunden hätten. Gemeinsam mit Robert Haake hat er die Außendarstellung und das Image der Schwarz-Gelben deutlich aufpoliert. Der Event-Charakter bei den Heimspielen fehlt momentan gänzlich. Der gesunkene Zuschauerschnitt hängt nicht nur mit den sportlichen Leistungen zusammen. Das Verhältnis zu den Fans ist mangels ausreichendem Kontakt angespannt. Das zeigen die Proteste beim Spiel gegen Mannheim.

In allen Bereichen wurden in den vergangenen fünf Jahren richtige Schritte in die Zukunft unternommen. Seit dem Sommer ist mehr Rückschritt als Fortschritt zu erkennen. Die Führung der GmbH hat das erkannt. Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle sind sehr bemüht, die größten Schadstellen zu beheben. Erste Maßnahmen wurden bereits ergriffen. Der neue Geschäftsführer Karsten Krippner erklärte am Sonntag, dass er versuchen will, Geschäftsstellen-Leiterin Simone Akin schon jetzt so gut es geht zu unterstützen, obwohl er seinen Dienst offiziell erst am 1. Januar antritt. Eine Unterstützung wäre besonders auch bei der Vermarktung wichtig. Denn die meisten Unternehmen planen derzeit ihr Sponsoring für das kommenden Jahr.

Quelle: RP
 
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