Montag Beginn der WM in der Westfalenhalle Dortmund: Eiskunstlauf-WM: Außenseiter Winkler/Lohse
zuletzt aktualisiert: 21.03.2004 - 17:26Hamburg (rpo). Kampf statt Kunst, so lautet das Motto für die deutschen Eiskunstläufer vor dem Beginn der Weltmeisterschaften am Montag in Dortmund. Das gilt insbesondere für Kati Winkler und Rene Lohse.
Die Medaillen sind unerreichbar, aber die deutschen Eiskunstläufer versprechen vor den am Montag beginnenden Weltmeisterschaften den größtmöglichen Einsatz. "Die innere Einstellung und der Kampfgeist werden stimmen", glaubt Präsident Reinhard Mirmseker vor den Welttitelkämpfen in Dortmund. Das Miniteam der Deutschen Eislauf-Union (DEU) kann und will in der Westfalenhalle auf eher bescheidenem Niveau positiv überraschen.
Dass Arbeit statt Glamour bei den sportlich zweitklassigen WM-Gastgebern im Vordergrund steht, dokumentiert niemand besser als Kati Winkler und Rene Lohse. Die deutschen Eistanz-Meister zögerten wegen der Knieverletzung Lohses (Innenbandanriss) ihre Anreise nach Dortmund bis zum letztmöglichen Zeitpunkt hinaus, um in der Abgeschiedenheit des Allgäus so intensiv wie möglich zu trainieren. "In Oberstdorf sind die Bedingungen optimal, wir können so lange auf's Eis wie wir wollen", hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung.
Edelmetall abgeschrieben
Nach der wochenlange Pause haben die beiden Berliner das vor Saisonbeginn zum möglichen Karriereende erhoffte WM-Edelmetall jedoch weitgehend abgeschrieben. "Ein Medaillengewinn ist so gut wie aussichtslos, und bei der EM in Budapest haben wir auch noch gefehlt. Ein Vorteil ist das bestimmt nicht", sagte Lohse dem Berliner Tagesspiegel.
Ohne es zu ahnen, entgingen die Olympia-Achten von Salt Lake City den Eisproblemen in der Westfalenhalle, die zu Beginn des Wochenendes beim Organisationskomitee hektische Betriebsamkeit ausgelöst hatten. Ein für Eishallen ungeeigneter Farbanstrich hatte auf der Lauffläche zahlreiche Öllachen entstehen lassen. Die unkonventionelle Lösung: Das Wasser der Eisbereitungsmaschine wurde so lange mit Spülmitteln versetzt, bis sich der Ölfilm verflüchtigt hatte.
Kati Witt für die Öffentlichkeit
Somit können die deutschen Läufer nun dem eigenen Publikum beweisen, dass sie nicht so schlecht sind wie ihr Ruf. Ihr Präsident schwört nach wie vor darauf, dass der Operettensport in Deutschland eine Zukunft hat: "Die Popularität des Eiskunstlaufens ist noch nicht verloren gegangen, das zeigt auch der Vorverkauf." Nicht nur für das Schaulaufen am Sonntag sind alle 6300 Tickets verkauft, auch für die Kür-Entscheidungen im Eistanz und bei den Damen sind nur noch wenige Eintrittskarten verfügbar.
Allein durch ihre Anwesenheit dürfte auch Katarina Witt für zusätzliche Aufmerksamkeit für die WM in der Öffentlichkeit sorgen. Die Co-Kommentatorin in Diensten der ARD hofft auf Eiskunstlauf-Fans, die sich von den ARD-Sendezeiten nach Mitternacht nicht abschrecken lassen. "Vielleicht schauen doch ein paar Leute mehr als sonst zu, das kann unser Sport, der in Deutschland ein wenig an den Rand des öffentlichen Interesses gedrängt worden ist, gut gebrauchen", sagte sie in einem Gespräch mit der Sonntags-FAZ.
Vierfach fürs Selbstvertrauen
Als Erster hat am Montag Stefan Lindemann die Gelegenheit, seine gute EM-Platzierung (Rang fünf) zu bestätigen. Der Erfurter hat bei einem Testwettkampf in Stuttgart erstmals die Kombination aus vierfachem und dreifachem Toe-Loop gestanden und daraus Selbstvertrauen für die WM-Tage von Dortmund gezogen. "Im Moment ist die Trefferquote gut, deshalb versuche ich die Kombination in allen drei Wettbewerbsteilen", kündigte der ehemalige Junioren-Weltmeister an.
Zum Auftakt der Eiskunstlauf-WM in Dortmund erwischte der deutsche Meister Stefan Lindemann eine günstige Auslosung. Beim Qualifikations-Wettkampf der Herren am Montag (10.00 Uhr) muss der Erfurter unter 41 Teilnehmern erst als 37. Starter auf das Eis. Startnummer 33 zog Titelverteidiger Jewgeni Pluschenko aus Russland, eröffnet werden die Welttitelkämpfe von dem Slowaken Juraj Sviatko.
Ähnliches Losglück hatten die Chemnitzer Eva-Maria Fitze und Rico Rex, die beim Kurzprogramm am Montag (19.10 Uhr) als 14. von 19 Paaren antreten müssen. Startnummer vier gab es für die Titelverteidiger Xue Shen und Hongbo Zhao aus China.
Bei den Europameisterschaften vor neun Jahren an gleicher Stelle feierten die deutschen Fans die Paarlauf-Sieger Mandy Wötzel und Ingo Steuer. Als Trainer der Chemnitzer Eva-Maria Fitze und Rico Rex ist der Ex-Weltmeister allerdings in diesen Tagen so auf seine Schützlinge fokussiert, dass die Erinnerung an das Dortmunder EM-Gold weitgehend verblasst ist: "Es ist weniger von damals hängen geblieben als ich dachte."
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