| 07.25 Uhr

Krefeld Pinguine
Pinguine sind von Ehrhoff enttäuscht

Fotos: Christian Ehrhoff – Moerser, Ex-NHL-Profi, WM-Vierter
Fotos: Christian Ehrhoff – Moerser, Ex-NHL-Profi, WM-Vierter FOTO: afp, Jen Fuller
Krefeld. Die Krefelder nahmen am Montag Stellung zur Entscheidung der Verteidigers und glauben, dass finanzielle Aspekte den Ausschlag gaben. Allerdings beklagen sie auch die notwendige Unterstützung aus der Wirtschaft. Von H.-G. Schoofs

Als sich am Montag kurz nach Mitternacht in den sozialen Netzwerken die Exklusiv-Nachricht unserer Redaktion wie ein Lauffeuer verbreitete, dass Christian Ehrhoff nicht zu den Krefeld Pinguinen zurückkehren wird, war die Überraschung und das Entsetzen gleichermaßen groß. Ausgerechnet der Spieler, der sich während des Lockouts Ende 2012 als Star ohne Star-Allüren in den Dienst der Mannschaft gestellt hatte und seit seinem Abschied aus Krefeld vor 13 Jahren stets seine Verbundenheit zum Krefelder Eishockey und seine Dankbarkeit gegenüber den Verantwortlichen betonte, sorgt im Lager der Schwarz-Gelben für die vielleicht größte Enttäuschung der Krefelder DEL-Geschichte. Dabei hätte sich der Kreis für den 34-jährigen Verteidiger und sein Heimatverein heute so wunderschön schließen können. Gegen die Augsburger Panther, die ab 19.30 Uhr im KöPa zu Gast sind, absolvierte er am 4. Januar sein letztes DEL-Spiel für die Pinguine. Zuvor hatte er mit dafür gesorgt, dass die Mannschaft beim Jahreswechsel nach Siegen in Köln (6:5) und gegen Berlin (4:3) die Tabellenspitze zierte.

Den Kommentaren und der Stimmungslage war deutlich zu entnehmen, dass Ehrhoffs primär sportliche Gründe auf wenig Akzeptanz stoßen. Das gilt auch für die Stellungnahme der Pinguine. "Wir haben uns sehr um Christian Ehrhoff bemüht und ihm ein entsprechendes Angebot unterbreitet. Dies beinhaltete nicht nur, dass wir an unsere finanziellen Grenzen gegangen sind, sondern auch eine Perspektive für die Zukunft aufgezeigt haben, die Christian Ehrhoff noch enger ans Krefelder Eishockey geschmiedet hätte. Nach eigentlich sehr positiven Anzeichen im Vorfeld waren wir dann von der endgültigen Entscheidung, nicht für Krefeld aufzulaufen, sehr überrascht. Sportlich haben wir sicherlich eine sehr gute Mannschaft, und mit Christian Ehrhoff hätten wir wahrscheinlich die Play-offs ohne die Pre-Play-offs erreichen können. Wir hatten sehr gehofft, dass die Softfacts, die wir angeboten haben, den finanziellen Unterschied zwischen unserem Angebot und dem der großen DEL-Vereine zum Teil ausgeglichen hätte. Letztendlich konnten wir beim Wettbieten der Großen nicht mithalten. Wir bedauern diese Entscheidung sehr, werden uns jetzt bemühen, auch ohne Christian Ehrhoff, die Play-offs zu erreichen", erklärte Wolfgang Schulz.

Der Aufsichtsratschef zeigte sich tief enttäuscht. Er habe vor einer Woche mit Ehrhoff ein "sehr positives Gespräch" geführt und vereinbart, am Sonntag die letzten Details zu klären: "Ich war zu diesem Zeitpunkt fest davon überzeugt, dass er sich für uns entscheiden wird. Als er dann am Sonntag zu mir und Dieter Berten in mein Büro kam, wo ich eigentlich vor hatte, das Trikot für ihn aufzuhängen, hatte ich schon so ein komisches Gefühl. Er hat gar nicht auf die Bilder von der Meisterschaft geschaut. Als wir mit ihm dann auf die Details zu sprechen kamen, sagte er sofort, dass er sich gegen uns entschieden habe." Die Pinguine hatten mit einem "Bettelbrief" bei ihren Sponsoren und anderen Krefelder Unternehmen um finanzielle Unterstützung (zwei Jahre mindestens je 20.000 Euro) gebeten. "Alles ist wie immer. Es gab nur im geringfügigen Maße Zusagen", erklärte Wolfgang Schulz, dessen Enttäuschung auch diesbezüglich sehr groß ist und seiner Bereitschaft, den Standort fast im Alleingang zu sichern, nicht gerade dienlich ist.

"Müssen seine Entscheidung akzeptieren"

Ein Spieler der Krefelder Mannschaft wirkte nach dem Training am Montag ziemlich enttäuscht: Daniel Pietta, der sich im Vorjahr mit seinem Zehn-Jahres-Vertrag ein eindrucksvolles Signal Pro Pinguine gesetzt hat und mit Ehrhoff Verstärkung bekommen hätte. "Jeder hat gehofft, dass Christian zu uns kommt. Ich hatte oft Kontakt mit ihm und war guter Dinge. Sonntag hat er mir eine E-Mail geschickt und mich informiert. Aber wir müssen seine Entscheidung akzeptieren. Nichtsdestotrotz müssen wir weiter machen, dürfen jetzt die Saison nicht abhaken und müssen sagen, jetzt erst recht. Ich glaube, dass wir auch so eine gute Mannschaft haben und in die Play-offs kommen werden. Vielleicht spielen wir ja in den Play-offs gegen seinen neuen Verein. Aber bis dahin ist ja noch ein langer Weg", erklärte der Stürmer.

Auch Rüdiger Noack wirkte sehr geknickt: "Ich habe in den vergangenen Tagen viele Gespräche mit Christian geführt. Es war eine schwere Entscheidung für ihn und ist eine noch härtere Entscheidung für uns. Er hätte uns sportlich und menschlich weitergebracht. Sportlich haben wir sicherlich trotzdem eine sehr gute Mannschaft. Wir werden jetzt noch ein Stück näher zusammenrücken und sind auch ohne Christian auf einem guten Weg. Sein Argument, sich in Krefeld nicht ausreichend auf die WM vorbereiten zu können, ist sicherlich nicht ganz korrekt, da Christian während seiner langen NHL-Karriere sich immer in den Sommermonaten trainingsmäßig sowohl individuell als auch im Team der Pinguine erfolgreich vorbereiten konnte. Trotz der enormen Anstrengungen unserer Gesellschafter haben letztendlich auch finanzielle Aspekte den Ausschlag gegeben."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Krefeld Pinguine sind von Christian Ehrhoff enttäuscht


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.