Wagnis für Olympia: Eiskunstlauf: Mirko Müller startet mit 17-Jähriger
zuletzt aktualisiert: 16.08.2000 - 15:29Hamburg/Oberstdorf (dpa). Für seinen Traum von einer olympischen Medaille geht Paarläufer Mirko Müller (Archivfoto mit seiner ehemaligen Partnerin Peggy Schwarz) ein Wagnis auf dem Eis ein. Nach monatelanger Suche hat sich der 25 Jahre alte Berliner für die 17-jährige Einzelläuferin Sarah Jentgens entschieden. "Nach vier Wochen gemeinsamen Trainings kann ich sagen, es ist keine Notlösung, auch wenn sie keine ausgereifte Paarläuferin ist", bestätigte Müller am Mittwoch am Rande eines Paarlauflehrgangs in Oberstdorf.
Seine 1,55 Meter kleine Partnerin aus Köln bringt zwar ideale körperliche Voraussetzungen mit, ihr fehlt aber Erfahrung in der neuen Disziplin. Bis sie auch nur annähernd das Niveau von Müllers ehemaliger Partnerin Peggy Schwarz erreicht hat, wird einige Zeit vergehen. Erst im Mai hatten sich Schwarz/Müller, die 1998 Weltmeisterschafts-Dritte wurden, getrennt.
"Wir werden in diesem Jahr an keinem Wettkampf teilnehmen und nur trainieren. Das Wichtigste ist, dass unsere Leistung auf soliden Füßen steht", sagte Müller. Er wagt den völligen Neuaufbau und schließt deshalb zurzeit sogar eine Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften im Januar aus. Dafür riskiert der talentierte Läufer unter Umständen sogar seine Förderung als A-Kader-Athlet durch die Deutsche Eiskunstlauf-Union (DEU). "Es ist mir nicht so wichtig, ob ich A, B oder C bin, im A-Kader zahlt man sowieso mehr zurück."
Wichtig ist dem Feldwebel aber die weitere Zugehörigkeit zur Bundeswehr, die ihm auch seinen Lebensunterhalt sichert. Nur in der Sportfördergruppe könne er das aufwendige Trainingspensum leisten. Trainieren will der Berliner für sein großes Ziel Olympia 2002 in Salt Lake City. Geschmack gefunden an den Medaillenrängen hat der talentierte Läufer vor zwei Jahren in Minneapolis, als er mit der drei Jahre älteren Peggy Schwarz Bronze holte. Doch nach diesem Winter mit einer verpatzten EM (Fünfte) und WM (Achte), als die 28- Jährige wiederholt an ihren Nerven scheiterte, gab es keine gemeinsame Perspektive mehr. Peggy Schwarz setzt nun auf eine Trainerkarriere.
Ob Sarah Jentgens, der Müller eine gute technische Ausbildung bescheinigt, jemals Weltklasse-Niveau an seiner Seite erreichen wird, muss sich erst zeigen. "Sie ist ein hübsches Mädchen und bringt gute Voraussetzungen mit. Das Last-Kraft-Verhältnis zu Mirko ist perfekt", sagt der erfahrene Trainer Knut Schubert, "ich stehe voll dahinter."
Die DEU sieht den Neubeginn des Paares mit Wohlwollen: "So ein Paar muss in Ruhe zusammen arbeiten können, wenn es eine große Zukunft haben soll", sagte Vizepräsident Friedrich Dieck. "Wir wären ja schlecht beraten, wenn wir sagen würden, Ihr müsst die Meisterschaften laufen." Dieck ist sicher, dass Müller/Jentgens spätestens im März 2001 bei den Kaderwettbewerben ihre Leistung zeigen werden. "So schnell wird ein Leistungsträger nicht aus dem Kader fallen", beurteilte Dieck die Situation. Generell entstünde im Paarlauf aber schon ein Lücke, die international von dem jungen Paar Mariana Kautz/Norman Jeschke auch noch nicht geschlossen werden kann.
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