Vlascenko bei letztem Wettkampf Siebter: Eiskunstlauf: Franzose Joubert Sensationssieger
zuletzt aktualisiert: 06.02.2004 - 07:58Budapest (rpo). Bei der Herren-Kür der Eiskunstlauf-Europameisterschaften in Budapest hat der Franzose Brian Joubert sensationell den EM-Titel gewonnen. Stefan Lindemann sicherte sich das WM-Ticket. Am Freitag hat Annette Dytrt den positiven deutschen Trend fortgesetzt.
Jewgeni Pluschenko, der Weltmeister aus St. Petersburg, verlor die sicher geglaubte Goldmedaille nach einer durchwachsenen Kür mit Höhen und Tiefen zu Recht an den letztjährigen Vize-Europameister aus Frankreich, Bronze holte sich Ilja Klimkin aus Russland. Das interne deutsche Duell um die Startberechtigung für die Welttitelkämpfe Ende März in Dortmund entschied unterdessen der Erfurter Lindemann gegen Andrejs Vlascenko aus München für sich.
Vor 5500 Zuschauern in der Budapest-Arena lief Lindemann noch auf den fünften Platz, Vlascenko wurde Siebter. Doch noch größer war die Enttäuschung für den Abonnement-Meister Pluschenko, der offensichtlich unter seinen starken Kniebeschwerden litt und gleich zweimal stürzte.
Den Nachteil, schon in der vorletzten Startgruppe auf das Eis zu müssen, glich der ehemalige Junioren-Weltmeister Lindemann mit einer kämpferisch, aber auch künstlerisch überzeugenden Leistung aus. Obwohl die Kombination aus vierfachem und dreifachem Toe-Loop gleich zu Beginn total missriet, fing sich der Thüringer schnell und spulte den Rest seines Programms zur Musik "Der kleine Däumling" beinahe fehlerfrei ab.
"Bei der Kombination war ich zu langsam im Anlauf. Schade, denn beim Einlaufen klappte noch alles", erklärte der Deutsche Meister anschließend seinen Patzer. Von den Preisrichtern fühlte sich der 23 Jahre alte Thüringer gerecht bewertet, die Noten gingen bis zu 5,6 Punkten hinauf.
Seine nach dem Kurzprogramm noch sehr verärgerte Trainerin Ilona Schindler war diesmal von der Vorstellung ihres Schützlings sehr angetan: "Stefan hatte zwei Jahre lang schwer zu knabbern und hat manchmal an's Aufhören gedacht. Ich glaube, das ist jetzt vorbei." Lindemann selbst bestätigte spontan: "Zwei Jahre will ich mindestens noch laufen."
Vlascenko, der nachlegen musste, fehlte bei seiner Kür zum Operetten-Thema "Die Zirkusprinzessin" das Tempo und die Klasse bei den Sprungkombinationen. Der gebürtige Russe musste am Ende mit Rang sieben zufrieden sein. In seinem letzten Wettkampf überhaupt sicherte er der Deutschen Eislauf-Union (DEU) immerhin noch den dritten Startplatz bei den europäischen Titelkämpfen 2005 in Turin.
Dyrtrt setzt positiven Trend fort
Am Freitag hat Annette Dytrt den positiven deutschen Trend fortgesetzt. Nach einem fehlerfreien Vortrag reihte sich die Deutsche Meisterin im Kurzprogramm unter 31 Starterinnen auf Rang zwölf ein und steht damit dicht vor ihrer WM-Qualifikation. Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) hatte der Münchnerin den 16. Platz im Schlussklassement als Norm mit auf das Eis gegeben.
Im Kampf um die Nachfolge der erkrankten Titelverteidigerin Irina Slutskaja hat Lokalmatadorin Julia Sebestyen bei der Kür-Entscheidung am Samstag (13.00 Uhr) die besten Karten. Die Ungarin, im vergangenen Jahr EM-Dritte, setzte sich getragen vom Publikum an die Spitze des Teilnehmerfeldes. Der 22-Jährigen am Nächsten kamen Elena Liaschenko aus der Ukraine und ihre Teamkollegin Viktoria Pavuk. Als Sechste hat die favorisierte russische Meisterin Elena Sokolowa nach einem unsauber gelandeten dreifachen Flip praktisch keine Siegchance mehr.
Die 20-Jährige Dytrt präsentierte ihren "Danse Macabre" so ausdrucksstark wie noch nie und wurde dafür mit guten Bewertungen in der B-Note für die Präsentation belohnt. Defizite offenbarte die gebürtige Tschechin noch bei den technischen Schwierigkeiten, die besser platzierten Konkurrentinnen boten dem Preisgericht höherwertige Dreifach-Sprünge an. "Annette hat sich auf jeden Fall psychisch besser im Griff als früher", lobte DEU-Sportdirektor Udo Dönsdorf.
"Dieses Mal wusste ich auch besser, was mich bei einer EM erwartet", entgegnete Dytrt, die im vergangenen Jahr mit Rang 21 hatte zufrieden sein müssen und daraufhin für die Welttitelkämpfe nicht berücksichtigt worden war. Ihren Leistungsaufschwung begründete die Blondine unter anderem mit einem Trainingslager bei Top-Trainerin Tatjana Tarassowa in den USA: "Es war hart dort, aber es hat auch viel Spaß gemacht. Seither bin ich eine völlig andere Läuferin auf dem Eis."
Am Rande der europäischen Titelkämpfe warb Ottavio Cinquanta, Präsident des Eislauf-Weltverbandes ISU, für das in diesem Winter in der Grand-Prix-Serie erprobte neue Wertungssystem, das ab dem vor-olympischen Winter 2004/2005 flächendeckend zum Einsatz kommen soll. "Ich bin mehr als sicher, dass es dafür auf dem ISU-Kongress die erforderliche Mehrheit geben wird", sagte der Italiener in der ungarischen Hauptstadt.
Die neuen Wertungsvorschriften sehen eine nach oben offene und additive Benotung vor, bislang gibt es einen Höchstwert von 6,0 Punkten. Jedes auf dem Eis gezeigte Element wird separat eingestuft. Bei derzeit 55 ISU-Mitgliedern ist auf dem Kongress im Juni im niederländischen Scheveningen eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich. Die Abstimmung gilt als offen, von mindestens zehn Verbänden ist bekannt, dass sie am alten System festhalten wollen.
Ausgangspunkt dieser Reformen war der Paarlauf-Skandal bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City. Dort hatte die französische Preisrichterin Marie-Reine le Gougne eingeräumt, vor ihrem Votum in der Paarlauf-Konkurrenz beeinflusst worden zu sein. Daraufhin hatte das Internationale Olympische Komitee entschieden, in dieser Disziplin zwei Goldmedaillen zu vergeben.
Eiskunstlauf, Europameisterschaften in Budapest, Herren, Endstand:
1. Brian Joubert (Frankreich) 2,6 Punkte,
2. Jewgeni Pluschenko 3,0,
3. Ilja Klimkin (beide Russland) 5,6,
4. Frederic Dambier (Frankreich) 7,2,
5. Stefan Lindemann (Erfurt) 12,0,
6. Stephane Lambiel (Schweiz) 13,8,
7. Andrejs Vlascenko (München) 14, 6,
8. Andrej Griasew (Russland) 17,2,
9. Gheorghe Chiper (Rumänien) 19,8,
10. Tomas Verner (Tschechien) 20,0,
11. Kevin van der Perren (Belgien) 21,2,
12. Sergej Dawidow (Weißrussland) 21,4,
13. Kristoffer Berntsson (Schweden) 22,4,
14. Gregor Urbas (Slowenien) 23,0,
15. Witali Danilschenko (Ukraine) 26,6,
...
19. Damien Djordjevic (Frankreich) 31,2,
20. Patrick Meier (Schweiz) 33,2,
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum











