Zoff bei Winkler/Lohse: Eiskunstläufer vor WM in Nizza bescheiden
zuletzt aktualisiert: 26.03.2000 - 18:36Stuttgart/Nizza (dpa). Mit Junioren-Weltmeister Stefan Lindemann als neuem Hoffnungsträger, aber ohne große Medaillenchancen treten die deutschen Eiskunstläufer bei den am Montag in Nizza beginnenden Weltmeisterschaften an. "Ohne einen Vierfachsprung habe ich keine Chance, vorne dabei zu sein", weiß der 19-jährige Erfurter, der aber den Sprung in die Top Ten anpeilt. Der Deutschen Eislauf-Union (DEU) droht an der Cote d'Azur der zweite Winter in Folge ohne Edelmetall. Sportdirektor Udo Dönsdorf kann nur langfristig auf Besserung hoffen: "Es muss sich innerdeutsch so sehr reiben, dass irgendwann die Leistung explodiert."
"Total motiviert" ist Lindemann nach seinem Triumph bei der Junioren-WM in Oberstdorf. "Es gibt jetzt einen Erwartungsdruck, und das ist nicht leicht", weiß seine Trainerin Ilona Schindler. "Wer ein Großer werden will, muss damit fertig werden. Stefan hat dabei das Glück in einem überaus positiven Umfeld zu leben. Das wird ihm helfen, weder abzuheben noch abzustürzen." In das russische Duell zwischen Titelverteidiger Alexej Jagudin und Europameister Ewgeni Pluschenko werden weder Lindemann noch Andrejs Vlascenko (Füssen) eingreifen können. Mit Spannung erwartet wird auch der Auftritt des wieder erstarkten dreimaligen Weltmeisters Elvis Stojko aus Kanada.
Bei den Damen gelten Europameisterin Irina Slutskaja (Russland) und US-Girl Michelle Kwan, die Weltmeisterin und Olympia-Zweite von 1998, als die Topfavoritinnen. Einzige DEU-Teilnehmerin ist die deutsche Vize-Meisterin Zoya Douchine (München), die als EM-18. jedoch nur eine Nebenrolle spielen wird. Minimale Medaillenchancen bei ihrem wahrscheinlich letzten gemeinsamen internationalen Auftritt haben im Paarlauf die Berliner Peggy Schwarz/Mirko Müller. "Peggy ist wieder optimistisch und gut in Form", berichtete Trainer Bernd Schubert über sein "Sorgenkind", das zuletzt so oft patzte.
Im Eistanz läuft alles auf den ersten WM-Titel für die französischen Lokalmatadoren Marina Anissina/Gwendal Peizerat hinaus, die bei der EM erstmals ganz oben auf dem Treppchen standen. Für Kati Winkler/Rene Lohse (Berlin) geht es darum, den fünften Platz von Wien zu verteidigen. "Wir haben die Pflichttänze nicht so trainieren können, wie wir wollten", sagte Coach Martin Skotnicky nach einigen Trainingsausfällen. Die Reibereien zwischen seinen beiden Schützlingen haben zuletzt wieder zugenommen, da Kati Winkler durch den Tod ihres Vaters psychisch angeschlagen war.
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