Titelkämpfe in Bratislava: Eiskunstlauf-EM: "Schwarzer Montag" für deutsche Starter
zuletzt aktualisiert: 22.01.2001 - 21:51Bratislava (sid). "Schwarzer Montag" für die deutschen Eiskunstläufer: Der Europameisterschafts-Auftakt in Bratislava geriet für die Athleten der Deutschen Eislauf-Union (DEU) zu einem mittelschweren Debakel. Trauriger Höhepunkt war dabei das Kurzprogramm der Berliner Mariana Kautz und Norman Jeschke (Foto), die unter 15 Paaren lediglich den zwölften Platz belegen konnten.
Der deutsche Meister Silvio Smalun aus Oberstdorf und der Füssener Andrejs Vlascenko (Foto unten) hatten bereits am Nachmittag den klassischen Fehlstart besorgt. Mit verkorksten Kürprogrammen reichte es für die beiden Läufer in ihrer Qualifikationsgruppe nur zu den Plätzen sechs und zwölf. Junioren-Weltmeister Stefan Lindemann (Erfurt) hatte seine Teilnahme verletzungsbedingt absagen müssen.
Die 20 Jahre alte Kautz stürzte beim dreifachen Toe-Loop, im Einzelsprung und auch in der geworfenen Variante, kapital und war zumindest anschließend so ehrlich, diese Patzer nicht auf eine noch nicht völlig ausgeheilte Sprunggelenkverletzung zu schieben: "Ich wurde vorher gespritzt, der Schmerz war eliminiert." Ihr Partner war fast sprachlos und verwies nur auf zuletzt gute Trainingsleistungen der letztjährigen EM-Neunten.
Trotz eines Sturzes gehen die Ex-Weltmeister Elena Bereschnaja und Anton Sicharulidse als Führende in die Kürentscheidung am Mittwoch (18.30 Uhr). Die im vergangenen Jahr wegen eines Dopingdelikts gesperrten Russen blieben vor 1.500 Zuschauern in der Ondrej-Nepela-Halle damit höchst umstritten vor den Franzosen Sarah Abitbol und Stephane Bernadis sowie ihren Landsleuten Tatjana Totmianina und Maxim Marinin aus Russland, die jeweils saubere Programme zeigten.
Entgegen dem Rat seiner Trainerin Steffi Ruttkies wollte Vlascenko den vierfachen Salchow präsentieren, ließ ihn dann aber doch weg und verkrampfte anschließend mental. "Jetzt werde ich bestimmt von ihr dafür bestraft, am liebsten hätte ich mich im Eis vergraben", sagte der gebürtige Lette. Smalun landete bei seinem EM-Debüt nach dem dreifachen Axel zwar auf dem Hosenboden, war aber dennoch leidlich zufrieden: "Ich habe nach diesem Sturz weiter gekämpft, das war positiv."
Auch bei den Herren gab es an der Spitze keine Überraschungen. Jeweils mit der Startnummer eins setzten Weltmeister Alexej Jagudin und Titelverteidiger Ewgeni Pluschenko die Maßstäbe. Trotz reduziertem Programm distanzierten die beiden Russen die Konkurrenz deutlich. Am nächsten kamen ihnen trotz einer Nebenhöhlenentzündung ihr Landsmann Alexander Abt sowie der überraschend starke Rumäne Gheorghe Chiper.
"Mein Körper hat noch geschlafen", entschuldigte Jagudin seinen Schmalspurauftritt am Vormittag. Pluschenko erklärte: "Auch ich war noch müde. Ich habe das Programm eher wie ein zusätzliches Training gesehen." Die europäischen Titelkämpfe werden am Dienstag (11.00 Uhr) mit den Pflichttänzen der Eistänzer fortgesetzt.
Eiskunstlaufen, Europameisterschaften in Bratislava:
Herren, Qualifikation:
Gruppe B: 1. Ewgeni Pluschenko (Russland) 0,4 Punkte 2. Gheorghe Chiper (Rumänien) 0,8 3. Iwan Dinew (Bulgarien) 1,2 4. Sergej Dawidow (Weißrussland) 1,6 5. Stephane Lambiel (Schweiz) 2,0 6. Andrejs Vlascenko (Füssen) 2,4 7. Markus Leminen (Finnland) 2,8 8. Sergej Rilow (Aserbaidschan) 3,2 9. Konstantin Kostin (Lettland) 3,6 10. Dimitri Dimitrenko (Ukraine) 4,0 11. Angelo Dolfini (Italien) 4,4 12. Silvio Smalun (Oberstdorf) 4,8 13. Gregor Urbas (Slowenien) 5,2 14. Robert Grzegorczyk (Polen) 5,6 15. Hristo Turkalow (Bulgarien) 6,0
Gruppe A: 1. Alexej Jagudin (Russland) 0,4 Punkte 2. Alexander Abt (Russland) 0,8 3. Stanick Jeannette (Frankreich) 1,2 4. Witali Danilschenko (Ukraine) 1,6 5. Robert Kazimir (Slowakei) 2,0 6. Alexej Koslow (Estland) 2,4
Paare, Stand nach dem Kurzprogramm:
1. Elena Bereschnaja/Anton Sicharulidse (Russland) 0,5 Punkte 2. Sarah Abitbol/Stephane Bernadis (Frankreich) 1,0 3. Tatiana Totmianina/Maxim Marinin (Russland) 1,5 4. Maria Petrowa/Alexej Tichonow (Russland) 2,0 5. Dorota Zagorska/Mariusz Siudek (Polen) 2,5 6. Sabrina Lefrancois/Jerome Blanchard (Frankreich) 3,0 7. Aliona Sawschenko/ Stanislaw Morozow (Ukraine) 3,5 8. Olga Bestandigova/Josef Bestandig (Slowakei) 4,0 ...12. Mariana Kautz/Norman Jeschke (Berlin) 6,0
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