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Eishockey-WM
1:8 – Deutschland erlebt nächstes Debakel
Eishockey-WM 2012: Deutschland - Tschechien 1:8
Eishockey-WM 2012: Deutschland - Tschechien 1:8 FOTO: dpa, Peter Steffen
Stockholm. Kein Aufbäumen, kein Olympia-Ticket: Mit der zweiten peinlichen Klatsche innerhalb von 44 Stunden hat das deutsche Eishockey-Nationalteam bei der WM in Schweden und Finnland auch die direkte Olympia-Qualifikation praktisch verspielt.

Zwei Tage nach dem 4:12-Debakel gegen Norwegen und dem verpassten Viertelfinale verabschiedete sich die sichtlich mitgenommene Mannschaft von Bundestrainer Jakob Kölliker mit einem 1:8 (1:3, 0:3, 0:2) gegen den zwölfmaligen Weltmeister Tschechien aus dem Turnier und hatte damit nur noch theoretische Chancen auf ein frühes Olympia-Ticket.

Nur eine sensationell hohe Niederlage der Schweiz am späten Dienstagabend gegen die USA mit mehr als 16 Toren Differenz bringt Deutschland noch Platz neun in der Weltrangliste, für den das letzte Direkt-Ticket für die Winterspiele 2014 in Sotschi reserviert ist. Es gilt aber als sicher, dass die DEB-Auwahl ihr Olympia-Startrecht bei einem mühsamen Qualifikationsturnier im Februar des kommenden Jahres erkämpfen muss.

"Wir haben alles versucht und uns nicht aufgegeben", sagte Kölliker. Seine Spieler wurden deutlicher. "Nach so einem Spiel wie gegen Norwegen steckt man tief in der Scheiße. Da ist es schwer, wieder rauszukommen", so Alexander Barta, während Kapitän Marcel Goc feststellte: "Wir sind den Tschechen nur hinterhergelaufen. Das ist enttäuschend."

Letztes Spiel von Kölliker?

Für Kölliker, der vor einem Jahr die Nachfolge von Uwe Krupp angetreten hatte, war es vermutlich das letzte Spiel als Bundestrainer. Vor der WM galt es als sicher, dass der 58-Jährige künftig als mächtiger Sportdirektor die Geschicke im Deutsche Eishockey-Bund (DEB) lenkt. Allerdings könnte die schlechtesten WM-Platzierung seit dem sportlichen Abstieg 2009 sowie das teilweise blamable Auftreten auch zu einem Umdenken führen.

Vor etwa 2114 Zuschauern in Stockholm war dem Kölliker-Team die die Verunsicherung aus dem peinlichen Spiel gegen Norwegen deutlich anzumerken. Die Treffer für die Tschechen erzielten Ales Hemsky (2.), Lukas Krajicek (11.), Martin Erat (17.), Petr Koukal (26. und 45.), David Krejci (30.), Jiri Novotny (35.) und Miroslav Blatak (47.). Für den WM-Vierten von 2010 war Thomas Greilinger (8.)
erfolgreich.

Zu Beginn erhielten die DEB-Profis aufmunternde Anfeuerungen von den rund 200 angereisten deutschen Fans, die bei der Pleite gegen Norwegen noch mit Hohn und Spott reagiert hatten. Doch es nützte nichts: Bei Hemskys Sololauf war Ondruschka zu langsam und Dennis Endras im Tor machtlos. Endras, der gegen Norwegen sechs Mal hinter sich greifen musste und aus Frust seinen Schläger zertrümmert hatte, schien sich zunächst gefangen zu haben. In der sechsten Minute rettete der Finnland-Legionär zweimal spektakulär gegen Petr Tenkrat und Petr Prucha.

Beim Ausgleichstreffer im Überzahlspiel hatte Deutschland Glück. Bei Greilingers Schuss prallte der Puck vom Pfosten an den Fuß eines Abwehrspielers und von dort ins Tor. Doch das Glück hielt nicht lange an, die mit sechs NHL-Stars angetretenen Tschechen spielten fortan ihre technische und läuferische Überlegenheit eiskalt aus.

Tschechien siegt im Schongang

Auch im Mitteldrittel waren die deutschen Spieler fast immer einen Schritt zu langsam. Dabei hatte man das Gefüh, die Tschechen, die bereits vor der Partie als sicherer Virtelfinalteilnehmer festgestanden hatten, gar kein volles Tempo gehen würden. Unnötige Scheibenverluste und Strafzeiten der Deutschen machten es dem Olympiasieger von 1998 aber auch zu leicht.

Die Mann-gegen-Mann-Deckung, an der Kölliker trotz vieler Kritik festhielt, trug auch im Schlussdrittel nicht zur Stabilisierung bei. Ein wirkliches Aufbäumen gegen das nächste Debakel war bei der deutschen Mannschaft nicht spüren, einzig mit Undiszipliniertheiten fielen die Spieler auf. Bundestrainer Kölliker verfolgte die nächste Vorführung meist emotionslos mit nach vorne verschränkten Händen.

Kölliker hatte insgesamt drei Strumreihen personell durcheinandergewirbelt. Nur die bislang einzig wirklich gefährliche Angriffsformation mit Patrick Reimer, Christoph Ullmann und Philip Gogulla blieb unverändert. Nicht zum Einsatz kamen der verletzte Andre Rankel sowie Felix Schütz, der zugunsten eines zusätzlichen Abwehrspielers (Sinan Akdag) auf der Tribüne saß.

Quelle: sid/seeg
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