Zwei Stürze, ein Patzer: Eiskunstlauf-WM: Debakel für Stefan Lindemann
zuletzt aktualisiert: 15.03.2005 - 21:19Moskau (rpo). Stefan Lindemann hat bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Moskau das größte sportliche Desaster seiner Karriere erlebt. Sogar der sicher geglaubte Olympia-Startplatz ist für den Erfurter in Gefahr geraten.
Ein völlig verpatztes Kurzprogramm warf den letztjährigen WM-Dritten vom 4. auf den 18. Platz zurück. Alle drei Basiselemente seiner Kurzkür zur Filmmusik "Earnest" gingen total daneben. Der ehemalige Junioren-Weltmeister stürzte sowohl beim vierfachen Toe-Loop als auch beim dreifachen Lutz. Der Axel wurde statt dreifach nur einfach gedreht. Mit ratlosen Blicken zu seiner Trainerin Ilona Schindler verließ der 24-Jährige ernüchtert das Eis und sah mit versteinerter Miene, dass die Preisrichter ihm insgesamt nur 85,96 Punkte zuerkannten.
Ungeschoren kam aber auch Top-Favorit Jewgeni Pluschenko, wegen Leistenproblemen kurz vor seinem Auftritt fitgespritzt, nicht durch sein Kurzprogramm. Enthusiastisch gefeiert von 9000 Zuschauern im erstmals gut gefüllten Luschniki-Sportpalast konnte auch der Titelverteidiger aus Russland den vierfachen Toe-Loop nicht stehen. Mit 111,26 Punkten geht der dreimalige Titelträger nur als Dritter hinter dem Schweizer Stephane Lambiel (118,28) und Ex-Europameister Brian Joubert aus Frankreich (112,66) in die Kür-Entscheidung am Donnerstag (17 Uhr).
"Ich bin sehr überrascht, das war absolut nicht zu erwarten. Im Training lief es gut, mit meinen leichten Rückenbeschwerden hatte das alles nichts zu tun", war die erste Reaktion des Thüringers, der bei der Qualifikation am Montag trotz leichter Rückenbeschwerden eine sehenswerte Kür hingelegt hatte. Schindler ergänzte: "So etwas kommt vor, der Mensch ist eben keine Maschine."
Eiskalter Wind
Den deutschen Meistern Christina und William Beier wehte zum Auftakt der Eistanz-Konkurrenz ebenfalls ein eiskalter Wind entgegen. Die beiden WM-Debütanten mussten sich nach dem Pflichttanz unter 30 Paaren mit Rang 21 begnügen. Zumindest das Erreichen des Kürfinales der besten 24 Duos am Freitag ist für das Geschwisterpaar aus Dortmund aber noch ein realistisches Ziel.
An der Spitze tanzen die Europameister Tatjana Nawka und Roman Kostomarow erwartungsgemäß einer erfolgreichen Titelverteidigung entgegen. Die beiden Russen distanzierten beim Midnight Blues mit 45,97 Punkten die US-Amerikaner Tanith Belbin und Benjamin Agosto, die auf 42,18 Zähler kamen, sogar noch deutlicher als prognostiziert. Den dritten Platz nehmen vor dem Originaltanz am Donnerstag (11 Uhr) Jelena Gruschina und Ruslan Gonscharow aus der Ukraine (41,30) ein.
Die Schützlinge von Trainer Martin Skotnicky hingegen mussten sich mit 27,24 Punkten begnügen, mehr als deutlich unter dem Niveau der letztjährigen WM-Dritten Kati Winkler und Rene Lohse aus Berlin, die ihre Karriere mittlerweile beendet haben. "Wir können uns hier nur anständig präsentieren. Wir brauchen Geduld und Ausdauer, um nach oben zu kommen. Glücklicherweise liegt uns der Midnight Blues mehr als andere Pflichttänze", sagte Christina Beier.
Die Welttitelkämpfe werden am Mittwoch (8 Uhr) mit der Qualifikation der Damen fortgesetzt. Für die DEU geht die deutsche Meisterin Annette Dytrt aus München an den Start. Am Abend (17 Uhr) werden im Paarlauf die ersten Medaillen vergeben.
Eiskunstlauf, Weltmeisterschaften in Moskau, Herren, Stand nach dem Kurzprogramm:
1. Stephane Lambiel (Schweiz) 118,28 Punkte,
2. Brian Joubert (Frankreich) 112,66,
3. Jewgeni Pluschenko (Russland) 111,26,
4. Jeffrey Buttle (Kanada) 109,39,
5. Evan Lysacek (USA) 105,55,
6. Chengjiang Li (China) 104,84,
7. Johnny Weir (USA) 102,70,
8. Daisuke Takahashi (Japan) 102,31,
9. Andrej Griazew (Russland) 100,23,
10. Emanuel Sandhu (Kanada) 97,03,
11. Frederic Dambier (Frankreich) 96,58,
12. Kevin van der Perren (Belgien) 96,43,
13. Kristoffer Berntsson (Schweden) 92,75,
14. Timothy Goebel (USA) 92,73,
15. Sergej Dobrin (Russland) 90,28,
...
18. Stefan Lindemann (Erfurt) 85,96,
...
23. Jamal Othman (Schweiz) 81,97,
24. Viktor Pfeifer (Österreich) 80,42.
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