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Krefeld Pinguine
Rick Adduonos Abschied deutet sich an

Krefeld Pinguine: Rick Adduonos Abschied deutet sich an
Als Trainer Rick Adduono am Freitag beim Spiel gegen Schwenningen hier während des Powerbreaks auf seine Spieler einredete, stießen seine Worte bei einigen Akteuren nicht gerade auf großes Interesse. Das war in den vergangenen Spielen häufig zu beobachten. FOTO: samla
Krefeld. In dieser Woche soll die fast sechsjährige Amtszeit des Trainers der Krefeld Pinguine zu Ende gehen, der am Sonntag nicht mit dem Sambazug aus Berlin zurückkehrte. Als erster Anwärter auf die Nachfolge gilt Franz-David Fritzmeier. Von H.-G. Schoofs

Am Tag nach der grausamen Vorstellung beim Heimspiel gegen Schwenningen herrschte im Lager der Krefeld Pinguine hektische Betriebsamkeit. Im Mittelpunkt stand natürlich Rick Adduono. Der Trainer bemühte sich am Morgen bei der Übungseinheit vor der Abfahrt nach Berlin um Normalität und sprach noch auf dem Eis zehn Minuten auf seine Schützlinge ein. Als er dann wenig später in den Mannschaftsbus stieg, fand zu diesem Zeitpunkt schon eine Krisensitzung statt. Aufsichtsratschef Wolfgang Schulz war erst am späten Freitagabend von einer Geschäftsreise zurückgekehrt. Das Ergebnis der Gesprächsrunde soll in dieser Woche bekannt gegeben werden. Der Abschied von Adduono wurde intern wahrscheinlich schon am Samstag besiegelt und das der Mannschaft auch vor dem Auswärtsspiel in Berlin mitgeteilt, was aus Spielerkreisen zu vernehmen war. Als Nachfolger gilt Franz-David Fritzmeier als Favorit. Der 35-jährige Tölzer ist derzeit einer von zwei Co-Trainern der Kölner Haie.

Die Stimmung war am Freitag nach dem 3:5 gegen die Wild Wings auf den möglichen Tiefpunkt gesunken. Einige Fans warteten auf den Rängen noch auf die Übertragung der Pressekonferenz. Adduonos Worte klangen nach Resignation: "Die Spieler werden von Tag zu Tag besser." Das sah man auf dem Eis nicht. Seine Schützlinge wirkten verunsichert und teilweise lustlos. Der Coach erreicht sein Team nicht mehr. Die meisten Spieler haben den Respekt verloren. Dafür sorgte Adduono teilweise selbst. Am Samstag sagte er nach dem Training bei seiner Ansprache auf dem Eis zu den Spielern, er könne in der NHL arbeiten, sie aber nicht. Die Nerven des Trainers lagen nicht nur im Umgang mit dem Team blank. Als er nach dem zweiten Drittel das Eis verließ und von "Adduono-Raus-Rufen" begleitet wurde, beschimpfte er die Fans nicht gerade auf die feine englische Art.

Es ist traurig, dass die erfolgreiche Ära Adduono auf unrühmliche Art und Weise enden muss. So einen Abgang wie am Freitag hat er nicht verdient. Der Trainer hatte sich noch am Donnerstag auf die gemeinsame Rückfahrt mit den Fans im Sambazug von Berlin nach Krefeld gefreut. Am Sonntagabend stieg er aber gemeinsam mit Reemt Pyka sowie den grippegeschwächten Spielern Christian Kretschmann und Thomas Supis in den Mannschaftsbus.

Es war bereits gegen Ende der vergangenen Saison abzusehen, dass Adduono sich abgenutzt hat. Die Pre-Play-offs wurden letztendlich dank des großen Teamgeistes erreicht, der durch die Verpflichtung von Marcel Müller noch gestärkt wurde. Da Adduono es versteht, sich glänzend zu verkaufen und seine Verdienste um das Krefelder Eishockey unumstritten sind, wurde er mit einem neuen Zweijahresvertrag ausgestattet. Eine Maßnahme, die mit einem großen Risiko verbunden war. Wahrscheinlich hätte man wie in Straubing oder Schwenningen die halbe Mannschaft austauschen müssen, um das Innenverhältnis zwischen Trainer und Spieler wieder auf eine gesunde Basis bringen zu können. Erschwerend kommt hinzu, dass die Personalpolitik und das Verletzungspech für zusätzliche Probleme sorgten. Besonders bei ausbleibenden Erfolg müssen sich Trainer und Spieler gegenseitig uneingeschränkt vertrauen. Und genau das ist nicht der Fall. Adduonos ständige Kritik an seinen Spielern ist nicht in der Kabine geblieben. Besonders bei den jungen Akteuren, wie zum Beispiel Norman Hauner, den der Bannstrahl des Trainers besonders hart traf, bleib die Kritik nicht in der Ausrüstung stecken.

Sollte es in dieser Woche tatsächlich so kommen, dass die Pinguine Adduono als ältesten Trainer (60) der Liga gegen Fritzmeier als dann jüngsten Chefcoach (35) der DEL austauschen, dann würde das zur Philosophie der Schwarz-Gelben, in Zukunft auf junge Spieler zu bauen, gut passen. Fritzmeier hat in Duisburg bewiesen, dass er auf Nachwuchskräfte baut und sie nach vorne bringen kann. Aufgrund der Zusammenarbeit mit den Pinguinen und aus seiner Zeit als DEL-Spieler weiß er genau, was ihn in Krefeld erwartet.

Quelle: RP
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