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Eishockey-WM
Sturm setzt auf NHL-Stars

Fotos: Christian Ehrhoff – Moerser, Ex-NHL-Profi, WM-Vierter
Fotos: Christian Ehrhoff – Moerser, Ex-NHL-Profi, WM-Vierter FOTO: afp, Jen Fuller
Köln. Für Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm sind die Profis, die in Nordamerika ihr Geld verdienen, besonders wichtig. Sie bringen Klasse und Erfahrung ins deutsche Team. Von Patrick Scherer und Thomas Schulze

Marco Sturm hat sich sehr wenige Gedanken gemacht, wer die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft als Kapitän anführen wird. "Für mich war die Entscheidung einfach", sagt der Bundestrainer und blickt zu Christian Ehrhoff, der neben ihm auf dem Podium der Lanxess Arena sitzt. "Ich weiß, wie er sich auf und neben dem Eis verhält", sagt der Coach.

Sturm und Ehrhoff kennen sich bestens. Zusammen spielten sie in der nordamerikanischen Profiliga (NHL) für die San Jose Sharks (2003 bis 2005) und in der Nationalmannschaft. Dass der 34-jährige Moerser, der mittlerweile in Diensten der Kölner Haie steht, morgen zum WM-Auftakt in der Domstadt gegen die USA (20.15 Uhr/Sport1) das C für Captain auf der Brust tragen wird, ist eine logische Konsequenz. Auch, weil Sturm generell auf die Erfahrung und Klasse der aktuellen und ehemaligen NHL-Profis setzt.

Deshalb müssen sich auch die in der Deutschen Eishockey Liga tätigen Torhüter Felix Brückmann (Wolfsburg) und Danny aus den Birken (München) hinten anstellen. Dennis Endras (Mannheim), bei der WM im Vorjahr noch gefeiert, wurde gar ausgemustert. Meriten von einst zählen bei Sturm nicht: "Brückmann und aus den Birken haben die bessere Saison gespielt." Noch besser ist allerdings Thomas Greiss, der gesetzt ist. "Er wird die meisten Spiele machen", erklärt der Trainer. "Wir sind froh, dass er hier ist." Der Goalie von den New York Islanders steht auch beim Auftakt gegen die USA zwischen den Pfosten.

Fotos: Greiss und Seidenberg schlagen Draisaitl FOTO: ap, JF/GAC

Derzeit umfasst der vorläufige Kader 25 Mann - exakt so viele kann Sturm für die WM melden. Doch auch hier hofft der 39-Jährige noch auf Nachschub aus Nordamerika. "Ich habe mich noch nicht entschieden. Aber es ist gut möglich, dass wir ein, zwei Plätze offen lassen", sagt Sturm. Torhüter Philipp Grubauer (Washington Capitals), Verteidiger Korbinian Holzer (Anaheim Ducks) sowie die Stürmer Tom Kühnhackl (Pittsburgh Penguins) und Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) sind mit ihren Teams noch in den NHL-Play-offs aktiv. Scheidet ein Teams aus, könnte Sturm einen Akteur nachnominieren. "Die NHL-Spieler machen einen großen Unterschied. Wir sind gut besetzt", sagt Kapitän Christian Ehrhoff.

Sturms Konzept ist es, aus einer gut sortierten Defensive mit vier ausgeglichenen Reihen zu attackieren. "Wir wollen uns nicht verstecken", sagt der Trainer, verweist aber auf die starken Gruppengegner zum Auftakt. Bereits am ersten Wochenende wartet neben den USA die schwedische Tre Kronor am Samstag (20.15 Uhr/Sport1). Danach kommt es am Montag zur Partie gegen Russland, dem Titelfavoriten neben Kanada. Erst dann warten die Duelle mit den vermeintlich schwächeren Nationen Slowakei, Dänemark, Italien und Lettland. Das Ziel lautet, unter die ersten vier Teams zu kommen, um erneut das Viertelfinale zu erreichen.

Aber all das blenden Sturm und seine Schützlinge aus. "Wir sind ganz auf das erste Spiel fokussiert", sagt der Coach. Er weiß, welch große Bedeutung einem Auftaktspiel für den weiteren Turnierverlauf zukommt - gerade im Heimatland. "Die Vorfreude ist riesengroß, wir können es kaum erwarten", sagt Ehrhoff. "Die Stimmung war schon 2001 und 2010 hier in Köln fantastisch. Sie ist eine Riesenhilfe." Doch der Heimvorteil kann sich auch nachteilig auswirken, weshalb Sturm auf die Euphoriebremse tritt: "Wir müssen ruhig anfangen", fordert er. "Die Gefahr ist groß, dass wir zu stürmisch beginnen. Wir müssen unser Spiel durchziehen, wollen uns nicht am Gegner orientieren."

Porträt: Marco Sturm: Vom NHL-Star zum Bundestrainer FOTO: dpa, dna nic

Sturm versucht den Spagat - sich ganz auf die Partie gegen die USA konzentrieren, so als sei es das entscheidende Spiel, aber in dem Wissen, dass es nur das erste von sieben Vorrundenduellen ist. "Wir wollen uns steigern, und wenn wir gut spielen, werden auch die Ergebnisse stimmen", sagt er. Die Vorbereitung habe gezeigt, dass sich die Mannschaft steigern kann. "Wir sind noch nicht am Ende angelangt." Er hofft, dass sein Team sich von Spiel zu Spiel verbessert und am Turnierende den Höhepunkt erreicht.

Quelle: RP
 
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