Stefan Lindemann nur 18.: Eiskunstlauf: Pluschenko erstmals Weltmeister
zuletzt aktualisiert: 23.03.2001 - 09:57Vancouver (rpo). Der Russe Ewgeni Pluschenko ist zum ersten Mal Eiskunstlauf-Weltmeister geworden. Der 18-Jährige verteidigte in Vancouver in der Kür-Entscheidung seine Führung aus dem Kurzprogramm und entthronte den dreifachen Weltmeister Alexej Jagudin, der Zweiter wurde. Die Bronzemedaille ging an den Amerikaner Todd Eldredge.
Für den einzigen deutschen Teilnehmer, Stefan Lindemann aus Erfurt, endete die WM mit einem sportlichen Debakel. Der Junioren- Weltmeister des Vorjahres wurde nach einer verpatzten Kür nur 18.
Mit der brillantesten Kür der Eiskunstlauf- Geschichte hat der Russe Ewgeni Pluschenko für eine Wachablösung an der Weltspitze gesorgt und Ansprüche auf den Olympiasieg im Jahr 2002 gestellt. «Es stimmt, Pluschenko ist mir zurzeit um einiges voraus. Ich muss mich technisch verbessern, um in der nächsten Saison wieder eine Chance zu haben», räumte der geschlagene dreifache Champion Alexej Jagudin in Vancouver ein.
Auch der 21-Jährige war beeindruckt von der außergewöhnlichen Leistung seines drei Jahre jüngeren Landsmannes, dem nur das kritische Preisgericht keine Höchstnote geben wollte. «Es geht nicht um die 6,0, sondern um Gold. Und das haben wir endlich gewonnen», bemerkte Pluschenkos Coach Alexej Mischin zufrieden. Ohne Fehler und mit der Kombination Vierfach-Toelopp/Dreifach-Toeloop/Zweifach- Rittberger stellte sein St. Petersburger Schüler alles in den Schatten, was Jagudin zu bieten hatte. Der ehemalige Trainingskamerad, der sich vor dem Wettkampf wegen einer schmerzhaften Fußverletzung spritzen ließ, konnte Pluschenko den ganzen Winter über nicht das Wasser reichen.
«Ich werde nächste Saison bestimmt noch einen Vierfach-Sprung anbieten, wahrscheinlich den Salchow», setzte der selbstbewusste Pluschenko sogar noch einen drauf. Doch Jagudin, der trotz der Verletzung nie aufgab und im Gladiator-Kostüm Silber holte, ist eine Kämpfernatur. «Ein bisschen frisches Blut würde ihm gut tun», meinte Trainer Mischin, der Jagudin nie verziehen hat, dass sein Schüler sich von ihm trennte, um zu Tatjana Tarasowa zu gehen. Ein Vorbild für Jagudin könnte Ex-Weltmeister Todd Eldredge (USA) sein, der nach zwei Jahren Pause gestärkt zurückkam und mit 29 Jahren in Vancouver noch einmal Bronze holte.
Lernen vom Weltmeister soll der Erfurter Stefan Lindemann, der als einziger Starter der Deutschen Eislauf-Union (DEU) den Wettbewerb als 18. abschloss. Der Junioren-Weltmeister des Vorjahres brach in der Kür völlig ein und setzte sich mehrfach auf den Hosenboden. Deutliche Worte fand Trainerin Ilona Schindler: «Nach zwei positiven Jahren muss er nun auch diesen Rückschlag verdauen. Wenn er das schafft, kann er vorne mitmischen. Wenn nicht, wird er nie ein ganz Großer werden.» Der Thüringer hatte sich zu Beginn des Winters eine Bänderverletzung zugezogen und war erst zur WM wieder fit.
Für die Vorbereitung auf die kommende Saison will Schindler mit Lindemann zum mehrwöchigen Trainingslager nach St. Petersburg fahren. «Da herrscht ein anderer Wind», meinte Ilona Schindler mit Blick die schlechteren Bedingungen in Russland. Aber schaden könne so eine Erfahrung nicht, «da wird manch einer vielleicht mal aus seinem Trott herausgerissen», meinte sie vieldeutig.
Zufrieden mit ihrer Leistung waren die mehrfachen deutschen Eistanz-Meister Kati Winkler/Rene Lohse, die mit ihrem fetzigen Originaltanz die 17 000 Besucher im General Motor Place zu Szenenapplaus hinrissen. Die hübsche Kati zeigte sich im Charleston- Kostüm auch wieder mit den bei der EM wegen der strengen Preisrichter abgelegten Strapse. «Das hat uns auch nicht weiter nach vorn gebracht», gab die attraktive Berlinerin zu, die vor der abschließenden Kür mit ihrem Partner auf Rang sieben lag. Wie im Vorjahr führten die Europameister Barbara Fusar-Poli/Maurizio Margaglio (Italien) vor den WM-Champions Marina Anissina/Gwendal Peizerat (Frankreich) nach dem Originaltanz das Feld an.
Herren, Endstand nach der Kür:
1. Ewgeni Pluschenko (Russland) 2,0 Punkte 2. Alexej Jagudin (Russland) 5,2 3. Todd Eldredge (USA) 5,6 4. Timothy Goebel (USA) 7,6 5. Takeshi Honda (Japan) 12,4 6. Yunfei Li (China) 12,4 7. Chengjang Li (China) 14,8 8. Alexander Abt (Russland) 14,8 ...18. Stefan Lindemann (Erfurt) 32,0
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