| 00.00 Uhr

Torjäger Schymainski übt Kritik
"Nur eine Reihe, die Tore schießt"

Krefeld Pinguine: Torjäger Martin Schymainski im Interview
Martin Schymainski (Archivbild). FOTO: KN
Krefeld. Martin Schymainski blickt auf eine für ihn wenig befriedigende Saison zurück. Der 32 Jahre alte Torjäger der Krefeld Pinguine übt Kritik an an der sportlichen Führung, der Zusammenstellung des Kaders sowie seinem Einsatz in der dritten und vierten Reihe. Von Josef Hermanns

Schymainski darf getrost als Krefelder Eishockey-Urgestein bezeichnet werden. Der Torjäger hat noch einen Vertrag bis 2021 bei den Pinguine. Jetzt wechselte er auf seinen Wunsch hin nach Frankfurt in die zweite Liga. RP-Mitarbeiter Josef Hermanns sprach mit ihm.

Was war der Grund für den Wechsel?

Schymainski Ich wollte nicht im dritten Jahr in Folge schon früh im März aufhören, Eishockey zu spielen. Ich wollte einfach länger Eishockey spielen und es ist schön mal etwas anderes zu sehen.

Wie kam der Kontakt zustande und wie sind Sie in Frankfurt, wo ja Ihr ehemaliger Trainer Franz Fritzmeier als Sportdirektor arbeitet, aufgenommen worden?

Schymainski Franz hat meinen Berater nach Spielern gefragt. Am Tag vorher habe ich meinem Berater gesagt, dass ich noch länger Eishockey spielen möchte. Mein Berater hat dann Franz gefragt, ob ich in Frage käme, und dann ging alles ganz schnell. Ich war doch etwas nervös, wo ich zu einer neuen Mannschaft gekommen bin, aber der Verein und die Jungs haben es mir leicht gemacht.

Werden die Krefelder Fans ihren "Schimmi" in der kommenden Saison wieder sehen?

Schymainski Ich habe noch drei Jahre Vertrag in Krefeld und ich habe geplant, bis zum Vertragsende zu bleiben.

Wie läuft es für Sie nach den ersten Spielen bei den Löwen und worin liegt der Unterschied zwischen DEL 1 und DEL 2?

Schymainski Ich habe in Frankfurt sehr viel Eiszeit, auch in Überzahl. Weil abwechselnd ein Kontingentspieler auf der Tribüne sitzt, ändern sich die Reihen von Spiel zu Spiel. Aber im Training lernt man die Spieler besser kennen und dann ist das kein Problem mehr. In der DEL 2 hat man doch etwas mehr Zeit und etwas mehr Platz auf dem Eis, daran muss man sich erst gewöhnen.

Die Krefeld Pinguine haben zum dritten Mal in Folge die Play-offs verpasst. Woran lag es in dieser Saison?

Schymainski Es ist sehr schade, dass wir zum dritten Mal in Folge die Play-offs verpasst haben. Kämpferisch hatten wir eine Mannschaft, die versucht hat, immer alles zu geben. Aber wir hatten nur eine Reihe, die Tore schießt. Klar hatten wir auch viel Verletzungspech, das ist aber keine Ausrede, das hatten andere Teams auch. Am Ende lag es an der Qualität des Kaders.

Was muss sich Ihrer Meinung nach im sportlichen Bereich ändern, damit die Fans im März 2019 endlich wieder Play-off-Eishockey im König-Palast sehen?

Schymainski Wir brauchen nach der ersten Reihe weitere Reihen, die auch scoren können. Und dann müssen wir mit starker Brust rausgehen und sagen, das Spiel gewinnen wir. Dafür müssen wir aber defensiv viel besser stehen, wir kassieren fast in jedem Jahr zu viele Gegentore. Dann wird immer von kleinen Fehlern gesprochen, die man abstellen muss. Die kleinen Fehler dürfen aber keine Entschuldigung für Niederlagen sein.

In der vergangenen Jahren wurden sie häufig in der ersten Reihe eingesetzt und spielten auch im Powerplay. Warum war das in dieser Saison nicht so?

Schymainski Mir geht es nicht um die erste Reihe, die war in dieser Saison wirklich super. In den vergangenen Jahren habe ich aber meine Chance im Power-Play bekommen und wurde im Slot eingesetzt, da habe ich auch viele Tore erzielt. Es hat mich gewundert, dass ich in dieser Saison nicht auf meiner Position im Power-Play spielen durfte. Jeder Spieler sollte seine Chance bekommen, und wenn die Zahlen nicht stimmen, sollten auch andere eine Chance bekommen, sich zu beweisen. Ich habe hier in Krefeld schon bewiesen, dass ich da meine Stärken habe und hätte der Mannschaft sicher helfen können. Es ist für mich schon frustrierend, wenn mir auf dieser Position immer Kontingentspieler vorgezogen werden.

Gemeinsam mit Daniel Pietta sind Sie eines der Gesichter des Krefelder Eishockeys. Sie tragen Schwarzgelb im Herzen. Als Idendifikationsfigur machen Sie sich sicherlich auch Gedanken über das Geschehen abseits der Eisfläche.

Schymainski Klar, die deutschsprachigen Spieler und die Spieler, die einen längerfristigen Vertrag haben, beschäftigen sich auch mit Dingen wie dem Mietvertrag. Man überlegt dann auch zu Hause mit seiner Familie, ob es weiter geht oder nicht. Man liest in den vergangenen Wochen und Monaten viel Negatives über den Standort Krefeld. Es wäre gut, wenn im Verein und im Umfeld mal Ruhe einkehren würde.

In den Spielzeiten 2014/15 haben Sie 16 Treffer erzielt und im Jahr darauf sogar 24 Mal ins Schwarze getroffen. In den beiden vergangenen Spielzeiten konnten Sie nur jeweils neun Mal jubeln. Worauf ist ihre geringere Torausbeute zurück zu führen?

Schymainski Da muss man klar sagen: Es liegt auch an den Mitspielern. In dem Jahr, wo ich 24 Tore erzielt habe, habe ich mit Daniel Pietta gespielt und ich wurde, wie auch in der Saison, wo ich 16 Mal getroffen habe, im Power-Play eingesetzt. Dass ich Tore schießen kann, weiß ich, dafür muss ich aber im Power-Play auf meiner Position eingesetzt werden. Ich bin halt eher der Vollstrecker, da bin ich dann aber auch von den Pässen meiner Mitspieler abhängig. In dieser Saison habe ich ja nur in der dritten und vierten Reihe gespielt und wurde nicht in Überzahl eingesetzt – da sind neun Treffer auch nicht so verkehrt.

Derzeit laufen die Olympischen Spiele in Südkorea. Mit Christian Ehrhoff ist im Eishockey-Team nur ein ehemaliger Krefelder Spieler dabei. Haben Sie von Olympia geträumt?

Schymainski Ich verfolge natürlich Olympia und schaue mir fast alles an, wenn es meine Zeit zulässt. Ich freue mich für Christian Ehrhoff, dass er zum vierten Mal dabei ist. Schade, dass er nicht die Fahne tragen durfte. Schade finde ich auch, dass Pietta und Müller nicht dabei sind, beide hätten es verdient gehabt. Ich habe nie von Olympia geträumt. In jungen Jahren hat man es mir nicht zugetraut, dass ich es in die DEL schaffe, aber das habe ich geschafft. Die Länderspiele, die ich machen durfte, waren für mich ein schöner Bonus.

Wer ist in diesem Jahr in der DEL Ihr Titelfavorit und werden Sie mit den Frankfurt Lions Zweitligameister?

Schymainski Natürlich ist München der Favorit, aber auch Nürnberg und Berlin muss man auf der Rechnung haben. In den Play-offs kann aber viel passieren sowohl in der DEL als auch in der DEL 2. Ich werde alles dafür geben, dass wir mit Frankfurt den Titel aus dem Vorjahr verteidigen können.

Noch in diesem Monat werden Sie 32 Jahre alt. Wie lange dürfen die Fans ihren "Schimmi" noch als aktiver Spieler auf dem Eis sehen und wie sind Ihre Pläne nach der Karriere?

Schymainski Ich habe noch drei Jahre Vertrag und arbeite im Sommer immer sehr hart an meiner Fitness. Man muss sehen, wie lange ich noch mithalten kann. Es ist nicht jeden Tag eitel Sonnenschein, man hat auch schon mal schlechte Tage. Ich liebe diesen Sport über alles und möchte so lange spielen wie es geht. Feste Pläne für meine Zeit nach der Karriere habe ich noch nicht, ich weiß auch noch nicht, ob ich dem Eishockeysport verbunden bleibe. Ich mache mir da aber keine Gedanken, denn ich bin ein Arbeitstier und wer arbeiten will, der findet auch Arbeit.

 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Krefeld Pinguine: Torjäger Martin Schymainski im Interview


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.