Kwan muss um Titelverteidigung bangen: Eiskunstlauf-WM: Bronze für Winkler/Lohse
zuletzt aktualisiert: 27.03.2004 - 11:35Dortmund (rpo). Kati Winkler und Rene Lohse haben sich bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Dortmund ihren Traum von einer Medaille erfüllt. Mit der Traumnote sechs und 9000 begeisterten Zuschauern im Rücken gewannen die beiden Berliner die Bronzemedaille.
Rene Lohse sank auf seine lädierten Knie, Kati Winkler schlug die Hände vor ihr schönes Gesicht - Schlussszene eines für die beiden Berliner unvergesslichen Abends, der für die deutschen Eistanz-Meister mit der Erfüllung eines Traums endete. Nach 16 gemeinsamen Jahren auf dem Eis grüßten sie bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften als Gewinner der Bronzemedaille und zogen damit mit ihrem Teamkollegen Stefan Lindemann gleich, der am Vortag Dritter bei den Herren geworden war.
Im Wettlauf gegen die Zeit hatten sich die beiden 30-Jährigen nach der Knieverletzung Lohses im Januar in Form bringen müssen, der Druck bei ihren ersten Welttitelkämpfen im eigenen Land war enorm. Doch mit ihrer "stärksten Vorstellung überhaupt", so Trainer Martin Skotnicky, tanzten die beiden Sportsoldaten in die Herzen der 9000 Zuschauer und die Kalkulationen der 14 Preisrichter. Einer der Juroren gönnte den Lokalmatadoren sogar erstmals in ihrer internationalen Karriere die Höchstnote von 6,0 Punkten.
Emotionales Publikum
"Damit sind gleich mehrere Träume für uns wahr geworden", jubilierte Winkler nach minutenlangem Wechsel zwischen dicken Freudentränen und fast schon hysterischem Lachen. Seit elf Jahren bei Welt- und Europameisterschaften im Geschäft, waren die beiden Wahl-Allgäuer bislang nie über Rang fünf hinausgekommen. Und ausgerechnet die zu Saisonbeginn umstrittene Kür mit dem Thema "Tag und Nacht" brachte für die beiden in Oberstdorf trainierenden Tänzer den Durchbruch.
Angeheizt vom Publikum schlugen die Emotionen in der Westfalenhalle so hohe Wellen, dass selbst der normalerweise eher reservierte Reinhard Mirmseker, Präsident der Deutschen Eislauf-Union (DEU), alle verbale Zurückhaltung aufgab: "Ich sage das sehr selten, aber ich bin hier und heute überglücklich."
Entscheidungen
Der Verbandsboss spielte damit auf die Serie von Verletzungen an, die Winkler/Lohse in den vergangenen Jahren zu überwinden hatten. Kaum eine Saison verlief störungsfrei und die Geduld der beiden Tänzer, schon 1990 letzte DDR-Meister im Eistanz, beim langen Marsch Richtung Medaillenpodest wurde auf eine heftige Probe gestellt. Lohse: "Es ist einfach unfassbar. Ich hätte nie geglaubt, dass ein solcher Erfolg für uns möglich ist."
Mit ein wenig Abstand wollen und müssen sich die WM-Dritten nun darüber klar werden, ob und wie es weitergeht mit ihrer Karriere. Die Bronzemedaille nehmen und gehen ist die klügere Alternative, weitermachen bis Olympia 2006 in Turin wäre ein couragierter Beschluss. "Es ist eine Entscheidung fürs Leben, deshalb wollen wir alles erst ein bisschen sacken lassen", erklärte Lohse um Aufschub bittend. Physisch, so Lohse weiter, sei es kein Problem, auch mit 32 Jahren noch eine Top-Leistung zu bringen, doch wie zu vernehmen war, weisen die Zeichen ziemlich eindeutig Richtung Abschied.
Nachwuchs kaum in Sicht
Was die DEU sich wünscht, daraus machte Mirmseker keinen Hehl. "Wenn Kati und Rene aufhören, wäre ich nicht enttäuscht, aber traurig. Ich müsste es eben akzeptieren", sagte der Berliner, dessen Verband im Eistanz dann vor einem totalen Neuaufbau stünde. Die deutschen Vize-Meister Christina und William Beier aus Dortmund sind noch weit von der internationalen Spitze entfernt und nicht wenige Beobachter zweifeln auch an, dass das Geschwisterpaar genügend Talent mitbringt, um irgendwann einmal in die absolute Weltspitze vordringen zu können.
Coach Skotnicky, der auch die Beiers seit Jahresbeginn unter seine Fittiche genommen hat, steht mit seinen neuen Schützlingen so oder so aber ein langer Weg bevor, denn der Slowake pflegt seine Paare von der Pike auf zu formen: "Ich bin kein Trainer, der Leute klaut."
Eiskunstlauf, Weltmeisterschaften in Dortmund, Eistanz, Endstand:
1. Tatjana Nawka/Roman Kostomarow (Russland) 2,0 Punkte,
2. Albena Denkowa/Maxim Stawiski (Bulgarien) 3,6,
3. Kati Winkler/Rene Lohse (Berlin) 6,2,
4. Jelena Gruschina/Ruslan Gonscharow (Ukraine) 6,6,
5. Tanith Belbin/Benjamin Agosto (USA) 9, 6,
6. Isabelle Delobel/Olivier Schoenfelder (Frankreich) 10,8,
7. Galit Chait/Sergej Sachnowski (Israel),
8. Marie-France Dubreuil/Patrice Lauzon (Kanada) jeweils 13,4 (besseres Kürergebnis zugunsten von Chait/Sachnowski),
9. Federica Faiella/Massimo Scali (Italien) 16,4,
10. Oksana Domnina/Maxim Schabalin (Russland) 18,4,
11. Megan Wing/Aaron Lowe (Kanada) 20,2,
12. Melissa Gregory/Denis Petuchow (USA) 21,4,
13. Swetlana Kulikowa/Witali Nowikow (Russland) 24,4,
14. Sinead und John Kerr (Großbritannien) 25,6,
15. Natalia Gudina/Alexej Beletski (Israel) 26,4,
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20. Nathalie Pechalat/Fabian Bourzat (Frankreich) 35,0.
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