Ziel: Mit Stefan Lindemann zu Olympia: Eiskunstlauf: Trainerin Jutta Müller mit neuem Ehrgeiz
zuletzt aktualisiert: 14.09.2001 - 12:25Chemnitz/Hamburg (rpo). Jutta Müller, die erfolgreichste Eiskunstlauf-Trainerin aller Zeiten und langjährige Betreuerin von Katarina Witt will Stefan Lindemann zu den Olympischen Winterspielen nach Salt Lake City bringen.
Seit mittlerweile vier Wochen steht der Erfurter, Junioren-Weltmeister des vergangenen Jahres, regelmäßig auf dem Eis des Chemnitzer Eisstadions am Küchwald. Der überwiegende Teil der Übungsstunden wird allerdings nach wie vor bei "Haupttrainerin" Ilona Schindler in Erfurt absolviert, die sich aber auch um andere Athleten kümmern muss und ihren Musterschüler dann nach Chemnitz schickt.
"Frau Müller hat sich jahrelang nur auf den Nachwuchs konzentriert. Jetzt sieht sie wieder eine Chance, einen Läufer aus Ostdeutschland weiter nach oben zu bringen", sagt Schindler über die Beweggründe des bemerkenswerten Comebacks. Müller bestätigt: "Stefan Lindemann soll bei Olympia nicht nur ein Mitläufer sein." Die drei Jahrzehnte jüngere Ilona Schindler lässt allerdings keinen Zweifel daran, dass sie sich nach wie vor als Chefin fühlt: "Die Programme standen schon, als die Deutsche Eislauf-Union den Kontakt nach Chemnitz hergestellt hatte. Die Verantwortung trage letztendlich ich."
Fünf Monate vor den Spielen in Utah muss die DEU fürchten, nur mit einem Miniaufgebot in der Mormonen-Metropole vertreten zu sein. Entsprechend niedrig war die Hemmschwelle, als es darum ging, bei der ehrgeizigen Sächsin um Hilfe zu bitten. Im Zuge der deutschen Einheit hatte der Verband auf die Dienste Müllers keinen Wert mehr gelegt, entsprechend eisig war das Verhältnis.
Auch als DEU-Präsidentin Angela Siedenberg am Rande einer Gala zum 70. Geburtstag der stets linientreuen Übungsleiterin um Mithilfe bei der Trainerausbildung bat, lehnte Müller verbittert ab. Begründung: "Natürlich war ich ein Kind des alten Systems, aber ich hätte mehr Verständnis dafür erwartet, dass ich mich während des Umbruchs in vielen Dingen neu zurecht finden musste."
Stefan Lindemann hat sich jedenfalls vom Schleifer-Image der rüstigen Rentnerin nicht schrecken lassen und sieht das Training in Chemnitz positiv: "Die Arbeit mit Frau Müller ist mir sehr wichtig geworden. Sie achtet besonders auf die korrekte Haltung, und ich freue mich, dass das Training noch intensiver geworden ist."
Hart gearbeitet wird aber auch in Erfurt, denn der für die Etablierung in der Weltspitze unabdingbare Vierfachsprung, am 21. August erstmals im Training gestanden, soll spätestens bei den deutschen Meisterschaften Anfang Dezember in Berlin wettkampfreif präsentiert werden. "Ich denke, ich habe jetzt den Dreh raus", glaubt Lindemann, der im vergangenen Winter lange von einer langwierigen Bänderverletzung im Knöchel behindert wurde und deshalb seinen nationalen Titel nicht verteidigen konnte.
Das wichtigste Saisonziel ist die Olympia-Qualifikation, dafür muss der 20-Jährige bei den Europameisterschaften im Januar in Lausanne mindestens Rang acht belegen. Dort kann ihm Jutta Müller bestenfalls per Ferndiagnose helfen, denn die Erfolgstrainerin ist reisemüde geworden. Lindemann: "Bei Wettkämpfen betreut mich vor Ort nur Frau Schindler."
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