Winkler/Lohse fuhren nationalen Titel ein: Eiskunstlauf: Überraschungssieg für Sawtschenko/Szolkowy
zuletzt aktualisiert: 04.01.2004 - 17:00Berlin (rpo). Elf Wochen vor der Heim-WM in Dortmund ist bei den deutschen Eiskunstläufern von einem Leistungsschub noch nichts zu spüren. Für einen Lichtblick sorgten neben Kati Winkler und Rene Lohse vor allem die beiden Chemnitzer Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy.
Die Berliner Eistänzer Kati Winkler und Rene Lohse, die fast konkurrenzlos ihren sechsten nationalen Titel einfuhren, dürfen sich weiterhin zur Weltklasse zählen. Dennoch zog Reinhard Mirmseker, Präsident der Deutschen Eislauf-Union (DEU), ein gedämpft positives Fazit. "Es sind Perspektiven vorhanden, ich bin heute optimistischer als noch vor einem Jahr", sagte der Verbandsboss. Dank eines publikumsfreundlichen Zeitplans kamen immerhin 5000 Zuschauer an drei Tagen in das Erika-Heß-Eisstadion.
Mit seinem verhaltenen Lob meinte der Berliner in erster Linie die beiden Chemnitzer Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy. Die Schützlinge von Trainer Ingo Steuer bestritten erst ihren zweiten gemeinsamen Wettkampf und bestachen dennoch durch bemerkenswerte Harmonie. Zweite wurden die Titelverteidiger Eva-Maria Fitze und Rico Rex (München/Chemnitz) gefolgt vom Berliner Duo Mikkeline Kierkgaard/Norman Jeschke.
Das EM-Ticket lösten Fitze/Rex, denn die Ukrainerin Sawtschenko ist wie auch die Dänin Kierkgaard international noch nicht für die DEU startberechtigt. Einen enttäuschenden fünften und letzten Platz belegten die letztjährigen EM-Achten Nicole Nönnig/Matthias Bleyer.
Schwerer Sturz
Trotz eines erneuten schweren Sturzes beim vierfachen Toe-Loop ging der Titel bei den Herren zum dritten Mal an Stefan Lindemann. Der ehemalige Junioren-Weltmeister aus Erfurt überholte mit einer kämpferischen Kür den nach dem Kurzprogramm noch führenden Andrejs Vlascenko (München). Der 29-Jährige sicherte sich den zweiten Platz und damit das zweite Ticket für die EM im Februar in Budapest. Für Titelverteidiger Silvio Smalun aus Oberstdorf hingegen ist die Saison nach Rang drei vorzeitig beendet.
Sieger Lindemann, der nach der Musik "Le petit poucet" in einem hellbraunen Kostüm lief, war anschließend von sich selbst richtig begeistert: "Das war meine beste Leistung seit langem, selbst der gestürzte Vierfachsprung war gar nicht so schlecht." Die Preisrichter honorierten den Einsatz des 23-Jährigen mit Noten bis zu 5,8 Punkten.
Auch Winkler/Lohse konnten bestätigen, dass ihre Formkurve nach oben zeigt und sie sich in Dortmund zumindest in Medaillennähe bewegen sollten. Nicht ernsthaft bedrängt von den zweitplatzierten Dortmundern Christina und William Beier waren die Schützlinge von Trainer Martin Skotnicky eine Klasse für sich und präsentierten die überarbeitete Version ihres Kürthemas "Tag und Nacht".
"Wir sind gut gelaufen und auf dem richtigen Weg", sagte Winkler, ihr Partner ergänzte: "Nun gilt es, das Programm bis zur EM zu stabilisieren und an der Ausstrahlung zu arbeiten. Dafür bleiben uns immerhin drei Wochen Zeit." Die sieben Juroren vergaben fast einheitlich 5,7 und 5,8 Punkte, einmal erhielten die Olympia-Achten von Salt Lake City für die Präsentation 5,9.
Erfolgreiche Titelverteidigung
Eine erfolgreiche Titelverteidigung gelang auch der Münchnerin Annette Dytrt in der Damen-Konkurrenz, doch international ist die 20-Jährige von der Weltspitze noch ein gutes Stück entfernt. Ob die DEU die gebürtige Tschechin überhaupt für Dortmund nominieren wird, hängt vom Abschneiden bei der EM statt. Der Verband erwartet von Dytrt dort eine Platzierung um Rang 15, bei den letztjährigen europäischen Titelkämpfen in Malmö hatte es für die Debütantin nur zum 21. Platz gereicht.
Ein Sommercamp bei der renommierten russischen Trainerin Tatjana Tarassowa in den USA zusammen mit der WM-Vierten Sasha Cohen lässt die alte und neue Titelträgerin mit gestiegenem Selbstbewusstsein die kommenden Aufgaben anpacken: "Ich habe in den vergangenen Monaten viel gelernt und mich weiter entwickelt. Im letzten Winter wusste ich einfach noch nicht, was mich international erwartet, das wird diesmal anders sein."
Eiskunstlauf, Deutsche Meisterschaften in Berlin
Herren Endstand: 1. Stefan Lindemann (Erfurt) 2,0 Punkte, 2. Andrejs Vlascenko (München) 2,5, 3. Silvio Smalun (Oberstdorf) 5,0, 4. Martin Liebers 5,5, 5. Peter Liebers 7,5, 6. Andre Kaden (alle Berlin) 9,0, 7. Ulf Bökeler (Stuttgart) 12,0, 8. Tobias Bayer (Augsburg) 13,5, 9. Frederik Pauls (Esslingen) 14,0, 10. Clemens Brummer (Berlin) 14,5
Damen, Endstand: 1. Annette Dytrt (München) 1,5 Punkte, 2. Denise Zimmermann (Mannheim) 4,0, 3. Constanze Paulinus (Erfurt) 5, 0, 4. Katharina Häcker (Mannheim) 6,0, 5. Stefanie Dankert (Berlin), 6. Christiane Berger (Mannheim) beide 7,5 (besseres Kürergebnis zugunsten von Dankert), 7. Constance Kemmner (Stuttgart), 8. Kristina Beutelrock (Königsbrunn) beide 12,5 (besseres Kürergebnis zugunsten von Kemmner), 9. Mari-Doris Vartmann (Düsseldorf) 14,0, 10. Denise Philipp (Dortmund) 16,0
Paarlauf, Endstand: 1. Aljona Sawtschenko/Robin Szolkowy (Chemnitz) 1,5 Punkte, 2. Eva-Maria Fitze/Rico Rex (München/Chemnitz) 3,5, 3. Mikkeline Kierkgaard/Norman Jeschke (Berlin) 4,0, 4. Rebecca Handke/Daniel Wende (Möhnesee/Essen) 6,5, 5. Nicole Nönnig/Matthias Bleyer (Chemnitz) 7,0
Eistanz, Endstand: 1. Kati Winkler/Rene Lohse (Berlin) 2,0 Punkte, 2. Christina und William Beier (Dortmund) 4,0
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