| 19.36 Uhr

Deutschland verliert 3:6
Russen erobern Köln

Deutschland unterliegt Russland mit 3:6
Deutschland unterliegt Russland mit 3:6 FOTO: dpa, skm jai
Köln. Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft verliert gegen den Rekord-Weltmeister mit 3:6. Und auf den Rängen gewinnen die russischen Fans ebenso deutlich den akustischen Vergleich. Von Thomas Schulze

Zudem verliert das deutsche Team die beiden Torjäger Tobias Rieder und Partick Hager.

Russland ist eine Nummer zu groß für das deutsche Eishockey-Team. Der WM-Dritte des Vorjahres unterstrich mit einer spielerisch, technisch und läuferisch starken Leistung seine Titelambitionen und gewann verdient mit 6:3 (3:0, 2:0, 1:3). Shipachyov, Kucherov (je 2), Provorov und Gusev trafen für den Favoriten, der drei Mal in Überzahl erfolgreich war. Das Ehrentor zum 5:1 erzielte Brooks Macek, ehe Philip Gogulla und Frederik Tiffels verkürzten. Deutschland verlor aber nicht nur das Spiel, sondern auch NHL-Stürmer Tobias Rieder, der nach zehn Minuten verletzt vom Eis musste, und Patrick Hager mit Matchstrafe.

Kritik an Hager

"Wir wissen, dass wir gut spielen können, das haben wir im letzten Drittel gezeigt. So müssen wir weitermachen", sagte der Berliner Frank Hördler. Ex-Bundestrainer Hans Zach kritisierte bei Sport1 "Sünder" Hager: "Er ist meiner Meinung nach unser bester Stürmer. Aber er muss sich in seinen Körperattacken besser kontrollieren, da ist er manchmal übermotiviert."

Überraschend war die Niederlage für Deutschland natürlich nicht. Das Team von Bundestrainer Marco Sturm hat jetzt gegen die drei großen Nationen gespielt und muss "nur noch" die vom Papier her leichteren Spiele gegen die Slowakei (Mittwoch), Dänemark (Freitag), Italien (Samstag) und Lettland (Dienstag, alle 20.15 Uhr/Sport1)  gewinnen. Nach den bisher gezeigten Leistungen deutet in der Gruppe A alles darauf hin, dass Russland und Schweden ins Viertelfinale spazieren und  Deutschland, die USA und Lettland die beiden weiteren Viertelfinalisten unter sich ausmachen.

Am Morgen vor dem Spiel hatte es für Bundestrainer Marco Sturm eine  gute und eine schlechte Nachricht gegeben. Kapitän Christian Ehrhoff, der wegen Rückenproblemen gegen die USA (2:1) und Schweden (2:7) gefehlt hatte, meldete sich einsatzbereit. Er hatte die anfte Drohung von Sturm verstanden. "Wir benötigen bald Klarheit", sagte der Coach gesagt und damit angedeutet, dass er nicht mehr lange gewillt ist, den Platz im Kader für Ehrhoff frei zu halten.

Einen Platz wird er aber auf jeden Fall noch länger freihalten – den für  Leon Draisaitl. Der 21 Jahre alte Torjäger führte mit seinem  Hattrick und zwei Vorlagen die Edmonton Oilers zum 7:1-Viertelfinalsieg gegen Anaheim Ducks. Ein weiterer NHL-Rekord, denn nie zuvor erzielte ein deutscher Spieler dort in einem Play-off-Spiel fünf Scorerpunkte. Sturm sieht Draisaitl auf dem Weg zum Super-Star und wird ihn frühestens in der kommenden Woche in Köln begrüßen können. "Er hat jetzt die Chance, den Stanley-Cup zu gewinnen. Da brauchen wir nicht über ihn zu reden", sagte der Bundestrainer.

Natürlich hätten er und die Mannschaft Draisaitl gut brauchen können. Entscheidend geholfen hätte es an diesem Tag wohl nicht. Die Russen durchkreuzten das Defensiv-Konzept von Sturm bereits mit ihrem ersten Angriff und gingen nach nur 64 Sekunden in Führung. Die Entscheidung fiel in der 14. Minute, als gegen Patrick Hager eine Matchstrafe ausgesprochen wurde. Das Überzahlspiel nutzten die Osteuropäer zum entscheidenden Doppelschlag (18./19.).

Für Partystimmung sorgten die weit über 10.000 bestens gelaunten Russen in der erneut ausverkauften Lanxess-Arena, die auf den Rängen ebenso deutlich akustisch überlegen waren wie ihre Stars spielerisch auf dem Eis. "Russia, Russia", schallte es durch die Halle. Und: "Scheibu, scheibu!". Von wegen Heimvorteil! Doch er hätte auch nicht geholfen, zu deutlich war der Unterschied.

Auch im Mittelabschnitt schalteten die Russen nicht etwa einen Gang zurück, sondern sie hielten das Tempo hoch und kamen durch durch Gusev (32.) und Kucherov (36.) zu weiteren Treffern. Im Schlussdrittel konnten die deutschen Anhänger dann zwei Mal bei den Toren von Macek (46.) und Gogulla in Überzahl (49.) jubeln. Da war die Partie zwar längst entschieden, aber so wurde das Ergebnis doch deutlich erträglicher gestaltet. Kucherov (52.) für Russland und Frederik Tiffels (60.) setzten die Schlusspunkte.

Bundestrainer Marco Sturm durfte sich bestätigt fühlen. "Wir müssen Strafzeiten vermeiden", hatte er gefordert. Schließlich hatten die Russen schon beim 10:1 gegen Italien sechs ihrer Tore in Überzahl erzielt.

 
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